Verladen leicht gemacht!

Momentan ist die Turniersaison ja wieder voll im Gange und somit ist auch auf dem Turnier-Parkplatz viel los.
Dabei sieht mal leider nicht immer nur brav ein- bzw. aussteigende Pferde und wird immer wieder unfreiwillig Zeuge, von ziemlich gefährlichen Situationen, bei welchen man (manchmal) nur den Kopf schütteln kann.

Doch was, wenn das ach so liebe Verlasspferd plötzlich nicht mehr
einsteigen will? 

Genau diese Unwissenheit, in Verbindung mit der nervösen
Turnierstimmung, bringt solche riskanten Szenen hervor.

Nicht nur für den engen Turnierzeitplan ist ein „gutes“
Verladen nützlich, es kann auch durchaus einmal zu einem Notfall kommen, bei welchem man
nicht noch wertvolle Zeit beim Verladen verlieren möchte. 

Wir sind sehr froh, dass sich Gipsy in mind. 97% aller Fälle bravourös
verladen lässt. 
Einmal machten wir folgenden Fehler: Es war noch anfangs von der Turniersaison und am frühen Morgen noch dunkel. Da wir bis dahin nie Probleme beim Verladen hatten, vergassen wir die Stromversorgung vom Auto zum Anhänger (vor dem Verladen) anzustellen, weshalb Gipsy sich vor dem stockdunkelnden Anhänger fürchtete. Mit dem Licht stieg sie dann auch wieder ganz
normal ein. 

Ein anderer Fehler, welcher schnell passiert ist, ist der, dass die obere
 von der Rampe nicht komplett geöffnet wird. Somit schlagen Pferde (welche in Panik geraten, oder hastig aussteigen), gerne einmal den Kopf an.
Deshalb schweift mein Blick nun
vor jedem Aussteigen, nochmals hinauf zur Klappe. ;-) 

Doch was ist sonst noch zu beachten?  

Folgend ein paar allgemeine Tipps und Tricks, welche das Verladen leichter machen (sollen): 

1. Ruhe & Nerven bewahren 
Bleibe so ruhig wie möglich und behalte die Nerven, auch wenn das Pferd ein wenig tänzelt, denn je mehr Aufregung im Umfeld vom Pferd herrscht, desto aufgeregter wird das Pferd selber. 
Ausserdem müssen wir bedenken, dass ein Fluchttier sich vor einem
kleinwirkenden und wackelnden Raum generell fürchtet. 

2. Glaube an dein Pferd! 
Wenn du selber davon fest überzogen bist, dass das Pferd problemlos einsteigen wird, überträgt sich diese Entspannung und das Vertrauen aufs Pferd. 

3. Guter Schutz für positive
Erinnerungen 
Damit das Pferd keine Verladeangst, durch schmerzhafte Stösse oder andere Verletzungen im Anhänger entwickelt, muss das Pferd optimal geschützt
sein.  Als Beinschutz müssen Transportgamaschen oder Bandagen verwendet werden. Dafür kann ich euch die Transportgamaschen von Pessoa wärmstens empfehlen: Sie schützen das Bein super (auch die
Ballen), sind leicht anzuziehen und halten eeewigs.
Auch ein stabiles Halfter mit Strick (ohne Panikhaken) dient dem
Wohlbefinden vom Pferd. Ein Pferd sollte nicht mit Panikhaken im Anhänger angebunden werden, da sie sich losreissen könnten und einander oder sich selber dadurch verletzten könnten.
Auch ein Schweifschoner kann das Pferd vor Scheuerstellen bewahren. Wir haben damals einen langen gekauft, aber ein kurzer
reicht völlig, bzw. ist er auch einfacher anzuwenden.
Eine Fliegen- oder Abschwitzdecke schützt vor lästigen Viechern bzw., vor störendem Zug. 
Wenn sich das Pferd im Anhänger rundum wohl fühlt, steigt es das nächste Mal auch wieder lieber ein.

