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Träume erreiten

Manchmal wache ich am Morgen auf und habe ein extrem reales Traumbild vor Augen. Es ist dieser eine, besondere Traum, der sich beim Übergang in das Wach-Werden zu einer fast spürbaren Geschichte formen lässt. Dieser Traum, an dem man irgendwie hängen bleibt und den ganzen restlichen Tag herumhirnt.

 Kennen wir das nicht alle? Gibt es da zum Beispiel nicht dieses eine Lied, zu dem wir uns vor dem inneren Auge zusammen mit unserem Pferd bei Sonnenuntergang über das Stoppelfeld oben auf der Hügelkruppe galoppieren sehen? In Slow-Mo und 360 Grad Ansicht? Oder wie wir einen Parcours in der Höhe von epischen 1,60m inklusive einer selbstmörderischen Siebenfach-Kombination hinlegen?

 Kennen wir doch alle. In solchen Momenten falle ich mit dem Kopf im Nacken rücklings in diesen Traum und spiele in einer kindlichen Leichtigkeit mit den Möglichkeiten, weil es erstmal nichts gibt, das es nicht geben kann. Ich glaube, diese Art zu denken spiegelt sich in allem wieder, was ich tue. Auch im Reiten.

 Soweit so lustig. Aber kommen wir zurück auf den Boden der Tatsachen: es ist eher unwahrscheinlich, dass ich jemals einen 1.60m-Sprung anreiten werde. Ausser vielleicht aus reinem Zufall, wenn der liebe Cornet mal wieder beschliessen sollte, statt über das Bidet den Umweg über den Bock zu nehmen. Aber ganz grundsätzlich bleibe ich doch der unverbesserliche Realist, der ich nun mal bin: Der 1,60m Parcours ist nur ein Wendytraum.

 Ob realistisch oder nicht: gerade wenn es um das Reiten geht, träume ich besonders gern. Dabei kann ich zu 100% auf mich selbst hören, mich von gesetzten Maßstäben lösen und einzig und allein am Grad der Hühnerhaut orientieren. Ich glaube auch, dass es als Reiter sogar extrem wichtig ist zu träumen, schließlich geht es uns doch allen darum, die Zukunft rundum das geliebte Hobby/den geliebten Sport zu gestalten. Hierfür sind Träume super-praktisch: Für mich sind sie eine Art innerer Kompass und diesem zu folgen macht mich stark, stolz und selbstbestimmend. Vielleicht werde ich nie einen 1,60m-Parcours reiten, aber ich weiss doch, dass mein Herz am Springreiten hängt.

 Was ich an reiterlichen Träumen so besonders liebe ist, dass sie sich ein Stück weit auch auf Pferde übertragen lassen. Die Pferde sind der Spiegel unserer Seele, wie man sich so schön sagt. Ich würde behaupten, dass mich Cornet lesen kann wie ein offenes Buch – meine tiefsten Wünsche und Ängste eingeschlossen. Als Entscheidungsmonopol ist es meine Aufgabe, ihm meine Träume so zu vermitteln, dass er sie versteht und idealerweise das Gefühl hat, er sei selbst auf diese grandiosen Ideen gekommen (die Taktik funktioniert übrigens auch bei menschlichen Buben). Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als das Gefühl, wenn das Pferd für einen gemeinsamen Traum kämpft. Sei es im Parcours, im Viereck, im Gelände oder bei einem Wettrennen gegen Wind und Wetter auf der Wiese.

 Ich träume aber auch sehr gern in der Vergangenheit herum. Gerade im Moment höre ich aus jeder Ecke: Schau nach vorn und nicht zurück! Blabla! Dabei finde ich Zurückschauen imfall total gut. Wenn ich rückwirkend vor mich hinträume wird mir doch erst bewusst, was ich habe oder hatte, welche Träume ich schon erreicht habe und welche Gedanken komplett überholt waren (ich glaube auch Scheitern ist wichtig – nur so kann man eine gewisse Selbsttoleranz entwickeln). Überlegt euch doch mal, welche Träume ihr alleine in diesem Jahr mit euren Pferden schon erritten habt! Verdammt cool, oder? Dieses Rückwärtsträumen macht doch direkt Lust auf ein Vollgas-Vorwärts.

 Eigentlich bin ich kein Mensch, der seine Wünsche nach Außen trägt. Da bin ich etwas abergläubisch behaftet und als Steinbock habe ich ausserdem den Hang alles rückzuversichern, sogar wenn es um pferdige Träume geht. Ein paar möchte ich aber trotzdem mit euch teilen. Vielleicht findet sich ein gleichgesinnter Träumer oder jemand, der mir nachfühlen kann.

 Mein grösster (wahr gewordener) Traum ist Cornet. Als ich mich damals mit ganzem Herzen für ihn entschieden hatte, wurde er zu der Konstante, die sich nun wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Ich würde mir wünschen, dass wir unser Band zueinander aufrechterhalten können, denn ich könnte mir keinen besseren Pfreund (=pferdigen Freund) wünschen, als ihn. Sei es in sportlicher oder kollegialer Sicht. Ich glaube mein grösster Zukunftstraum wäre es, wenn wir uns gegenseitig dazu verhelfen würden, irgendwann zu der besten Version von uns selbst zu werden, die wir füreinander sein können.

 Einige weitere, mehr oder weniger kurzfristige Träume geistern mir auch in Gedanken umher: Cornet soll nächstes Jahr den Einstieg in das Geländereiten finden, da ihm das unglaublich Spass macht. Ausserdem wird er hoffentlich bald seine ersten 1,10m Parcours laufen und sollte mir das Leben zu meiner Überraschung mal Banalitäten wie Zeit und Geld in die Hände spielen, möchte ich den langgehegten Traum verwirklichen, mit meinem Pfreund (Achtung, Kitsch!) an den Strand zu fahren. Am liebsten an die Nordsee. Hach...

 Einer meiner weiteren pferdigen Träume ist eine Reise nach Island. Das hat einerseits mit Reiten zu tun, andererseits mit meiner unergründlichen Begeisterung für graues Wetter und herbe Landschaften. Sollte ich es in diesem Leben noch nach Island schaffen, möchte ich unbedingt eine berittene Tour unternehmen. Am liebsten eine über mehrere Tage. Ich bin noch nie auf einem Isländer geritten und ich glaube die Kombination aus authentischer Reitweise, Natur und meiner Wohlfühltemperatur (meine Schmerzgrenze liegt bei 23 Grad), wird mich jeden Tag vor Freude zum Weinen bringen. Ich hoffe aber für euch alle, dass es mich nicht so bald nach Island verschlägt, weil ihr danach wahrscheinlich zwei Jahre lang von nichts Anderem lesen werdet.

 Ich würde mich sehr freuen, auch von euren reiterlichen Träumen zu lesen. Was möchtet ihr unbedingt mit euren Pferden erreichen und worauf seid ihr besonders stolz? Schreibt mir, ich bin gespannt auf eure Geschichten. Unterdessen: Träumt süss oder bitter, mal vor und mal zurück, aber vor allem aus tiefstem Herzen.

(by Sven Rudinsky)
Tags: Olga Kuck
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  • Sehr schön und ergreifend geschrieben.

    Der Traum vieler Reiterinnen

  • www.equusdomesticus.de

    Sehr schön geschrieben, nur hier ist mein Traum geplatzt: "allein am Grad der Hühnerhaut orientieren" - Hä?

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