Sperrriemen -ist der Einsatz beim Reiten gerechtfertigt?

Der Sperrriemen - er sorgt immer wieder für Diskussionsstoff. Überall wird über Sinn und Unsinn, sowie über den korrekten Einsatz des Sperrriemens diskutiert. Und auch bei diesem Thema ist es wie bei so vielem in der Pferdewelt, die Reiterinnen und Reiter sind sich sehr uneinig. Für manche Pferdeleute gehört er einfach ans Zaumzeug, für andere Pferdefachleute gehört der Sperrriemen nicht ums Pferdemaul. Sitzt die Maulsperre zu fest, schadet sie dem Pferd ungemein. Ist der Sperrriemen zu locker verschnallt, kann gerade so gut auf ihn verzichtet werden. 

 

Bevor ich mich mit diesem Thema intensiv für diesen Blog auseinander setzte, fragte ich mich natürlich auch: Bei welchen Pferden setzte ich einen Sperriemen ein? Ist der Einsatz des Sperrriemens berechtigt und sinnvoll oder einfach ein absoluter Irrwitz? Ich beschäftigte mich mit diesen Fragen, obwohl der Sperrriemen auch bereits vor diesem Bericht für mich kein Alltagsgegenstand war. Bei mir wird der Sperriemen nicht einfach eingesetzt, bei vielen Zaumzeugen habe ich ihn sogar abmontiert. Und trotzdem, auch ich reite manche Pferde mit Sperrriemen. 

 

Aber was ist denn eigentlich der Sinn hinter dem Sperrriemen, wenn er nicht dazu gedacht ist, dem Pferd den Mund zu zuschnüren?

 

Der Sperriemen wurde ursprünglich im Mittelalter zum Schutz des Kiefergelenks entwickelt. Da die Pferde zu dieser Zeit sehr oft auf blanker Kandare gezäumt wurden, wurden sie bei einem Vollstopp sehr oft am Kiefergelenk verletzt. Früher war der Sperrriemen also zum Schutz der Pferde. Heute ist es sehr oft so, dass der Sperriemen den Pferden das Leben unnötig schwer macht.  Auf den heutigen Turnierplätzen sind leider sehr oft zugeschürte Mäuler, hängende Zungen und krampfhafte Atmung zu sehen. Grund dafür ist, dass viele Reiter die Reaktion ihrer Pferde nicht korrekt einordnen können. Eigentlich ist seit Jahrzehnten bekannt, dass ein kauendes Pferdemaul das Genick des Pferdes entspannt. Viele Reiter wollen das Kauen des Maules der Pferde heute jedoch aktiv verbieten und vertuschen so reiterliche Schwächen. 

 

Pferde die mit der Zunge spielen oder das Maul aufsperren, versuchen mit dieser Reaktion dem Druck zu entkommen. Es ist daher weder sinnvoll, noch dem Pferd geholfen, wenn sein Mund zugeschnürt wird. Vielmehr sollte man sich auf die korrekte Grundausbildung der Pferde und des Reiters fokussieren. 

 

Ebenfalls ist die übermässige Speichelproduktion kein gutes Zeichen. Das übermässige Einspeicheln des Pferdes ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass das Pferd nicht mehr in der Lage ist, seinen Speichel zu schlucken. Diese Problematik kann Magenprobleme beim Pferd auslösen und sollte daher unter keinen Umständen falsch interpretiert werden. Wünschenswert wäre ein Maul mit einem feinen Schaumrand, sowie leicht aufgetragener Lippenstift. 

 

Fachexperten sehen den Einsatz des Sperrriemens oft nur in höheren Spring- oder Geländeprüfungen als sinnvoll. Im Allgemeinen appellieren jedoch viele an den Menschenverstand und raten dazu, sich mit der Thematik auseinander zu setzte. Hinterfragt euch also alle einmal, weshalb ihr welche Hilfsmittel so einsetzt, wie ihr sie einsetzt? Und sind sie überhaupt sinnvoll oder notwendig?
Finde einen Weg, der für dein Pferd und dich stimmt und hinterfrage auch Dinge, die als normal erscheinen. Dann bist du auf einem guten Weg :)

Das könnte Dich auch interessieren‚‚

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Zum Artikel