Trainingsweekend in Sindlingen bei Fritz Pape

Vor gut einem Monat fuhren zwölf Studentenreiterinnen des ARS (Akademische Reitsektion Zürich) nach Sindlingen in Deutschland. Ein lehrreiches Wochenende bei Fritz Pape stand uns bevor. Geplant waren zwei Stunden Dressur, eine Springstunde sowie eine Stunde im Gelände. Nach Absprache mit Herrn Pape legten wir aber den Schwerpunkt auf das Springen.

Am Freitag dem 1. Mai ging es los. Wir hatten uns in Fahrgemeinschaften organisiert, so dass wir um circa 15 Uhr auf dem Schloss Sindlingen eintrafen. Trotz des starken Regens waren wir ziemlich pünktlich. Als wir die Hofstrasse hochfuhren, kamen wir kaum aus dem Staunen. Das Military-Gelände war der Hammer! So wurde die Freude um ein Stück grösser. Wir hatten ein wenig Zeit, um unsere Zimmer zu beziehen, ein wenig umzusehen sowie in unsere Reitkleider zu schlüpfen. Wir hatten noch am selben Abend unsere erste Reitstunde.

 

Die erste Reitstunde

Zu Beginn wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, sehr wahrscheinlich danach wer wie viele Tage pro Woche reitet. Das war unsere Vermutung.

Ich bekam ein kleines feines Stütchen Namens Christina zum reiten. Sollte eigentlich ein Schimmel sein, aber irgendwie brachte ich die wunderschönen Kaffeeflecken nicht aus dem Fell.

Als alle soweit waren gingen wir im Gänsemarsch in die grosse Halle. Nach dem Einreiten kam der berühmte Fritz Pape und sprach ein paar wenige Worte mit uns. Danach ging es auch schon los. Einige waren nicht sehr zufrieden nach der ersten Stunde, aber ich denke er musste sich auch zuerst einen Überblick schaffen, wer was kann und wie in etwa das Niveau war. Ausserdem durfte nur die erste Gruppe, die „stärkere“, wirklich springen. Mit der zweiten Gruppe machte Fritz Pape mehr Stangenarbeit. Das gefiel wohl auch nicht so allen, was auf eine Art verständlich ist. Dazu war es ein wenig ‚doof’, dass wir nicht die einzigen in der Halle waren und er uns nicht immer die ganze Aufmerksamkeit schenkte.

Christina ist vielleicht 1.50 Meter gross und ich stellte mir ernsthaft die Frage, ob und wie hoch dieses Tier springen kann. Ein wenig mulmig wurde mir es schon als wir die ersten Hindernisse anritten. Aber nachdem wir die ersten Sprünge gemacht haben, wurde mir bewusst, dass mehr in dieser Stute steckt, als es auf den ersten Blick scheint. Christina konnte abdrücken und es fühlte sich definitiv an wie Fliegen. Ich genoss es richtig mit ihr und die Kleine hatte auch sichtlich ihren Spass.

Nach der Stunde gab es Abendessen und wir sassen noch ein wenig beisammen, doch am Ende waren alle müde und wollten sich nur noch ins gemachte Bett legen.

 

Zweiter Tag – Samstag

Ab acht Uhr gab es Frühstück und um halb zehn war unsere nächste Stunde. Wir waren ziemlich gespannt was wir an diesem Tag alles machen konnten. Klar war, dass ein grosser Teil von uns vor allem springen wollte. Ich dachte mir, dass ich nicht allzu gross über die gestrige Stunde nachdenken möchte und mich neu überraschen lasse. Und ausnahmslos alle waren nach der zweiten Stunde viel zufriedener. In dieser Stunde durften nun alle springen und wir waren im Mittelpunkt.

