Verletztes Pferd - Was läuft verkehrt?

Irgendwie läuft es gerade nicht unbedingt so wie es sollte. In meinem Umfeld häufen sich immer mehr Fälle von verletzten Pferden und ich frage mich in letzter Zeit viel zu oft: Warum? Warum trifft es gerade diese Person? Warum genau dieses Pferd? Und allem voran natürlich: Warum ausgerechnet mich? Von Hufabszessen, über Knochenfrakturen, bis zu der den Cornet betreffenden Sehnenscheiden-Entzündung, ist in meiner reiterlichen Umgebung leider gerade so von allem bisschen dabei.

Während ich tagsüber also von dieser bedrückenden Thematik umringt werde, träume ich nachts, wie ich durch dunkle Gassen renne, verfolgt von tückischen Gallen, katastrophalen Ultraschallbildern und lahmenden Pferden mit offenen, blutenden Wunden. Filmreif stolpere ich irgendwann über irgendetwas, falle theatralisch hin und all diese grausamen Bilder holen mich ein… in den letzten Minuten meines Traumes höre ich die Stimme von Cornet’s Doktor, wie er mit versteinertem Gesicht zu mir meint: "Es hat alles keinen Sinn mehr. Sie müssen ohne ihn weiter gehen…“

Obwohl ich dieses Thema mit Humor anschneide, möchte ich gerne mit Nachdruck sagen, dass ich das Ganze überhaupt nicht lustig finde. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn das eigene Pferd krank ist. Ein kostbares Wesen, das keine Schmerzlaute hat, oder uns sonst irgendwie mitteilen könnte, wo denn genau die Ursache dafür liegt, weswegen es aus heiterem Himmel stocklahm geht, oder sich den lieben langen Tag die Seele aus dem Leib hustet.

Ja, das Leben ist in meinen Augen gerade sehr unfair. Ich sehe so viele Reiter, die ihre Tiere jedes Wochenende auf Concours karren, weder auf die Bodenverhältnisse, noch auf banalste Schutzmassnahmen achten oder wie die Bekloppten um die Wendungen rasen, sodass ich einfach nur noch wegschauen muss. Abends wird das Pferd nassgeschwitzt in den Stall gestellt und trotz diesem Umgang bringt es am nächsten Wochenende wieder die gewünschte Leistung. Solche Pferde haben nie was, wie mir scheint, höchstens mal irgendwo einen „Blätz“ und andere, die so sehr um das Wohl der Tiere besorgt sind, die trifft dann das Pech. Oder bilde ich mir das in meinem Zustand der Selbstbemitleidung nur ein? Vielleicht.

Dank meiner abergläubischen und leicht pessimistischen Denkweise, die mir meine ukrainische Oma eingetrieben und die ich mir einfach nicht mehr austreiben kann, habe ich aber immer das Gefühl, dass es genau mich und mein Pferd treffen wird. Sogar wenn mal alles gut oder besser läuft, traue ich dem Frieden nicht mehr. Ich glaube nämlich auch, dass der Cornet ganz genau weiss, dass er König ist und ich alles für sein Wohlergehen tun werde, bis er sprichwörtlich ins Gras beisst. Deshalb erlaubt er sich wahrscheinlich auch im Hinblick auf diese hoffentlich noch lange Zeit solche Spässe, wie das Gerangle und Gerenne auf der Weide, bei dem er sich die Verletzung mit Sicherheit zugezogen hat.

Als ich Cornet vor fünf Wochen mit dem dicken Bein hinter mir herzog, gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Eines war mir aber sofort klar: Mir wäre es egal, wenn er aufgrund seiner Verletzung nicht voll einsatzfähig wäre und wir bis ans Ende seiner Tage nur noch ausreiten gehen müssten. Hauptsache das Pferd wird wieder gesund und kann in dem ihm gesetzten Rahmen noch ausreichend „Tier-sein“.

Ich habe das Glück, dass Cornet’s Genesung nur eine Frage der Zeit ist und dass die Chancen, dass alles spurlos verheilt, relativ gut stehen. Ich habe auch das Glück, dass die Tage unserer Schrittphase theoretisch bald vorbei sind, denn uns bleiben noch zwei Wochen Schritt, bevor wir wieder mit dem Aufbau beginnen können. Die fünf bisherigen Wochen waren hart. Langsam kann ich mir nicht mehr einreden, dass mir das strikte Schrittreiten leicht von der Hand geht und dass es Cornet geniesst, dass es bei uns gerade etwas gemütlich zu und her geht.

Ich weiss, dass viele Besitzer so ein Glück im Unglück nicht haben und mit viel Schlimmerem kämpfen. Und ich weiss auch, dass es praktisch nichts gibt, was andere tun oder sagen könnten, das dem Besitzer eines verletzten Tieres in solch einer Situation wirklich hilft. Aber ich möchte es trotzdem hiermit versuchen:

Meine liebe Freundin Sarah S. hat mir vor ein paar Wochen, als sie zu ihrem Pech Opfer einer meiner Alles-So-Unfair-Anfälle wurde, eine neue Ansichtsweise meiner Situation mit Cornet unterbreitet: Ich solle seine Verletzung und die folgenden Wochen im Schritt als eine Herausforderung und Aufgabe sehen, die wir gemeinsam als Team meistern müssen. Das Ganze so zu betrachten hat an meinen Kampfgeist appelliert und mir geholfen, alles ein bisschen weniger pessimistisch zu sehen als sonst. Vielleicht hilft das auch anderen Leidensgenossen? Ich denke an Euch und drücke die Daumen.

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