Westernreiten und seine vielen Disziplinen

Westernreiten heisst nicht bloss ganz gelassen durch die Umgebung zu streifen. Nicht nur! Denn wie in der Dressur, gibt es auch beim Western eine grosses Brandbreite des Könnens. Der Unterschied aber zwischen Englischer Reitweise und dem Westernreiten liegt darin, dass der englische Reiter seinem Pferd „andauernd“ Kommandos gibt, sei dies mit der Hand, dem Gewicht oder den Schenkeln. Beim Western dagegen sagt der Reiter dem Pferd es soll traben und dies nur einmal. Nach diesem Impuls bleibt das Pferd in dieser Gangart bis vom Reiter ein neues Zeichen kommt. Ein weitere Gemeinsamkeit ist die verschiedenen Disziplinen. Auch die Westernreiter messen sich in verschieden Prüfungen. In diesem Artikel erfahrt ihr mehr zu den wichtigsten Reitprüfungen im Western.

Reining. Fast alle kennen diese Disziplin. Es wird auch gesagt, dass diese Reitweise die Dressur des Westerns ist. Im Reining werden die Lektionen so schnell und präzise wie möglich ausgeführt. Alles wird im Galopp geritten und die Elemente sind Tempowechsel, Stopps (Sliding Stopp, Foto 1), Rückwärtsrichten und Drehungen. Diese Disziplin ist seit dem Jahre 2000 bei FEI anerkannt und wurde unter anderem an den WEG bestritten. Wie auch die Dressur im englischen Stil, muss das Reining auswendig geritten werden.

Nebst dem Reining mit vorgegebenem Plan, gibt es das Freestyle Reining. Hierbei haben die Reiter grosse Freiheiten. Halten müssen sie sich nur an die vier Minuten, die ihnen zur Verfügung stehen. Dazu muss die Musik ausgewählt werden und zur „Kür“ passen. Die Elemente des Freestyle Reining können aus einer Tabelle ausgewählt werden. Wer es sich zutraut, kann das Freestyle Reining auch ohne Zaumzeug oder Sattel reiten. Ich würde sagen, diese Disziplin ist die lockerste im Ganzen Reitsport, die es gibt. Oder täusche ich mich?

Trail ist eine weitere Prüfung. Wie der Name es schon sagt, handelt es sich dabei um Wanderrit. Aber wie sieht diese Prüfung denn nun aus? Hierbei geht es darum, dass sich die Reiter den Schwierigkeiten des Geländes stellen, die ihnen jederzeit beim Ausreiten vor die Füsse fallen können. Das ganze wird sozusagen nur inszeniert und auf einem Platz geritten. Das Durchreiten eines Tores, welches vom Pferd aus geöffnet werden muss, das Treten über Stangen, egal in welcher Gangart wie auch das Rückwärtsrichten durch eine Gasse. Letzteres bedeutet, dass ein L oder ein U geformt wird und der Reiter mit seinem Pferd rückwärts hindurch kommen muss. Hier werden Manier, Ruhe und Haltung des Pferdes bewertet. Abzüge gibt es auch für das Anschlagen einer Stange. Präzision und Vertrauen sind sehr wichtig bei dieser Disziplin.

Beim Western Pleasure ist das Vergnügen der wichtigste Aspekt. Der Richter gibt die Lektionen vor, die eine Gruppe reiten muss. Alles sehr individuell, da die Jury nach Lust und Laune die Prüfung gestaltet. Aber auch hier wird alles präzise geritten, wenn auch nur zum Plausch.

Wer kennt Western Horsemanship noch nicht? Dieser Stil kommt immer mehr und die Menschen finden Freude daran. Hier geht es nicht um das Pferd und wie es die Kommandos ausführt, sondern um den Reiter. Das heisst, es wird bewertet wie der Reiter seine Aufforderungen an das Pferd richtet. Hilfegebung und Haltung werden sehr genau angeschaut. Die Aufgaben sind nicht spektakulär. Es ist mehr eine Mischung aus schlichten Übungen, die aber einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad haben. Die Prüfung besteht aus zwei teilen. Die erste ist eine Einzellektion, die zu bestehen damit eine Teilnahme am zweiten Teil möglich ist. Der erste Teil bekommt deswegen auch 80 Prozent zugemessen. Der letzter Teil ist wie die Pleasure Prüfung.

