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Welches Pad gibt das beste Reitgefühl?

Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat Nina Hess, Master-Studentin Tiermedizin an der Vetsuisse-Fakultät Zürich, verschiedene Sattelpads getestet. In diesem Blogbeitrag stellt sie ihre Arbeit näher vor!

 

Hintergrund der Studie
Sattelpads gibt es in verschiedensten Formen und Materialien. Viele Reiter aus allen Disziplinen verwenden sie als Ersatz oder in Ergänzung zu einer herkömmlichen Schabracke. Trotz des häufigen Einsatzes von Sattelpads gibt es bis heute nur wenige unabhängige Daten dazu, wie sich Pads auf die Druck- und Kraftverteilung auf dem Pferderücken auswirken. Mit dem Ziel die Dämpfungseigenschaften von verschiedenen Sattelunterlagen genauer zu erforschen, führte die Abteilung für Sportmedizin des Departements für Pferde der Vetsuisse-Fakultät Zürich im Herbst 2020 eine Studie durch.


Material und Methoden 
Während 4 Tagen wurde die Auswirkung von 4 verschiedenen, kommerziell erhältlichen Pads auf den Pferderücken überprüft. Dabei wurden 8 Pferde von einer professionellen Bereiterin geritten und die Druckverhältnisse unter dem Sattel wurden mit Hilfe einer Messmatte von der Firma Novel objektiv analysiert. Voraussetzung zur Teilnahme an der Studie war u.a., dass die Dressursättel eine gute Passform für das jeweilige Pferd haben mussten, was vorab fachmännisch kontrolliert wurde. Jedes Pferd wurde einmal mit jedem Pad sowie einmal nur mit einer handelsüblichen dünnen Baumwollschabracke geritten und die Messungen wurden nach einem standardisierten Programm in allen Grundgangarten durchgeführt. Die Auswertung der Satteldruckmessungen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen und die Ergebnisse sollen in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert werden. Für diesen Bericht wurde daher nur ein kleiner Teil der Daten ausgewertet, nämlich die subjektive Einschätzung der Bereiterin und des Teams der Abteilung für Sportmedizin für die 4 Pads. Die statistische Auswertung der Kraft- und Druckverteilung wird zeigen, ob die subjektive Einschätzung der Reiterin mit den Messwerten übereinstimmt.

Satteldruckmessung, hier mit dem Equiline Pad (Foto: Nina Hess)
Satteldruckmessung wird mithilfe einer speziellen Software ausgewertet (Foto: Nina Hess)

Erste Ergebnisse – Subjektive Einschätzung
Nach jedem Ritt wurde die Bereiterin gefragt, ob sie das Reitgefühl mit dem entsprechenden Pad als positiv, neutral oder negativ empfand. Das Satteln mit den Pads wurde vom Team der Abteilung für Sportmedizin übernommen, wobei vor allem die Anwenderfreundlichkeit beurteilt wurde. Bereits während der Messungen zeichnete sich ab, dass es zwischen den Pads einige Unterschiede gibt. Im Grossen und Ganzen waren alle Pads benutzerfreundlich und einfach in der Anwendung. 

Acavallo Gel Pad Anatomic 
Das Acavallo Gel Pad Anatomic besteht aus einem weichen Gel-Material und ist 7mm dick. Das Pad gibt es nur in Einheitsgrösse; es ließe sich aber bei sehr kleinen Sätteln durch Zurechtschneiden an der Hinterkante etwas kürzen, und kann sowohl unter Dressur- als auch unter Springsätteln verwendet werden. In unserer Studie hat es gut unter alle 8 Dressursättel gepasst. 

Bei der Verwendung dieses Pads ist aufgefallen, dass das Pad ziemlich stark klebt. Dies verhindert zwar, dass der Sattel verrutscht, führt aber auch dazu, dass schnell Dreck oder Staub am Pad haften bleiben.

Bei 5 der 8 Pferde beschrieb die Bereiterin bei diesem Pad ein eher negatives Reitgefühl, bei den restlichen 3 ein neutrales. Dies unter anderem, weil sie zum Teil das Gefühl hatte, dass sich die ganzen Bewegungen eher stockend und wenig geschmeidig angefühlt haben.

Die Anwendung des Acavallo Pads ist grundsätzlich einfach. Allerdings muss man gut darauf achten, dass man beim Satteln das Pad zusammen mit der Schabracke ausreichend einkammert, da das Pad die Tendenz hat sich beim Reiten nach unten zu ziehen und auf dem Widerrist zu liegen zu kommen.

Fazit: Dieses Pad ist geeignet, um ein Rutschen des Sattels zu vermeiden, hat aber wenig dämpfende Eigenschaften und muss sorgfältig unter dem Sattel platziert werden. 

