Wie intelligent ist mein Pferd?

Wie am Wochenende versprochen, folgt nun mein Blog übers Thema „Intelligenz der Pferde“.

Dass Pferde lernfähig und kreativ sind, merken wir Pferdebesitzer wohl am besten.  Und natürlich wissen wir auch, dass sie ein Erinnerungsvermögen besitzen. 

Dies merken wir vor allem beim Ausreiten wenn das Pferd plötzlich meint: „Hey, gestern war der weisse Blumentopf aber noch nicht hier?!“ Ebenfalls ist es ihnen genau bewusst, wenn wir uns auf einer angeblichen Galopp-Strecke befinden, da wir dies das letzte Mal ja schliesslich auch so gemacht haben.

Pferde entwickeln zudem eine eigene Strategie zur Problemlösung und benutzen sogar Werkzeuge. Sie sind also weitaus intelligenter, als bislang angenommen.  Die logische Konsequenz daraus wäre dann natürlich, dass sie dementsprechend ausgelastet werden müssten, was heutzutage leider immer noch zu wenig der Fall ist.

Jahrzehntelang für „dumm verkauft“
Aufgrund eines albernen Schabernacks von dem pensionierten Schullehrer Wilhelm von Osten, galten die Pferde jahrzehntelang als Tiere, welche nur reagieren und nicht denken.  Er führte nämlich in einem Berliner Hinterhof einen Trick vor, bei welchem der Rappe „Hans“ anhand von seiner Mimik und einzelnen Gesten, die jeweilige Frage richtig beantwortete.  Die Blamage grub sich tief ins Bewusstsein der Wissenschaftler ein, was sich erst in den letzten paar Jahren wieder änderte.

Leben in sozialen Verbänden unterstützt die Zunahme vom Hirnvolumen 
Während Pferdefreunde wissen, dass Pferde höchst sensibel und verständig sind, sieht der Rest der Welt diese leider oft nur als glubschäugige, muskelbepackte Kreaturen mit furchteinflössenden Hufen. Doch Tierpsychologen, Verhaltensforscher, Zoologen und andere Pferdekundler legen inzwischen in Experimenten regelmässig dar, dass die Tiere schlauer sind, als man insgeheim denkt. Hans mag kein Pferde-Einstein gewesen sein, aber er verfügte über ein empfindliches Wahrnehmungsvermögen, das ihm erlaubte, subtilste Reaktionen zu interpretieren. Zudem bilden Pferde abstrakte Konzepte und kennen ihren Namen.
Die Voraussetzung für solche Intelligenzleistungen schuf die Evolution.  Dabei stellte sie fest, dass die Gehirne jener Tiere stark wuchsen, die in stabilen sozialen Verbänden leben. So nahm das Volumen der Gehirne von Affen am meisten zu, gefolgt von Pferden, Delfinen, Kamelen und Hunden.

Pferde verfügen über Problemlösungsstrategien
In der freien Wildbahn leben Pferde in Gruppen mit starken Bindungen, wobei es trotzdem zu Konflikten kommen kann. Sei es, dass ein junges Pferd das Herdenoberhaupt herausfordert, oder einfach ein anderes Pferd aggressiv reagiert. Beobachtungen haben ergeben, dass bei solchen Streitigkeiten einige Pferde regelmässig eingreifen. Sie schlichten Auseinandersetzungen, bestrafen oder führen eine Wiedergutmachung herbei. Wie der Mensch verfügen Pferde also über Konfliktlösungsstrategien, was jedoch nur funktioniert, wenn sie ihre Rangposition, alle Einzeltiere und ihr Hierarchieverhältnis zueinander in einer Gruppe respektieren. 


Die soziale Intelligenz macht sich auch im Umgang mit dem Menschen bemerkbar, da Pferde ihre Artgenossen genau beobachten und ziehen daraus ihre Rückschlüsse. So folgen sie in einem runden, eingezäunten Platz einem Trainer schneller, wenn sie zuvor ein anderes Pferd dieselbe Übung haben durchlaufen sehen. Jedoch nur, wenn es ein dominantes Pferd ihrer Gruppe ist.

Da Gipsy gerne den Part der Leitstute übernimmt, folgt ihr Special meist blind, weil er ihr vertraut. Gerade diese Woche hatte er beim Ausreiten Angst vor einem Teerfleck am Boden. Als Gipsy sich dem angsteinflössenden schwarzen Ding näherte, konnte auch Special wieder Durchatmen und die Welt war wieder in Ordnung.

Ebenso haben die Tiere auch den Menschen genau im Blick. Sie merken sich meist, unter welchem Eimer eine Person eine begehrte Karotte versteckt. Oder sie lernen durch Beobachtung, wie man eine Futterbox öffnet. Wie oben erwähnt, reagieren sie auf ihren Namen, wenn er gerufen wird, was somit bedeutet, dass sie ihn kennen und auf sich beziehen.

Doch Pferde sind nicht nur sozial intelligent, sie können offenbar auch abstrakte Konzepte verstehen. Wie die Expertin für Nutztierhaltung Martina Gerken herausfand:  Sie konfrontierte Shetland-Ponys mit einem Bildschirm, auf dem drei Symbole als Dreieck angeordnet waren: ein Kreis, ein Dreieck und ein Kreuz. Die Ponys konnten anschliessend mit einem Nasenstupser gegen einen Knopf neben einem der Symbole einen Futterautomaten betätigen, wenn auf dem Display ein zweites, identisches Symbol zu sehen war. Das lernten die hungrigen Pferde rasch, offenbar können sie also Kategorien wie „Gleichheit“ bilden.


Pferde benützen sogar Werkzeuge
Wenn es ums Fressen geht, werden die Pferde kreativ und benutzen gerne auch mal ein Werkzeug, um an das verlockende Heu zu gelangen. Auch können sich meine Pferde beide gekonnt losmachen (trotz Sicherheitsknopf) Offene Fragen gibt es jedoch noch genug, denn niemand weiss genau, was in den Gehirnen der Pferde wirklich vorgeht. Wir können nur ihr Verhalten beobachten und selber daraus zu lernen.

Wie oft fragen wir uns, was hat sich das Pferd nur dabei gedacht? Ich würde allzu gern wissen, wie uns die Pferde sehen. Aber für mein Gemüt ist es wohl auch besser, wenn ich das noch lange nicht erfahren werde ;-)

Bei Cavallo-Online habe ich übrigens noch einen Clever-Test gefunden: 
-Teil 1

-Teil 2 

Viel Spass beim Ausprobieren!

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