Wem die Bodenarbeit sehr zuspricht, der würde sich in der Disziplin Showmanship at Halter wiederfinden. Wie auch im Horsemanship wird hier auf den Reiter geachtet. Horsemanship wird auf dem Pferd absolviert, Showmanship vom Boden aus.

Eine weitere sehr bekannte Disziplin ist das Barrel Race (Foto 2). Dabei muss ein vorgegebenes Dreieck um drei Fässer (Barrel) geritten werden. Die Barrels dürfen berührt, aber nicht umgestossen werden, denn dies gibt 5 Strafsekunden. Race bedeutet Rennen, dass heisst hier gewinnt der Schnellste. Somit sind Reiter und Pferd in dieser Übung immer rasant unterwegs und die Pferde geben richtig Gas.

Pole Bending erinnert ein wenig an die eine Übung aus dem Hundesport. Dabei wird ein Slalom aufgestellt. Die Stangen haben einen Abstand von 21 Fuss oder umgerechnet knapp 6.5 Meter. Dabei ist wichtig alle Stangen durchzureiten, denn ein Auslassen bedeutet die Disqualifikation. Beim Umstossen gibt es lediglich eine Zeitstrafe.

Cutting ist eine weitere sehr bekannte Reitprüfung im Western. Es ist die Lektion, bei der ein Rind von der Herde abgetrennt werden muss. Was wahrscheinlich kaum einer weiss: Diese Sportart hat ein immenses Preisgeld! Hinter Tennis und Golf liegt sie nämlich an dritte Stelle. Kaum zu glauben! Dies komm aber nicht von ungefähr, denn die Reiter dieser Disziplin brauchen für ihr Training eine menge an Rindern. Und der Unterhalt dieser Vielzahl an Tieren, hat seinen Preis. Die Cutting Reiter brauch diese Anzahl an Rindern, denn sie müssen irgendwie üben. 

Hierbei gibt es einige Regeln. Der Reiter hat zweieinhalb Minuten Zeit. Er darf sich jenes Rind aussuchen, welches im passt und muss dieses solange in Betracht ziehen wie es auch mitmacht. Das heisst, wenn es sich nicht rührt oder ihm die Kehrseite zeigt, muss er von ihm lassen und sich ein neues suchen. Wenn er das Rind von der Herde absondern konnte, hört der Reiter auf jegliche Hilfegebungen zu geben und legt seine Zügelhand auf dem Pferdehals ab. Für diese spezielle Disziplin gibt es auch die perfekten Pferde. Gewisse Vierbeiner haben einen sogenannten Cow Sense und mimen die Bewegungen der Rinder nach, damit sie nicht zurück zur Herde gehen. Aber nicht nur die Hilfe des Pferdes, auch die von vier Weiteren Männern stehen dem Leader zu. Diese vier Helfer, bestehen aus den anderen Teilnehmern und somit aus den Konkurrenten. Ihre Leistung wird aber nicht bewertet.
Nebst dieser bekannten Disziplin gibt es Abwandlungen:

Working Cowhorse besteht aus zwei Teilen. Zuerst wird alles trocken vorgezeigt, danach kommt ein Rind dazu. Dabei muss es mehrmals gewendet und auf beiden Händen auf einem Zirkel gehalten werden.

Beim Team Penning wird in einem Dreierteam gearbeitet. Nachdem sie die Mittellinie des Platzes überritten haben, werden ihnen drei Rinder genannt. Diese sind entweder mit einer Nummer oder Farbe gezeichnet. In eineinhalb Minuten müssen so viele Rinder, maximal drei, in ein Pen gescheucht werden.

Das Ranch Sorting ist ähnlich wie das Penning. Die Rinder haben Nummer von null bis neun aufgesprüht. Der Richter gibt nach durchreiten der Mittellinie die Reihenfolge vor. Hier sind zwei Reiter auf dem Platz und sie haben zweieinhalb Minuten Zeit.

Die letzte Disziplin für diesen Artikel ist die Hunter under Saddle. Das Pferd mit ausgreifenden Gängen wird vom Reiter vorgeführt. Das Besondere dabei ist, dass das Pferd in englisch gezäumt und gesattelt wird. Es wird in allen Grundgangarten geritten, aber dies mit mehr Tempo und dazu hat es in der Klasse Hunter Hack noch zwei Sprünge.

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem ausführlichen Artikel einen guten Einblick in die Welt des Westerns geben. Morgen gibts dann die Geschichte zur Entstehung des Wilden Westens. Viel Spass beim lesen.

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