Bevor ich in dieses Trainingsweekend fuhr, hatte ich zwei Springstunden bei Felix Widmer gehabt. Herr Widmer hatte mir gesagt, ich solle während dem Sprung meine Hände tief halten. Die konstruktive Kritik war bei mir angekommen, doch ich konnte sie nicht wirklich umsetzen. Ich erinnerte mich immer wieder selbst daran, aber es wollte nicht so ganz funktionieren. Aber zurück zu unserem Lehrgang. Das gleiche geschah mir auch bei Christina. Meine Hände waren immer wieder zu hoch. Fritz Pape sagte so ziemlich das Gleiche wie Felix Widmer. Ich riss mich am Riemen und versuchte meine Hände nicht zu heben. Und zum ersten Mal wusste ich wieso es Sinn macht mit tiefen Händen zu springen. Vor der Kritik hatte ich ein wenig Mühe, da Christina enorme Sprünge über das Hindernis nahm und diese nicht einfach zu sitzen waren. Fuhr ich hingegen mit meinen Händen schön der Mähne nach, war es ganz einfach. Sie sprang meiner Meinung nach noch schöner. Manchmal braucht Reiter eine andere Sichtweise oder einfach einen guten Lehrmeister unter dem Hintern. Aus dieser Stunde nahm ich einiges mit. Ich würde meinen, ich sei nicht die einzige gewesen.

Am Nachmittag war wieder Reitstunde in der Halle angesagt. Doch plötzlich sagte Fritz Pape zu uns, dass wir danach ins Gelände gehen. Wir konnten kaum unseren Ohren trauen. Es hatte längere Zeit immer wieder geregnet oder genieselt. Samstags war es ein wenig trocken geblieben, aber das reichte bei weitem nicht, dass der Boden ganz trocken wurde. Wir hatten schon aufgehört zu hoffen, dass es ein Geländetraining gibt.

Nachdem wir ausgiebig in der Halle geübt hatten, ging es raus auf die Wiese. Es hat richtig Spass gemacht und die Stunde war sehr gut aufgebaut. Anfangs mussten wir nur über eine ‚Plattform’ hoch und hinunter reiten, um ein Gefühl für das Gelände zu bekommen. Nach diesem kleinen Einstieg, ging es dann ziemlich zügig voran und wir machten viele Sprünge. Irgendwann durften wir ganz nach unten des Platzes reiten und die Pferde anschliessend dem Zaun nach rennen lassen. Es war ein traumhaftes Gefühl, denn Wind um unsere Ohren zischen zu hören.

Bevor wir die ersten Sprünge machten, lieh ich mir eine Sturzweste aus, da ich noch keine eigene besitze. Sie war mir um viel zu gross, aber mir war das egal. Bis zu diesem Moment bin ich noch nie mit einer geritten, aber ich dachte mir es wäre bei diesem nassen Boden sicherer. Auf jeden Fall kam es zwei Mal so, dass Christina ein wenig mehr ihre Sprungfedern in den Hinterbeinen aktivierte. Ich kam nicht ganz gut nach und stiess mir die nicht gut sitzende Weste selbst ins Kinn. Erst am nächsten Nachmittag hatte ich dann realisiert, was diese zwei leichten Stösse bewirkt hatten. Eine Gehirnerschütterung. Deswegen hatte ich auch bei der vierten und letzten Stunde eine Pause gemacht und von der Tribüne aus zugeschaut.

 

Am Abend machten wir es uns gemütlich in einem der Zimmer und redeten was das Zeug hielt. Da viele sich untereinander noch nicht wirklich kannten, ging es vor allem darum, wer was studiert und sonst noch so gerne tut; wer wie alt ist; wie viele Geschwister jede von uns hat usw. Wir hatten uns als Aufgabe gestellt für einmal nicht über das Reiten zu sprechen und zu allem Erstaunen gelang es uns doch auf eine Art und Weise das Thema sein zu lassen.

 

Sonntag – Letzte Stunde und Heimreise

Auch am letzten Tag war eine Springstunde geplant und unglücklicherweise blieb es nicht bei meiner Gehirnerschütterung. Aber es war in diesem Sinne nicht schlimmeres geschehen. Es gab auch sonst ein paar gute Flugstunden für einige von uns Reiterinnen. Jedoch gingen diese alle ganz gut aus. Vielleicht bekam eine danach einen blauen Fleck, aber das wird es auch gewesen sein.

Nach der Stunde machten wir uns an das Zusammenpacken und verstauen, rechneten ab und setzten uns wieder in die Autos in Richtung Schweiz. Es war ein tolles Weekend mit super vielen lustigen Erinnerungen. Und ich glaube hätten wir nicht so viel Sport gemacht, dann hätten wir locker ein paar Kilos zugenommen, denn das Essen war so was von lecker.

Ich freue mich schon auf ein nächstes Wochenende mit den Reiterinnen. Momentan steht noch keines fest, aber ich werde sich auch darüber berichten. 

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