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Verhalten einer Pferdeherde

Wie eine Herde funktioniert, wer Chef ist und wer rangnieder, kann man im Voraus nur schwer beurteilen. Unsere Herde besteht aus vier Pferden. 2 Stuten und 2 Wallachen. In meinen Augen gibt es zwei ranghöhere und zwei rangniedere Tiere, wer Chef ist, ist noch nicht klar.

In der Natur ist immer eine Leitstute die Chefin. Sie entscheidet wo die Wege durchgehen und wo gefressen wird. Die Stute ist meist ein erfahrenes Herdentier und kennt den Ablauf genau. Pro Herde kommt dann ein Leithengst dazu, er ist für den Schutz der Herde verantwortlich, ordnet sich aber der Stute unter.

Dieses ursprüngliche Verhalten spiegelt sich auch bei unseren Pferden wieder. Ob Reit- oder Zuchtpferd, die Instinkte bleiben die gleichen. Herdenverhalten sehen wir bei Gruppenhaltung oder bei gemeinsamen Weidegängen. Es ist also ein grosser Vorteil zu wissen, welches Pferd welche Stellung hat. Eine Herde ist übrigens bereits ein Gefüge von zwei Pferden. Wenn wir wissen wie die Herde funktioniert, können wir die Hierarchie und das Sozialverhalten unserer Pferde besser lesen.

Die Verhaltensmuster sind immer gleich, die Intensität der Rangordnungskämpfe jedoch sehr unterschiedlich. Pferde kommunizieren vor allem über ihre Körpersprache. Vor einer körperlichen Auseinandersetzung wird immer zuerst gedroht und imponiert. Hier kann man ein klares Schema erkennen.

Zuerst legen die Pferde die Ohren an, es wird sich in die Flanken gebissen oder sie versuchen sich die Vorderbeine wegzuziehen. Das rangniedere Pferd kneift den Schweif an, kaut ab oder verlässt den Platz sofort. Pferde sind nicht sehr darauf aus, sich grossartig zu verletzten. Auch hier sehen wir einen Urinstinkt. Wer verletzt ist, überlebt in der Natur nicht. Wenn ein neues Pferd in die Herde kommt, bringt dies gleich die ganze Rangordnung durcheinander. Je rangniederer das Pferd ist, umso harmloser läuft es ab. Die Hierarchie in der Mitte oder unten zu verändern ist nicht so problematisch. Wenn jedoch der Herdenchef attackiert wird, fällt es sehr heftig aus und wenn wir das in der Offenstallhaltung beobachten, müssen wir unter Umständen eingreifen.

Wir können davon ausgehen, dass wen die Ordnung hergestellt ist, es sehr friedlich ist. Denk daran, ein niedriger Rang ist nichts Negatives. Wenn die Pferde genügend Futter und Wasser haben ist das kein Problem. Rangniedrige Tiere fühlen sich in der Herde sicher und haben einfach weniger Verantwortung. Herden Strukturen ändern sich auch von Zeit zu Zeit.

Der Herdenführer ist aber nicht nur kräftig und dominant, viel mehr zeigt er sich so, dass er die Herde zusammenhalten kann und Sicherheit gibt, wenn Gefahren kommen. Ein Pferd das die anderen nur unter ordnet, ist kein Leittier.

Den Chef erkennt man oft so, dass er Konflikten aus dem Weg geht, immer alles im Auge hat und die Pferde die Nähe suchen.

Ranghohe Pferde entscheiden wo sie fressen, die anderen fressen danach und an den ihnen zugewiesenen Plätzen. Sie fressen zuerst und liegen und schlafen an den günstigsten Plätzen. Leittiere müssen keine Gewalt anwenden, das Anlegen der Ohren oder eine Veränderung der Nüstern reicht bereits aus, um die anderen Tiere in die Schranken zu weisen.

Für mich ist nicht wichtig welches Pferd Chef ist, nur soll dieser Chef fair sein. Bei vier Pferden hat es immer genügend Futter und sie haben enorm viel Platz um sich auszuweichen. Umso wichtiger ist es, dass wir keine Fehler machen. Futter muss gezielt gegeben werden und optimaler Weise der Rangordnung nach. Ranghoch frisst zuerst, rangnieder zuletzt.

Unsere Rangordnung ist nicht komplett ausdiskutiert und wir beobachten des Öfteren wie die Pferde miteinander rangeln. Wir sind aber davon überzeugt, dass es sich bald legt und danach eine harmonische Herde entsteht, es braucht halt seine Zeit.

Es bleibt spannend und ich werde euch sicher wieder berichten, wie unsere Pferde in Zukunft miteinander auskommen.

Ich wünsche euch eine erfolgreiche Sommerwoche.

Xenia mit Aeringi

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