Was darf eine Reitstunde kosten und was ist Wucher?

Es gibt wahrscheinlich keinen grösseren Tabupunkt in der Reitsportbranche, wie das liebe Geld. Dies betrifft auch die Preise, welche für Angebote im Reitsportsektor verlangt werden. Was darf oder soll eine Reitsunde oder Beritt kosten und was ist Wucher?

 Ich spreche als selbständige Bereiterin aus Erfahrung. Preise sind ein heikles Thema, vor allem in der heutige Zeit. Alle wollen viel für wenig Geld. Dieses Denkschema hat auch in unserer Brache Einzug gehalten.

Was darf also eine Reitstunde oder Beritt kosten, was darf ich als Reitlehrer, Bereiter, Pferdepfleger oder Amateur verlangen und was dürfen die Schüler dafür erwarten?

Als ich meine Preise festgelegt habe, habe ich mich zuerst einmal bei meinen Arbeitskollegen/innen und im Internet schlau gemacht.  Ebenfalls habe ich mich in meiner Region umgehört, was es an Angeboten gibt und wo die Preise liegen.

Dabei musste ich mit Schrecken feststellen, dass doch sehr viel Wucher betrieben wird. Meiner Meinung nach schadet dies unserer Branche sehr. Dies hauptsächlich, da dieser Wucher von Amateuren mit wenig oder ohne Ausbildung betrieben wird.

Das heiss nicht, dass diese Personen keine guten Reitstunden geben oder schlecht reiten. Im Gegenteil, es gibt auch Amateure die besser unterrichten und reiten als Fachpersonen. Ich mache da aber trotzdem ein „?“ mit den Preisen. Ihr wollt ja sicher alle für euren gelernten Beruf, für den ihr eine 3(oder mehr) jährige Ausbildung und vielleicht auch noch Weiterbildungen gemacht habt, einen anständigen Lohn. Hingegen könnt ihr in einer anderen Branche ohne Ausbildung nicht den gleichen Lohn erwarten. Denn der wird euch nicht bezahlt. Also wieso die Ausbildung zum Reitlehrer, Bereiter oder Pferdepfleger nicht honorieren?

Ich denke dies hat auch damit zu tun, dass in der heutigen Zeit, Niemand mehr bereit ist für Qualität zu zahlen. Dazu kommt, dass alles alternativ, ohne Zwang und Druck so Tiergerecht wie Möglich sein muss. Ich bin auch der Meinung, dass alles Tiergerecht und zum Wohl des Pferdes und des Reiters geschehen soll. Jedoch bin ich strickte gegen eine Vermenschlichung der Pferde und dass man den Reitern einen Bären aufbindet. Ich passe meinen Unterricht immer so, auf Reiter und Pferd an, das das Pferd noch Pferd sein darf und auch soll. Der Reiter soll ein Gefühl und Verständnis für das Pferd erhalten. Die Arbeit mit dem Pferd, den natürlichen Gegebenheiten anpassen. Unsere Pferde können alles ohne uns, also macht es nicht komplizierter als es ist.

Wieder zurück zu den Preisen. Ich bin gelernte Bereiterin und habe mich im In-und Ausland Weitergebildet. Ich habe viel Erfahrung mit Jungpferden und Problempferden. Die normale Aus-und Weiterbildung der Pferde gehört für mich ganz normal dazu. Weiter habe ich Erfahrung im Unterrichten von Klein bis Gross, Privat bis Gruppe, Springen und Dressur. Dies bis und mit Lizenzniveau. Habe bereits Reiter durch die Dressur- und Springlizenz geführt. Selber reite ich Momentan aktiv mit verschiedenen Pferden bis R115, dieses Jahr auch Starts R120 geplant.

Was darf oder kann ich also verlangen? Ich muss dabei den Anfahrtsweg einberechnen, das Fahrzeug, die Betriebshaftpflichtversicherung, Steuern, AHV, Pensionskasse und meinen Lohn. Da staunt ihr nicht schlecht! Wie ihr euch sicher denken könnt, bleibt neben den angegebenen Abzügen nicht mehr viel Lohn, der tatsächlich in meinen Sack geht. Ich verlange zum Beispiel für 50-60 Minuten Unterricht oder Beritt 60.-. Dazu berechne ich separat Anfahrtskosten von 1.-/km bei mehr als 10km. Ich bin der Meinung, dass ich mit diesem Preis oder allgemein mit meinen Preisen, eher in der tieferen Preisklasse bin.

Ich habe im Internet einmal Preise verglichen und bin für mich zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen. Ich habe eine Liste erstellt mit Preisen für eine Privatstunde 50-60 Minuten, wie ich sie oben bei mir beschrieben habe. Dabei habe ich geschaut, ob dies Ausgebildete Personen sind oder nicht. Ausgebildet heisst für mich, eine Berufsausbildung von mindestens, 2-3 Jahren als Pfleger oder Bereiter gemacht haben oder allenfalls auch die J+S Ausbildung haben.

Also hier zu meinem Ergebnis:

Bei den Personen mit Ausbildung befinden sich die Preise bei den Meisten im gleichen Rahmen. Im Durchschnitt zahlt ihr dort für eine Privatstunde 50-60 Minuten zwischen 60,- bis 90,- . Hier gibt es natürlich auch welche die unter oder über diesem Durchschnitt liegen. Ich habe jedoch, meiner Meinung nach, keine Wucherpreise gefunden.

Bei den Personen ohne Ausbildung habe ich Preise von 30,- bis 140,- für eine Privatstunde von 50-60 Minuten gefunden. Im Durchschnitt sind die Preise aber eher im Bereich um die 100,-. Dazu kommt, dass bei vielen im Internet gar keine Preise zu finden sind. Alles auf Anfrage. Dabei sind für mich 140,- absolut Wucher.

Ich weiss, dass es dazu viele Meinungen gibt. Ich weiss auch, dass der Unterricht bei ausgebildeten Personen nicht unbedingt besser sein muss, als bei Personen ohne Ausbildung. Mich stören dabei einfach die Preise und das Wucher betrieben wird.

Mich interessiert eure Meinung zu diesem Thema. Was zahlt ihr für eine Reitstunde? Legt ihr Wert auf Personen mit Ausbildung oder ist euch dies egal?

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