Züchterfamilie mit Leidenschaft

Als Quereinsteiger kam Peter Kilchhofer zur Pferdezucht, baute diese Jahr für Jahr aus, was zu den heutigen «von Gurbrü»-Pferden führte und einer erfolgreichen Pferdezucht. Bestätigung für die guten Leistungen erhielt die Familie Kilchhofer neulich durch den Titel «Züchter des Jahres». Angefangen hat die Geschichte der Zucht «von Gurbrü» vor rund 30 Jahren, auf dem Elternhof von Peter Kilchhofer im bernischen Gurbrü. Der Mann des Hauses wurde durch seine Frau Eliane vom Pferdevirus angesteckt, obwohl bereits früher Pferde auf dem Hof standen, welche vor allem als Arbeitstiere gedient hatten. Nach einigen nicht sehr gelungenen Versuchen in der Freibergerzucht stiegen Kilchhofers mit dem Kauf ihrer Stammstute Paloma zur Warmblutzucht über. Paloma stand damals tragend beim Metzger, wo sie von Kilchhofers erworben wurde. Das damalige Fohlen, die heute 27-Jährige Anja, lebt noch heute auf dem Hof der Familie Kilchhofer und galt für die ganze Familie als Lehr­meis­terin. Beide Töchter absolvierten mit ihr das Brevet sowie die Springlizenz. So ent­standen bis heute aus der Paloma-Linie rund 40 Fohlen, darunter 16 Swiss-EliteStuten, zahlreiche Prämienzuchtstuten, Finalisten an Promotionsprüfungen sowie national und interna­tional erfolgreiche Springpferde. Rund 40 Fohlen sind in Gurbrü bis heute geboren. Heute werden bis zu drei Fohlen pro Jahrgang in Gurbrü geboren. Wenn möglich werden die Fohlen bereits an den Auktionen verkauft. Sich von den selbstgezogenen Pferden zu trennen ist immer schwierig, da eine starke Beziehung zu den Tieren aufgebaut wurde und so haben die Kilchhofers mit den meis­ten Besitzern ihrer ehema­ligen Pferde noch Kontakt. Angeritten werden die Jungpferde auf dem Hof von den beiden Töchtern Véronique und Nathalie, welche die Leidenschaft der Eltern mitbekommen haben. Auch die ersten Parcours absolvieren die «von Gurbrü»-Jünglinge unter deren Sattel. Für höhere und schwierigere Aufgaben werden die Pferde jeweils Thierry Gauchat anvertraut, so zurzeit der Zuchthengst Corassini von Gurbrü sowie Heartwinner von Gurbrü. Letzterer erzielte in der vergangenen Saison seine ersten Klassierungen sowie drei Siege in S-Prüfungen und gehört somit zum grossen Stolz der Familie Kilchhofer. Stolz sind Eliane und Peter Kilchhofer auf ihre gesamte Pferdezucht, zählen jedoch nebst Heartwinner zwei weitere Pferde auf, für welche sie eine spezielle Begeisterung haben und welche immer noch in ihrem Besitz stehen. Der gekörte Zuchthengst Corassini von Gurbrü überzeugt nicht nur durch seine sportlichen Leistungen, sondern auch durch seinen exzellenten Charakter. Sein Zuhause ist auf dem Hof und er wird täglich von den Töchtern auf die Turniere vorbereitet. Corassini ist aktuell in seiner dritten Saison als Deckhengst und wurde bereits Vater von rund 50 Fohlen. Stammstute Laurora hier mit dem Fohlen Cessna von Gurbrü (von Calato). Laurora, die Mutter zahlreicher Pferde und zweier gekörter Hengste wird ebenfalls als sehr wichtiges Pferd erwähnt. In ganz guter Erinnerung bleiben einige Erfolgspferde wie Galinka III, welche internationale Erfolge mit Daniel Etter und Corinne Tanner feierte, Forever VII, Berner Kantonsmeister sowie regionaler Schweizermeister unter Daniel Stettler oder Blue Nature, siegreich in Deutschland bis 140 Zentimeter. Durch den Verkauf von Tango XVII nach Irland und Wega in die USA wurde die Züchterfamilie und das Schweizerpferd auch im Ausland bekannt. Richtungswechsel Vor rund 15 Jahren traf die Familie Kilchhofer eine grosse, schwierige Entscheidung: die Aufgabe der Gemüse- und Milchproduktion und den Wechsel zur spezialisierten Pferdezucht und -pension. «Wir wussten noch nicht, ob die Pferdepension laufen wird und ob wir laufend immer genügend Pensionäre finden würden. Damals war zu unserem Glück das Angebot an Pensionsboxen noch gering und wir konnten uns darin einen Namen schaffen», so Eliane und Peter Kilchhofer. Der ehemalige Bauernbetrieb wur­de langsam um- und ausgebaut und heute zählt man auf dem Hof Platz für 40 Pferde in schönen Boxen, zum Teil mit Auslauf. Auch Hengste sind auf der Anlage willkommen und werden ganz normal wie andere Pferde gehalten und geniessen auch den Weidegang. Stolz der Familie: Zuchthengst Corassini von Gurbrü unter Thierry Gauchat. Heartwinner von Gurbrü, im Besitz der Familie Kilchhofer, sammelte 2013 unter Thierry Gauchat seine ersten Platzierungen und Siege in S-Prüfungen. Heartwinner von Gurbrü mit seinem Reiter Thierry Gauchat und Peter Kilchhofer nach dem Sieg in der Einlaufprüfung Superpromotion 2013. Ein schöner Sandplatz mit Reiterstübli wur­de gebaut und das Zielpublikum erreichte nach einiger Zeit nicht nur die Freizeitreiter, sondern auch ambitionierte Sportler. Vom früheren Bauernbetrieb bleibt immer noch eine kleine Spur: Futterbau und wenig Getreide werde für die Eigennutzung immer noch angepflanzt. Zudem findet jedes Jahr ein Lehrling als Landwirt einen Ausbildungsplatz in Gurbrü oder ein Praktikant in der Branche Pferdewissenschaft. Die sechsköpfige Familie engagierte sich seit dem Start in die professionelle Pferdezucht mit viel Einsatz. So bekam Véro­nique den Titel «Managerin», kreierte und gestaltete die Homepage, knüpft Kontakte und kümmert sich um die Werbung rund um den Familienbetrieb, während sich Nathalie mehr der Ausbildung der Pferde widmet. Mit enormer Freude und mit viel Stolz berichten die Eltern über den Ehrgeiz ihrer Kinder im Familienbetrieb. Highlights über Highlights Dass die Zucht der Kilchhofers in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, beweisen nicht nur die Erfolge der Nachkommen in Springprüfungen. Die Kö­rung von Corassini 2010 war für die Züchterfamilie ein Grosserfolg und damit wur­de in den Augen von Kilchhofers Riesiges erreicht. Zwei Jahre später wurde der Halbbruder von Corassini, Heartbeat E.S. (ex. Breakdance von Gurbrü), welcher bereits als Fohlen verkauft wurde, ebenfalls gekört und es herrschte erneut grosse Euphorie in Gurbrü. Doch der Highlights war noch nicht genug und so wurde die Familie Kilchhofer vor einigen Wochen mit dem Titel «Züchter des Jahres» ge­kürt. Ein Titel, der völlig unerwartet kam und als Dank für die jahrelange Arbeit gilt. Eliane und Peter Kilchhofer wurden als Züchter des Jahres 2013 ausgezeichnet. Rechts: VSS-Präsident Peter Matzinger. Die Zukunft sieht das Ehepaar Kilchhofer weiter um Pferde. In diesem Jahr feiern beide ihren 60. Geburtstag. Sie spielen bereits mit dem Gedanken, dass längerfristig die Töchter den Hof und die Pferdezucht weiterführen werden. Na­thalie wie auch Véronique kennen sich in der Materie bestens aus und haben nebst ihrem Beruf als Polizistin und kaufmännische Angestellte Aus- und Weiterbildungen besucht. Peter Kilchhofer erzählt, dass sich Véronique seit mehreren Jahren intensiv mit der Pferdezucht befasst und er vermehrt auf ihren guten Rat zählen kann, was die An­paarungen anbelangt. Als Zuchtziel gilt es für Kilchhofers, leistungs­star­ke Sportpferde für den Amateur und den Profi zu züchten, mit gutem Charakter und korrektem Exterieur und Ausdruck. Obwohl die Idee, vielleicht eines Tages ein Fohlen mit Dressurabstammung zu züchten, in­teressant wäre, bleiben die Fohlen «von Gurbrü» wohl der Abstammung des Springpferdes treu.

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