Turniertrottel? Wohl eher TE - Turnierengel!

Am vergangen Wochenende ging sie auch für mein Pferd wieder los – die Turniersaison.

Und somit automatisch für mich die Turniertrottel-Zeit, da ich seit dem letzten schwereren Unfall meine eigene Turnier-„Karriere“ vorerst an den Nagel gehängt habe.
Doch was bedeutet dies insgeheim?

Ein passendes Stellengesuch wäre wohl:
Suche zuverlässigen Wecker, Pferdepfleger, Fotograf, Organisationstalent und nicht zu vergessen Freud- und Leid –Teiler. Ausserdem sollte dich strömenden Regen oder glühende Hitze nicht einschüchtern. Wenn ein Turnier stattfindet, solltest du an diesem Tag keine Wochenendpläne mehr durchführen wollen. (wahrscheinlich überwiegt sowieso die Müdigkeit, dass sich dies erübrigt)

Am besten verharrst du direkt wachend und wartend beim Anhänger, um dann wieder phasenweise in stressige Aktivität zu verfallen und vorwiegend Gegenstände hin und her zutragen.


Nicht zu vergessen, das ständige Pferd ein- und ausladen, halten, führen, putzen, frisieren, satteln, füttern, tränken und so weiter.
Bei erfolgreichem Ritt darfst du dann, das Pferd nochmals komplett ausrüsten und aufwärmen.

Dafür kannst du als Belohnung noch die Plakette und das Preisgeld entgegen nehmen, bevor es dann auf den Heimweg geht und somit das ganze Auslad-Versorg-Programm folgt.

Nein, so schlimm ist es bei mir natürlich nicht!
Ich habe aber auch das spezielle Glück, ein sehr einfaches Pferd und einen selbstständigen Reiter zu „betreuen“.

Aber meine Schilderungen kann ich jeweils an den Turnierweekends beobachten.

Deshalb rufe ich hier alle Reiter dazu auf, ihre Unterstützung wirklich als Engel und nicht als Trottel zu sehen. Vielen ist leider nicht bewusst, was diese Aufgabe alles mit sich bringt.

Das Wort „Organisationstalent“ kann man nämlich, wie in jeder üblichen Stellenanzeige beliebig ausschmücken. Sei es den passenden Zeitplan zu definieren, die Ummeldung korrekt zu übermitteln oder auch eine unaufgeforderte Konkurrenzanalyse zu vollbringen.

Auch die zuerst verschmähte Checkliste, welche ich extra fürs Turnier erstellt habe, wird plötzlich regelmässig genutzt. (siehe Bild Checkliste)
Denn so kann etwas Wichtiges wie der Sattelgurt nicht mehr so schnell vergessen gehen ;-)

Die Aufgaben eines Turniertrottels sind also sehr vielfältig. Und nicht nur Getränke holen und Pferde halten. Denn auch die aktuellen Startlisten müssen besorgt werden.
Auch gefährden sie für ihr Team gerne mal ihr Leben, wenn sie sich auf den Abreitplatz getrauen.

Deshalb können viele über den scherzhaften Ausdruck „Turniertrottel“ nur lachen, denn insgeheim wissen sie, dass sie die Turnierengel sind, ohne welche vieles nicht laufen würde.

So ein TT ist immer da, wo man ihn braucht, also an fünf Stellen zur selben Zeit, aber nie im Weg. Er sollte zudem unauffällig, unkompliziert, flink aber nicht hektisch sein, flexibel, dabei nicht unorganisiert.

Alltag eines TT’s:
Ein guter TT hilft seinem Reiter bereits am Vorabend zu packen, damit am Turniertag nicht zu viel Zeit verloren geht, bzw. noch früher aufgestanden werden muss.

Nach erfolgreichem Einladen, Anfahrt und wieder Ausladen, wird das Pferd ausgerüstet: Schweif ausgeflochten, Mähnenzöpfe erneuert, Stollenlöcher gesäubert, Glanz- und Fliegenspray versprüht, gesattelt und aufgezäumt.
Diese Aufgaben werden meist von mürrischen Kommentaren und hysterischen Panikanfällen („Hast du etwa die Gamaschen vergessen?“) begleitet.

Je nach Pferd sollte der TT stetig folgende Hilfsmittel zur Hand haben: Longe, Peitsche, Kardätsche, Lappen und am liebsten noch Vieles mehr…

Ausserdem müssen die Decken zum Abschwitzen, gegen Regen oder Fliegen mitgeschleppt werden.
Trotzdem ist es besonders wichtig, die rechte Hand frei zu haben, damit unbelastet zugepackt werden kann:
„Hältst du ihn mal eben, gibst du mir mal eben, nimmst du mal gerade!...“, sind gängige Stichworte für den prompten Einsatz der rechten Hand. Auch Taschentücher für Reiternasen, Pferdemäuler und manchmal, um sich selbst die Schweisstropfen von der Stirn zu tupfen, waren mir schon mehrmals nützlich zur Stelle.

Schliesslich müssen auch die Hände immer sauber gehalten werden, da dies der Fotoapparat und die Videokamera so verlangt.

Wie gesagt sehe ich mehr von all dem, als ich es tatsächlich vollbringen muss. Aber meine Schützlinge sind halt einfach auch viel pflegeleichter als die anderen Turnierreiter ;-)

Wer diese in Action begutachten möchte, kann dies unter diesem Link gerne tun.

Ausserdem wünsche ich euren Reitern eine gute Turniersaison und den TT’s dankbare Reiter ;-)

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