Warm durch den Winter – Überlebenstipps für Frostbeulen

Die Blätter färben sich bunt, die Tage werden wieder kürzer und die Nächte dafür länger – ja, es besteht kein Zweifel daran, dass der Herbst endgültig Einzug gehalten hat. Obschon ich finde, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als lange Ausritte durch raschelndes Laub und durch farbenfrohe Wälder, so bereitet mir die Tatsache, dass es schon wieder Herbst ist, doch Jahr für Jahr Bauchschmerzen. Denn wo der Herbst ist, ist auch der Winter nicht weit. Während viele meiner – nicht reitenden – Freunde die kalte Jahreszeit vor allem mit Glühwein, Kaminfeuer und Skifahren in Verbindung bringen, sehe ich vor meinem inneren Auge ganz andere Dinge, wenn vom Winter die Rede ist. Für mich bedeutet er vor allem Reiten bei ständiger Dunkelheit, Stollen, die sich nicht mehr aus den Hufeisen drehen lassen und, was am Allerschlimmsten ist, ganz, ganz viel Frieren. Dazu muss man fairerweise sagen, dass mir in Sachen Kälteempfindlichkeit wohl kaum einer das Wasser zu reichen vermag – wer sonst würde schon im Hochsommer mit Jacke am Strand sitzen, nur weil ein leichtes Lüftchen weht? Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass nicht wenige meiner Reiterfreunde dem Winter ähnlich viel Begeisterung entgegen bringen, wie ich. Nämlich gar keine.

Da dies jedoch nicht mein erster Winter als Pferdebesitzerin, und erst recht nicht der erste meiner Reitkarriere ist, habe ich mittlerweile eine beachtliche Zahl an Tricks und Strategien entwickelt, um möglichst ohne grössere Erfrierungen durch den Winter zu kommen. Und da ich in den letzten Jahren weder Finger noch Zehen dem Gefriertod überlassen musste wage ich zu behaupten, dass sie gar nicht mal so schlecht funktionieren. Wer also bereits beim Lesen dieses Abschnittes zu frieren begonnen hat, der tut gut daran, sich auch die folgenden Zeilen zu Gemüte zu führen.

Kluge Köpfe schützen sich

Wenn ich der Weisheit meiner Grossmutter Glauben schenken will, so verlieren wir einen beträchtlichen Anteil unserer Körperwärme über den Kopf. Doch während es im Alltag bestens funktioniert, sich die flauschige Zipfelmütze einfach weit über die Ohren zu ziehen, um diesem Dilemma zu entkommen, so steht man als Reiter nur allzu oft vor der Frage, ob man seinen Kopf nun lieber der Gefahr aussetzen möchte, mit Helm zu erfrieren, oder aber der, mit warmer Mütze bei einem allfälligen Sturz zermatscht zu werden. Da ich an meinem Leben hänge und mir keinerlei Fälle bekannt sind, in denen Kälte tatsächlich einen bleibenden Schaden am Reiterkopf hinterlassen hätte, habe ich mich noch immer für erstere Variante entschieden. Angenehm ist dies jedoch, gerade beim Ausreiten, nicht wirklich, und auch die Ohrenwärmer, die man über den Helm ziehen kann, haben mich nur bedingt überzeugt. Eine Lösung für dieses Problem habe ich stattdessen gefunden, als ich meinen „Helm-Horizont“ einfach mal etwas erweitert habe. Wie jede gute Schweizerin mit Migrationshintergrund habe ich mich nämlich bestens akklimatisiert, und nenne daher auch einen Skihelm mein eigen. Die Ski-Idee habe ich zwar, nachdem mir auffiel, dass das noch kälter ist, als Reiten, mittlerweile wieder verworfen, den Helm habe ich aber immer noch. Und der ist super zum Reiten! Da diese Helme nämlich die Ohren bedecken, und meist auch noch eine dünne Kappe darunter Platz findet, gehören kalte Köpfe damit definitiv der Vergangenheit an. Wenn es stark schneit oder ein extrem eisiger Wind geht, kann man übrigens auch noch eine Skibrille daran befestigen. Mag gewöhnungsbedürftig aussehen, ist aber absolut zweckdienlich. 

 

Winter

Als weiteres Plus sei ausserdem zu vermerken, dass Skihelme - im Gegensatz zu Reithelmen - sogar in pink erhältlich sind!

Handschuh Handschuh an der Hand...

