Seelenpferd

Brooks ist ein recht anspruchsvoller Fall. Ich habe ihn von lieben Menschen übernommen, die sich aus persönlichen Gründen dazu entschieden, ihn wegzugeben. Als er so bei mir angekommen ist, spürte ich, dass es eine holprige Zeit werden wird. Ausgerechnet habe ich ihn in einer Phase übernommen, in der ich selbst viel beschäftigt war. Mit meiner Firmengründung, aber vor allem auch mit mir selber. Nach recht kurzer Zeit mauserte er sich zum anspruchsvollen Jungpferd, das direkt und ehrlich kommuniziert. Da ich selber spürte, dass es nicht meine Zeit ist, habe ich ihm und mir eine Auszeit gegönnt. Schnell stellte ich ihn zu unserem Jungspund auf die Hengstweide. Hier konnte er sich mal sortieren und vor allem auch erholen.

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The same story again
Als ich ihn voller Freude von der Weide abholen liess und zu einer lieben Freundin stellte, zeigt er sich anfangs sehr motiviert. Zunehmend kamen jedoch wieder diese ein zwei negativen Eigenschaften zum Vorschein. Eines war der Sattel. Diesen wollte er partout nicht mehr akzeptieren. Mit viel Ach und Krach konnte man ihn trotzdem satteln, danach war das Reiten absolut unproblematisch. Aber auch Sachen die seine Gesundheit betrafen. Eine Spritze geben - Halleluja! Nach etwa zwanzig gesprochenen Stossgebeten und mit kraftvoller Unterstützung, haben wir auch das hinbekommen. Ich spürte aber schnell, dass es so nicht weitergehen kann. Nach kurzer Zeit entschied ich mich ihn, mit seiner Freundin auf den Berg zu stellen.

Bergluft
So ausgeglichen und entspannt sah ich Brooks selten! Die Weiden und die Alpenluft haben seiner Seele geschmeichelt und er durfte richtig aufblühen. Ich ging oft zu Besuch und konnte mit ihm auch schon wieder langsam vom Boden aus starten. An dem Tag als der Alpabzug stattfand spürte er das. Er war sehr ausser sich und zeigte viel Unmut. Ich habe ihm am gleichen Tag wieder zu mir runtergeholt um mit ihm zu arbeiten.

Rückschlag
Nun heute war der Tag X. Ich wollte ihn beschlagen lassen, da er recht Mühe hat auf hartem Boden zu stehen. Der Anfang ging recht gut. Bis er wieder ins alte Muster fiel. Er wollte sich einfach nicht mehr anfassen lassen und hat rebelliert. Heute war der Tag, an dem ich aus Verzweiflung nicht mehr wusste, was ich machen soll. Wir liessen ihn dann so stehen und stellten ihn wieder auf die Weide.

Unserer Parallelen
Tja was soll ich sagen. Ich besuche zur Zeit eine sehr intensive Ausbildung zur ProLeading Trainerin. Momentan stecke ich in einer extremen Phase der Selbstreflektion. Nach einem sehr wohltuenden Gespräch mit meiner Vertrauensperson in Pferdesachen, habe ich neuen Mut gefasst. Jedoch müssen sich die Gegebenheiten nochmals ein wenig anpassen, damit ich die nötige Ruhe und Zeit erhalte um mich Brooks - und vor allem mir selber - zu widmen.

Zu Hause habe ich dann sein heutiges Verhalten reflektiert. Ich habe in diesem Fall mit Schrecken festgestellt, dass er mein Seelenpferd ist. Er hat mir ein Verhalten gezeigt, das ich selber zu gut kenne. Fühle ich mich in die Enge getrieben oder werden Sachen mit mir gemacht, die ich nicht will, rebelliere ich gleich. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und benehme mich in solchen Situationen manchmal wie Brooks. Ich wehre mich mit Händen und Füssen und erscheine somit gegen aussen als unsympathisch und arrogant. Ja manchmal könnte man auch das A-Wort gegen mich rufen. Es wäre zu einfach, dieses Pferd einfach abzuschieben. Jedoch würde ich dann diesen Teil von mir selber ebenfalls einfach abschieben. Und er würde niemals heilen. Dazu kommt noch, dass das nächste Pferd die gleichen Sachen aufzeigen wird. Und ich habe doch noch einige davon. Wäre es demnach nicht besser in den sauren Apfel zu beissen und mich meinem Seelenpferd zu widmen? Mit dem mich momentan eher negative Seiten verbinden. Aber aus negativem soll auch was positives Entstehen. Und an diese Zukunftsvision halte ich nun fest. Ich glaube an uns und ich bin bereit, mit Brooks diesen anstrengenden und steinigen Weg zu gehen. Ich danke dir mein Seelenpferd. Auch wenn das Spiegelbild nicht schön ist.

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