Tabuthema Angst beim Reiten – Was bedeutet Angst?

Die meisten regelmässigen Magazin-Leser haben durch meine Kolumne ja bereits mitbekommen, dass ich wohl der grösste „Angsthase“ auf Erden bin. (Zumindest beim Reiten ;-P)

Da jedoch auch unsere Leserumfrage ergeben hat, dass ich mich mit diesem Thema nicht alleine quäle, sondern auch noch zahlreiche andere daran interessiert sind, habe ich mich dazu entschlossen, die ganze Thematik mit einer Blog-Serie unter die Lupe zu nehmen.


Diesmal geht es allgemein um Angst und die daraus entstehenden Beeinträchtigungen.


Definition Angst
Experten definieren Angst als ein Grundgefühl, welches sich in bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äussert. Erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes können hierbei Auslöser sein.

Der Begriff Angst hat sich seit dem 8. Jahrhundert von indogermanisch anghu (beengend) über althochdeutsch angust entwickelt. Zudem ist er mit dem lateinischen angustus bzw. angustia für (Enge, Beengung, Bedrängnis) und angor (Würgen) verwandt.


Grosses Spektrum der Angst
Für Gefühlsregungen, deren Gemeinsamkeit auf einer Verunsicherung des Gefühlslebens beruht, ist Angst der Oberbegriff.
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann unterscheidet in seinem verbreiteten Hauptwerk zur Angst zwischen dem „schizoiden“, dem „depressiven“, dem „zwanghaften“ und dem „hysterischen“ Persönlichkeitstypus.
Als Grundängste vom Menschen bezeichnet man die Angst vor Veränderung, die Angst vor Endgültigkeit, die Angst vor Nähe und die Angst vor Selbstwerdung.
Das Spektrum dieser Ängste reichen von einfachen Unsicherheiten (Beklommenheit, Scheu) bis über die Zwänge (Esszwang, Kontrollzwang, Reinigungszwang).

Aber auch folgende Formen sind Teil der Menschlichen Angst:

-Furchtformen (Verletzungsfurcht, Versagensfurcht, Berührungsfurcht)

-Phobien (Akrophobie, Agoraphobie, Klaustrophobie)

-Paniken (Angstanfall, Schockstarre, Katastrophenlähmung)

-Psychosen (Neurotische Ängste, Verfolgungswahn, Lebensangst


Dabei kann jedoch nur der Fachpsychologe aus diagnostischen und therapeutischen Gründen zwischen Ängsten und Fürchten differenzieren.

Obwohl ich das Gefühl habe, dass bei meiner Angst diverse Bereiche abgedeckt werden.


Vorsicht Verwechslungsgefahr
Oftmals wird Angst auch mit andersartigen Gefühlsregungen verwechselt oder vermischt.
Beispielsweise mit der Scham (Wahrung des Intimbereichs), mit dem Misstrauen (Zweifel an einer ärztlichen Kompetenz) oder mit einer hochgradigen psychischen Anspannung bei der Bewältigung einer gefahrenträchtigen Situation (Wagniskonzentration).


Das Positive an der Angst
Angst kann auch in hohem Masse als lustvolle Erfahrung gesucht und erlebt werden, wie beispielsweise in Form des Thrills. Denn diese Kontrasterfahrung (von aufregender Gefahrensituation und deren Bewältigung) führt nämlich zu einer gewünschten Steigerung des Lebensgefühls.
Der sogenannte Kick kann dabei als Wendepunkt, zwischen der Anspannung und Befreiung aus der Angstphase gesehen werden.

Gemäss Experten ist die Angst für uns (über)lebensnotwenig, denn sie schützt Menschen vor Gefahren bzw. bestärkt uns in der Prävention.


Wie sich die Angst auf den Körper auswirkt
Folgende physische Reaktionen zeigen wir in Angstsituationen:

-Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck

-Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher

-Flachere und schnellere Atmung (oder wie bei mir GAR KEINE ATUMUNG MEHR ;-P)

-Erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit

-Energiebereitstellung in Muskeln

-Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl

-Absonderung von Molekülen im Schweiss, die andere Menschen Angst riechen lassen und bei diesen unterbewusst Alarmbereitschaft auslösen.

-Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden während des Zustands der Angst gehemmt.

-Übelkeit und Atemnot treten in manchen Fällen ebenfalls auf.


Patienten mit Angststörungen klagen zudem über chronische Schmerzen.


Angst – ein lebenslanger „Lern“prozess
Gemäss meiner Mentaltrainerin wird kein Mensch ängstlich geboren, jeder bringt jedoch eine für
ihn typische Angstdisposition von Geburt an mit, die sich aber schon ab dem Kleinkindalter und noch lebenslang durch entsprechende Lernprozesse erheblich verändern lässt.

Denn jede Art von Angst kann gelernt, aber (zum Glück) auch wieder verlernt werden.
Angst ist nämlich die gelernte Verbindung von spezifischen Hinweisreizen in Ereignissen und natürlich deren schädlichen Konsequenzen. Sie können auf verschiedene Weisen gelernt werden, wie etwa durch eigene Erfahrung (Konditionierung), durch Beobachtung fremden Verhaltens (Lernen am Modell) oder durch Instruktionen (zum Beispiel Warnhinweise).


Kurz zusammengefasst wisst ihr nun, woher der Begriff Angst stammt, was dies für unseren Körper bedeuten kann und wie sich die Angst in verschiedene Formen gliedern lässt.


Die nächsten Teile der Blog-Serie werden dann folgende Themen beinhalten:
-Ängste die vor allem im Winter ausgeprägt sind

-Mentaltraining

-Trauma-Bewältigung

-Entspannungsübungen

-Vertrauen zum Pferd

u.v.m

Das könnte Dich auch interessieren‚‚

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.