Wer ist der wärmste im ganzen Land? Diese Frage habe ich mir nicht nur einmal, sondern eine gefühlte Zillionen Mal gestellt. Ob Softshellhandschuh, Lederhandschuh, gefütterter Handschuh, Unterziehhandschuh oder gar Handschuh mit integrierter Heizung – ich hatte sie alle! Und bis auf den Handschuh mit der integrierten Heizung waren sie mir alle nicht warm genug. Das Problem bei diesem Handschuh war jedoch, dass er durch den integrierten Akku so klobig war, dass ich meine Zügel weder fühlen noch besonders gut halten konnte, was mir dann auf Dauer doch etwas zu heikel wurde. Zwar befindet sich auch mein Pferd im Winter für gewöhnlich im Energiesparmodus, aber man weiss ja doch nie, was dem guten Tier beim morgendlichen Haferfressen so alles eingefallen sein könnte. Mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass zumindest für mich alle Handschuhe, welche die Finger von einander separieren, ungeeignet sind. Stattdessen schwöre ich auf gefütterte Fäustlinge, bei denen nur der kleine Finger abgespreizt ist. Ausserdem schlaufe ich im Winter, wenn ich ins Gelände gehe, die Lederschnallen meines Zaums nie ganz ein. Jeder, der schon mal versucht hat, mit klammen Fingern einen hartgefrorenen Lederriemen aufzukriegen, während das Pferd schnellstmöglich zum Futtertrog gelangen möchte, der weiss, warum....

 

Um nochmal zu den Skifahrern zurückzukommen...

Nicht nur in Sachen Helm können Herr und Frau Reiter sich im Winter so einiges von den Alpinisten und anderen Wintersportlern abschauen! Zunächst einmal ist die Thermounterwäsche, die man in jedem guten Sportgeschäft bekommt, quasi ein Muss fürs Reiten. Im Gegensatz zu normalen Strumpfhosen oder Leggins ist diese nämlich meist so konzipiert, dass sie den Schweiss nach aussen transportiert, was von grossem Vorteil ist, sollte einem beim Reiten dann doch mal warm werden. Auch Softshelloberteile und -reithosen erfüllen diese Funktion, und werden von mir den ganzen Winter durch gern getragen. Als die reinste Offenbarung für das Reiten im Gelände stellte sich für mich jedoch noch etwas ganz anderes heraus – nämlich meine alte Skihose! Die Kombination Thermounterhose, Softshellreithose und Skihose hat sich in den letzten Jahren als absolut unschlagbar erwiesen, und kalte Beine gehören seit dessen der Vergangenheit an. Nun ist mir natürlich klar, dass es auch Pferde gibt, die im Winter nicht ganz so tiefenentspannt sind, wie mein rotes Fellknäul, und bei denen es daher angebracht wäre, etwas mehr Halt im Sattel zu haben, als es mit einer Skihose der Fall ist. Dafür gibt es mittlerweile jedoch sogar Reithosen, die gleich konzipiert sind, wie Skihosen, allerdings einen Lederbesatz aufweisen, der es einem ermöglicht, sicher im Sattel zu sitzen. Jedem, der im Winter schnell friert, kann ich die Anschaffung einer dieser Varianten nur wärmstens empfehlen – es lohnt sich auf jeden Fall!

 

Warm von Kopf bis Fuss

Zu guter Letzt darf natürlich nicht ausser Acht gelassen werden, dass es auch den Füssen in Sachen Kälteempfindlichkeit kaum besser ergeht, als den Händen. Die Male, die ich schon auf dem Pferd gesessen bin und mich kaum überwinden konnte, abzusteigen, weil ich genau wusste, wie schmerzhaft der Kontakt mit dem Boden für durchgefrorene Füsse ist, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Früher bestand meine Taktik darin, so viele Socken wie möglich übereinander zuziehen, bis ich aussah, wie Big Foot. Meine Füsse froren allerdings immer noch jämmerlich. Es ist nämlich extrem wichtig für warme Füsse, dass man die Zehen noch bewegen kann; da eine dicke Sockenschicht jedoch dazu führt, dass genau das unmöglich wird, schadet sie tatsächlich mehr, als dass sie nützt. Heute begnüge ich mich mit Wollsocken, und greife zusätzlich auf das zurück, was sich bei den Handschuhen als untauglich erwiesen hat – nämlich auf eine Heizung. Heizsohlen kann man mittlerweile in diversen grösseren Handelsketten erwerben und zumindest für mich sind sie im Winter nicht mehr wegzudenken. In Kombination mit gefütterten Schuhen sind sie die ultimative Garantie für mollig warme Füsse – auch dann, wenn draussen Minusgerade herrschen.

 

Wer sich nun den ganzen Text durchgelesen hat und befürchtet, beim Anwenden all dieser Tipps trotz winterlicher Temperaturen einen Hitzeschock zu erleiden, der sei beruhigt – auch ich fahre solch schweren Geschütze nur auf, wenn es draussen wirklich eisig kalt ist. Doch auch schon jedes Kleidungsstück für sich genommen ist für mich persönlich eine echte Bereicherung im Winter und hat dazu geführt, dass ich dieser Jahreszeit mit nicht mehr mit ganz so viel Schrecken entgegenblicke – und ich hoffe, dass auch der ein oder andere Leser von meinen Erfahrungen profitieren konnte. 

 

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