Steve Guerdat schickt Nino in die Wüste

Ein Stadion wie ein Ufo, gekühlte Stallungen, mit Gummimatten ausgelegte Spazierwege – in Katar ist nur das Beste für Pferde und Reiter gut genug. Dazu kommt ein Preisgeld von 1,5 Mio. Euro, das den CHI Al Shaqab in Doha zu einem der bestdotierten Turniere weltweit macht. Und die besten Pferdesportler der Welt in die Wüste lockt – unter ihnen auch Steve Guerdat mit seinem Olympia-Pferd, Martin Fuchs und Pius Schwizer.


In den Stallungen brummelt es leise: Ein Lüftungs- und Kühlungssystem bringt die heisse Wüstenluft auf eine angenehme Temperatur. „Meine Pferd lieben das Klima und die Wärme hier in Doha“, sagt die Springreiterin Luciana Diniz, die bisher noch kein Turnier in Katar ausgelassen hat. Auch Steve Guerdats Olympiagold-Pferd Nino des Buissonnets fühlt sich wohl. „Die Umstellung vom kalten Wetter in der Schweiz macht ihm nichts aus, er mag die Wärme ebenfalls“, sagt sein Reiter. „Ausserdem reist Nino gut und die Bedingungen hier sind für die Pferde perfekt.“ Der 14-jährige Franzosenwallach, der sehr dosiert eingesetzt wird, ist zum ersten Mal in Doha am Start und bestreitet hier sein erstes grösseres Turnier nach einer dreimonatigen Pause.


Bereits zum dritten Mal wird in Kater der Pferdesport mit „der grossen Kelle“ angerichtet, für den CHI Al Shaqab 2015 mit den Disziplinen Springen, Dressur, Para-Dressur, Voltige und Endurance wird keine Mühe und kein Geld gescheut. Von letzterem gibt es hier – Erdöl und Erdgas sei Dank – ohnehin genug. Qatar besitzt zum Beispiel eine eigen Airline, mit der die Pferde, die Reiter, Richter, Offizielle, Journalisten usw. aus aller Welt eingeflogen wurden. „Es ist eine andere Welt“, fasst es Markus Fuchs zusammen, der seit zweieinhalb Jahren als Trainer auf der Halbinsel am persischen Golf lebt. Das Reitsportzentrum Al Shaqab, rund eine Viertelstunde vom Stadtzentrum von Doha entfernt, ist unglaubliche Anlage wie es sie in Europa wohl nirgends gibt. Das topmoderne Stadion sieht aus wie die Landestelle von einem Ufo, es gibt ein grosse, klimatisierte Indoor-Arena, mehrere Abreite- und Trainingsplätze, sandige Galoppbahnen, kilometerlange Spazierwege, die mit Gummimatten gepflastert sind, permanente Stallungen für mehrere 100 Pferde, ein voll ausgerüstete Pferdeklinik, ein Hotel für die Grooms und und und…


Die erstklassigen Bedingungen, das schöne Wetter – und natürlich das viele Preisgeld locken die besten Pferdesportler aus der ganzen Welt nach Doha. Die Voltige- und die Dressurprüfungen sind so gut dotiert wie sonst nirgends und für die Springreiter gibt es alleine im Grossen Preis vom Samstag eine halbe Million Euro zu gewinnen. Trotzdem ist auch im Wüstenstaat nicht alles Gold was glänzt: Die Einwohner scheinen sich nicht gross für Pferdesport zu interessieren: Die Zuschauertribünen in dem First-Class-Stadion sind gähnend leer. „Als Sportler leben wir vom Applaus - es macht mir keinen Spass vor 100 Zuschauern zu reiten“, sagt Steve Guerdat.

Neben den drei Schweizer Springreitern Steve Guedat, Martin Fuchs und Pius Schwizer , die ihren grossen Einsatz im Grossen Preis vom Samstag noch vor sich haben, ist auch eine Schweizer Voltige-Delegation nach Katar gereist – mit grossem Erfolg! Die Weltcup-Zweite Simone Jäiser, die zum ersten Mal ihre neue Kür zeigte und zum ersten Mal an einem grossen Wettkampf ihr Nachwuchspferd For Ever du Chalet CH einsetzte, wurde hinter Joanne Eccles und Anna Cavallaro Dritte. „Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, zumal das Turnier hier in Doha besser besetzt war als der Weltcup-Final“, sagte die 28-jährige Zürcherin. Im Teamwettkampf gab es sogar einen Schweizer Sieg: Für das Team Lütisburg von Longenführerin Monika Winkle-Bischofberger standen die Türen weit offen, nachdem das Pferd von Mitfavorit Deutschland nicht durch den Vet-Check kam. Die Lütisburger siegten souverän vor Schweden, Italien und Dänemark.


Text und Fotos: Angelika Nido Wälty

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