Acavallo Gel Pad Anatomic

Equiline Tecno Air Shock Absorber 
Das Pad von Equiline setzt sich aus verschiedenen Materialien zusammen: Die Unterseite besteht aus patentiertem TecnoCoolmax® Material, die mittlere Schicht besteht aus einem polsternden Material und die oberste Schicht enthält so genannte Air Space Fasern. Das Pad ist insgesamt 12mm dick. Auch das Tecno Air Shock Absorber Pad gibt es nur in Einheitsgrösse und es passte gut unter alle Dressursättel unserer Studie. 

Bei diesem Pad gab die Bereiterin bei 2 der 8 Pferde ein gutes Reitgefühl an und bei den restlichen 6 Pferden war das Reitgefühl neutral.

Dieses Pad war einfach in der Anwendung, allerdings war es auch hier nicht immer ganz einfach das Pad zusammen mit der Schabracke einzukammern. Mit Hilfe von Klett-Strippen kann es am Sattel angebracht werden, und zeigt daher auch keine Tendenz zu Rutschen.

Fazit: Hat dämpfende Eigenschaften und rutscht nicht, muss aber sorgfältig unter dem Sattel platziert werden.

Equiline Tecno Air Shock Absorber

Mattes Lammfellpad mit Fellrand vorne, Grösse M 
Das Lammfellpad ist der Klassiker unter den Sattelpads. In dieser Studie wurde ein Pad der Marke Mattes in der Ausführung Dressur und der Grösse M mit Lammfellkissen und Fellrand vorne, sowie Wirbelsäulenfreiheit (Spine-free) verwendet. Es war 33 mm dick. 

Die Bereiterin empfand das Reitgefühl mit diesem Pad bei allen Pferden als positiv. Sie fühlte sich jeweils genügend nahe am Pferd, um gezielte, feine Hilfen geben zu können, fühlte aber dennoch eine gute Dämpfung von Schlägen.

Ebenso wie das Pad von Equiline kann das Lammfellpad mit Hilfe von Klett-Strippen am Sattel befestigt werden. Auch hier ist es wichtig, das Pad beim Satteln gut in die Sattelkammer hochzuziehen, damit es nicht auf dem Widerrist aufliegt. Einmal platziert bleibt es aber beim Reiten in Position. 

Fazit: Gute dämpfende Eigenschaften und einfach in der Anwendung. 

Mattes Lammfellpad mit Fellrand vorne, Grösse M

Winderen Sattelpad Comfort 18mm, Grösse 18’’
Das Sattelpad Comfort von Winderen besteht aus 5 Schichten. Die oberste Schicht ist austauschbar und besteht aus ballistischem Nylon, die zweite Schicht ist eine dynamische Stabilisationsschicht, die dritte besteht aus einem Material, das einwirkende Kräfte ausgleicht, die vierte Schicht besteht aus einem biomechanischen, verbindenden Gewebe und die unterste Schicht besteht aus KEVLAR in Netzstruktur. Das Pad ist 18 mm dick.

Bei 7 der 8 Pferde vermittelte dieses Pad der Bereiterin ein positives Reitgefühl. Bei einem der 8 Pferde fühlte sie sich aber zu weit weg vom Pferd und gab deswegen ein negatives Reitgefühl an. 

Das Satteln mit dem Winderen Pad war nicht immer ganz einfach: Wenn man es nicht sorgfältig und symmetrisch einkammert, tendiert es dazu im Widerristbereich nach unten zu rutschen. Aus diesem Grund war es zwingend nötig, nach dem Platzieren des Sattels zu überprüfen, ob der vordere Bereich der Sattelkissen auch beidseits auf dem Pad aufliegt, um Kanten zu vermeiden. Nach dem korrekten Satteln verrutschte das Pad allerdings nicht mehr.

Fazit: Gute Dämpfungseigenschaften, muss aber sehr sorgfältig unter dem Sattel platziert werden.

Winderen Sattelpad Comfort 18mm, Grösse 18’’

Schlusswort 
Bereits während der Messungen hat sich gezeigt, dass nicht jedes Pad für jeden Zweck geeignet ist. Ob sich die Einschätzung durch die Bereiterin und des Teams der Abteilung für Sportmedizin mit den objektiven Satteldruckmessungen deckt, wird sich im Laufe der statistischen Auswertung der Messdaten zeigen. 

Im Namen des ganzen, an der Studie beteiligten Teams möchte ich mich noch einmal herzlichen bei allen bedanken, die unsere Studie ermöglicht haben. Herzlichen Dank an die grossartige Bereiterin, die alle Pferde mit viel Feingefühl geritten hat, ebenso an die Pferdebesitzer und den Besitzer der Infrastruktur. Ein besonderer Dank geht auch an die Stiftung Pro Pferd, die uns finanziell und organisatorisch unterstützt hat und natürlich an reitsport.ch für das zur Verfügung stellen der Pads!

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