Weihnachtsbaum der (giftige) Knabberspass für Pferde

Man kann fast schon behaupten, dass sich das Entsorgen vom heimischen Weihnachtsbaum im Stall zur alljährlichen Weihnachtstradition etabliert hat. Dabei wissen die meisten jedoch leider nicht, dass der Knabberspass von einer entzündeten Magenschleimhaut über (Verstopfungs-) Kolik, bis hin zur Fehlgeburt bei der tragenden Stute führen kann. 

IMG_6759Irgendwie hatte ich schon seit meiner Kindheit immer ein ungutes Gefühl, wenn den von mir betreuten Pferden Nadelbäume verfüttert worden sind, weshalb ich es sehr begrüsste, dass mein Senior Special dieses „Futter“ stetig verweigerte. Wenn mich heutzutage jemand fragt, ob ich meinen Pferden die Weihnachtstanne verfüttern würde, verneine ich dies sofort. 

Nun jetzt werden viele von euch gleich „Einspruch“ erheben, da die Pferde den alljährlichen Verzehr bisher immer gut überstanden haben, weshalb ich in diesem Blog einfach eine kurze Aufklärung bieten möchte, was die Verfütterung von Nadelbäumen fürs Pferd überhaupt bedeutet. Im Anschluss muss jeder für sich entscheiden, ob dies weiterhin die ideale Knabber- Abwechslung für sein Pferd ist oder nicht. 

 

Weshalb sollte man überhaupt Äste an Pferde verfüttern? 

Da wir trotz all unseren Bemühungen unseren Pferden, oftmals nicht den gewünschten, artgerechten Alltag in der Haltung bieten können, suchen wir natürlich immer nach Alternativen, um diese Diskrepanzen auszugleichen. 

Pferde beschäftigen sich zwischen den Hauptmahlzeiten sehr gerne mit dem Knabbern von Ästen und Zweigen. Denn dies befriedigt ihr Kaubedürfnis und bildet durch das Einspeicheln,  Lauge, welche die Magensäure neutralisiert. Ausserdem können sie dadurch wertvolle Mineralien und Spurenelemente aufnehmen, welche in der Rinde „versteckt“ sind. Es gibt sogar Forscher, welche sogar behaupten, dass das Pferde eigentlich gar keine Grasfresser seien, sondern sich ursprünglich von Bäumen ernährt haben. Dies führt man noch auf den Eohippus (nun Hyracotherium genannt) zurück, welcher hauptsächlich im Wald gelebt und Blätter, Rinde und Früchte gefressen hatte. Doch die Evolution veränderte im Laufe der Zeit (60 Mio. Jahren) einiges, wobei der Eohippus immer grösser, schneller und kräftiger wurde, weshalb er sich auch in die Steppe hinaus traute und somit nur noch in „schweren Zeiten“ Bäume fressen musste. 

 Der Eohippus bzw. Hyracotherium (Bildquelle: Wikipedia.org)

Hyracotherium_Eohippus_hharder-2

Baum ist nicht gleich Baum 

Die Edeltanne (auch Weisstanne genannt) gehört zur Familie der Kieferngewächse. Als Weihnachtsbaum ist sie sehr beliebt.

Giftigkeit: gering (giftig sind die Rinde, Nadel und Sprossen)

Symptome bei Vergiftung: : Magenschleimhautentzündung, zentrale Lähmung, Atemlähmung, Nieren und Leberschäden.

Ein Weisstannen- Zweig (Bildquelle: Wikipedia.org)

 Weisstanne-2

Die Fichte (gewöhnliche Fichte) gehört ebenfalls zur Familie der Kieferngewächse. 

Giftigkeit: gering  (giftig sind Rinde, Nadeln und Sprossen)

Symptome bei Vergiftung: vermehrter Speichelfluss, gerötete Schleimhäute, Ataxie und Schweratmigkeit

 

Die Zirbelkiefer ist ein weiteres Mitglied der Familie der Kieferngewächse.

Giftigkeit: gering  (giftig sind Rinde, Nadeln und Sprossen)

Symptome bei Vergiftung: Magenschleimhautreizungen bzw.-entzündungen, zentrale Lähmung, eventuell Tod durch Atemlähmung, Nieren- und Leberschädigung.

 

Die Lärche ist das letzte Kieferngewächs, welches ich euch vorstellen möchte. 

Giftigkeit: gering  (vor allem Rinde)

Symptome bei Vergiftung: Magenschleimhautreizungen bzw.-entzündungen, zentrale Lähmung, eventuell Tod durch Atemlähmung, Nieren- und Leberschädigung.

Die genaue Menge die ausreicht um ein Pferd lebensgefährlich zu vergiften, ist bei den Pflanzen der Kiefernfamilie nicht beschrieben. Da es sich aber um schwachgiftige Bäume handelt, ist die höchstgefährliche Dosis entsprechend extrem hoch und nur unter Extrembedingungen überhaupt erreichbar.  Also ist die Aufnahme einer tödlichen Dosis nur möglich, wenn das Pferd über einen längeren Zeitraum nichts anderes zu fressen bekommt, als solche Kieferngewächse. 

 IMG_6761

Anders sieht es bei der Eibe aus, denn diese gehört nicht zur Kiefernfamilie, sondern ist ein Eibengewächs. Glücklicherweise wird die Eibe nicht als traditioneller Weihnachtsbaum genutzt, jedoch erscheint sie aufgrund ihrer roten Samenstände gerne als Weihnachtsdekoration. 