4. Zuckerbrot statt Peitsche 
Wer sein Pferd mit Gewalt (oder sogar Prügel) in den Hänger zwingt, enttäuscht sein Pferd so, dass es nie wieder freiwillig hoch geht. Es wird sich zukünftig noch mehr wehren, weil es im Vorhinein schon Angst hat. Deshalb ist es wichtig, das Pferd nach jedem Verladen ausgiebig und überschwänglich zu loben und es mit seinem Lieblingsfutter zu belohnen. Auch das ruhige Aussteigen sollte jeweils belohnt bzw. bestätigt werden.
Dadurch wird das Pferd den Anhänger, als einen angenehmen Ort in Erinnerung behalten.

5. Langsame und ruhige Fahrt
Da die Pferde die Fahrt wie eine Achterbahnfahrt mit geschlossenen
Augen empfinden, muss mit Sinn und Verstand gefahren werden. Das heisst, die Kurven langsam zu fahren, Schlaglöchern rechtzeitig auszuweichen und vor allem
sanft zu bremsen und zu beschleunigen. Ein Pferd sieht die Hindernisse im Anhänger nicht und muss sich überraschend auf engem Raum ausbalancieren.

6. Beim Ausladen aufpassen
Beim Aussteigen muss man aufpassen, dass das Pferd nicht von der Rampe rutscht.
Ich stehe jeweils neben der Rampe und leite Gipsy mit der Hand
rückwärts, damit sie nicht in die falsche Richtung läuft und falsch abtritt.

Aufbauend auf die
allgemeinen Tipps folgen jetzt noch Anregungen für besonders ängstliche Pferde:

-Nicht mehr als drei ruhige Personen sollten beim Verladen helfen, da es sonst schnell unübersichtlich und unruhig wird.

-Die Mittelwand hinten aushängen und auf die leere Seite ziehen, damit der Anhänger grösser wirkt.

- Rampe und Hängerboden mit frischem Stroh / Späne einstreuen, da das Pferd so das gewohnte Gefühl verspürt, in eine Box geführt zu werden. 

-Gerade auf den Anhänger zu gehen.

-Die freien Seiten mit einer am Hänger festgebundenen Longe abgrenzen, die ein Helfer hält. Ist das Pferd im Bereich der Longe, diese hinter dem Pferd
herumführen, so dass es auch nach hinten eine Grenze spürt. Eventuell kann man
auch sanft an der Longe ziehen, um das Pferd zum Gehen aufzufordern. (Dies
sollte jedoch nur von geübten Personen durchgeführt werden)

-Das Licht des Zugfahrzeugs anschalten, damit auch die Innenbeleuchtung des Hängers brennt. Der Hänger wirkt dann nicht so beängstigend auf das Pferd.

-Das Pferd kann auch mit einer Karotte gelockt werden. 

-Hat der Hänger hinten eine Plane oder eine Klappe, sollte diese komplett aufgemacht bzw. aufs Dach gelegt werden, damit das Pferd diese nicht mit den Ohren berühren kann. Denn dies löst bei manchen Pferden Panik aus.

-Oft hilft es auch ein erfahrenes Pferd zuerst zu verladen, um dem
zweiten Pferd die Angst zu nehmen. 

-Die Rampe muss sicher aufliegen und darf nicht Wackeln. 

-Ruhe bewahren und motiviert bleiben. 
Die meisten Pferde sind nicht sehr geduldig und kommen irgendwann mit, wenn man konzentriert bei der Sache bleibt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

-Der Führende sollte so laufen, dass das Pferd Platz hat, um notfalls auch hecktischer hineinlaufen zu können. 

-Am allerwichtigsten ist es, genügend Zeit einzuplanen. So kann das Pferd alles in Ruhe beschnuppern, oder sich auch einmal von einer Panikattacke erholen. Wer im Stress verladen möchte, übt schnell zu viel Druck aufs Pferd aus!

Üben, üben & üben!
Sitzt die Angst tief, sollte fleissig und auf spielerische Art geübt
werden. Im Internet gibt es zahlreiche Methoden dies zu trainieren. Einige findet ihr beispielsweise hier.

Wie verläuft bei euch das
Verladen? Gestaltet sich dies schwierig, oder geht euer Pferd selbstständig, ohne grosse Unterstützung in den Anhänger?

Wichtige Inputs zum Thema Anhänger könnt ihr übrigens im Blog von Simone Lenz hier nachlesen.

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