Giftigkeit: sehr giftig (besonders die Nadeln) 

Symptome bei Vergiftung: Unruhe, Durchfall, Herzrasen, Atembeschwerden bis hin zur Atemlähmung, Ataxie, häufiger Harnabsatz, Leberversagen und manchmal Abort gehören zu den häufigen Symptomen.

Bereits wenige Minuten nach der Pflanzenaufnahme verendet das Pferd tödlich. Sogar nur 0.2-0.3 g Nadeln / kg Körpergewicht oder 100-200 g Nadeln pro Tier reichen für die tödliche Dosis aus.

Die hochgiftige Eibe  (Bildquelle: Wikipedia.org)

 Cleaned-Illustration_Taxus_baccata

Woher kommt das Gift? 

Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, welche die Pflanzen vor Fressfeinden schützen sollen. Im Körper hemmen sie das Protein Trypsin und verursachen deshalb Verstopfungen. Sie kommen in zahlreichen Arten vor (z. B. Schwarz- und Grüntee, aber auch Eicheln oder Kastanien) und sind in Massen eingenommen nicht unbedingt bedrohlich. 

Tannine sollte NIEMALS an tragende Stuten verfüttert werden, da diese zu Abtreibungen und Fehlgeburten führen können. 

Das Terpentinöl wird von immergrünen Gehölze gebildet, um Verletzungen zu regenerieren. Es löst Harze und mischt sich mit ätherischen Ölen. 

Folgende gesundheitliche Probleme können Tannine und Terpentinöl zusammen verursachen:

  • Entzündungen in der Maulschleimheut
  • Entzündungen im Magen bzw. Darm
  • Einengung der Atemwege und daraus entstehende Atemnot
  • Zentralnervöse Störungen
  • Kolik, Verstopfungen
  • Nieren- und Leberschäden
  • Stoffwechselprobleme
  • Fehlgeburten

Die Dosis macht das Gift 

Schon Paracelsus (1493–1541) wusste: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“

Für die Fütterung der Tannenbäume spricht also: 

+ Aufnahme von Vitalstoffen wie Mineralien und Spurenelemente.

+ Sie fördern das “richtige Kauen” 

+ Natürlicher Abrieb der Schneidezähne & „natürliche Zahnseide“ durch die Äste

+ Beschäftigung zwischen den Mahlzeiten

+ Kleine, natürliche Aromatherapie für die oberen Atemwege

Bestimmt ist es überflüssig zu erwähnen, dass natürlich nur ungewachste & ungespritzte Bäume (also idealerweise bio- zertifiziert) verfüttert werden dürfen, da die Sachlage sonst nochmals ganz anders aussieht! Auch Kerzenwachsreste, Lametta und der sonstige Christbaumbehang sollten vorher entfernt werden. 

 

Die gesunde Alternative 

Auch wenn bei den Kieferngewächsen die tödliche Dosis fast nicht erreichbar ist, so sind die beschriebenen Gesundheitsbeeinträchtigungen für mich Grund genug, Weihnachtsbäume nicht zu verfüttern.

  • Ich wende die Aromatherapie lieber gezielt bei Bedarf ein. 
  • Der neu erworbene Futterball (welche ich demnächst in einem separaten Blog vorstellen werde) bietet Beschäftigung und fördert das lange Einspeicheln
  • Für die selbstständige „Zahnbehandlung“ verfüttere ich lieber unbedenkliche Äste wie:Birke, Weide, Haselnuss, oder Obstbäume (insb. Apfel, Birne, Kirsche)
  • Schmalegg_Apfelbaum-2 (Bildquelle: Wikipedia.org)
  • Aufpassen muss man auch bei (alten) Pferden mit schlechten Zähnen, denn wenn Zähne (teilweise) fehlen bzw. schlecht sind, können sich Äste auch im Gebiss verhaken, was leicht Panik beim Pferd auslösen kann oder wenn die Äste nicht genügend gekaut werden, kann es zusätzlich zu Verdauungsproblemen kommen.
  • Auch muss man bei „Schlingpferden“ aufpassen, die innert kürzester Zeit den ganzen Baum fressen. Denn dies kann ebenfalls zu Verdauungsproblemen / Koliken / Schlundkomplikationen etc. führen! „Neues“ Futter sollte man immer kontrolliert und portioniert anfüttern, sodass sich der Magen daran gewöhnen kann.
  • Eine weitere Alternative zum Tannenbaum habe ich unter diesem Link gefunden, welche dem Pferd ebenfalls einen Knabberspass und eine Beschäftigung verspricht: 

Bendixx-20Kombi

 

Fakt ist, dass viele unserer Hauspferde Nadelbäume durchaus gerne fressen, jedoch verbergen genau diese ungesunde Inhaltsstoffe (Menge von Baum zu Baum unterschiedlich). Weshalb sollten wir also überhaupt giftiges Futter anbieten, wenn wir es doch so gut umgehen können? 

Natürlich möchte ich hier jetzt nicht der Spielverderber sein, weshalb ich weiter oben ja bereits erwähnt habe, dass glücklicherweise jeder für sich (und sein Pferd) die Entscheidung treffen kann.

Meine Stute Gipsy mit ihrem neuen Futterball: 

Gipsy-und-Futterball

 

Das könnte Dich auch interessieren

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.