Seelengedanken einer Pferdefrau

Ich wälze mich im Bett, ich kann nicht einschlafen. Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Ich kann es nicht verstehen, begreifen und frage mich warum? Weshalb ist die Reiterei so oberflächlich? Warum suchen sich die Meisten den einfachsten Weg ohne Wiederstand. Höher, besser, schneller, weiter, teurer, protziger und dies um jeden Preis. Das eigene Ego steht über dem Wohlbefinden des Pferdes. Dabei scheitern diese Reiter bereits an sich selber und geben ihren Pferden die Schuld. Ich verstehe es nicht, ich hinterfrage alles, ich will wissen, warum, wieso und weshalb. Dabei muss ich mich mit mir und meinem Pferd auseinander setzten. Dies ist ein langer und beschwerlicher Weg, dieser Weg ist mit Höhen und Tiefen bestückt und kostet viel Energie. Aber dieser Weg lohnt sich auf jeden Fall. Wieso dies so viele angebliche Pferdeleute nicht begreifen oder sehen wollen. Ich weiss es nicht und verstehe es nicht.

 

Es gibt so viele falsche Leute in dieser Szene, dies macht mich traurig und nachdenklich. Ich habe bereits ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Pferd, sollte dies nur einen Tag Karussell und/oder Weide haben, ohne das ich reiten gehe. Ich mache mir Gedanken, und plane meine Turniersaison so, dass meine Pferde nicht jedes Wochenende laufen müssen. Ich gehe einen Kaffee trinken und gehe nach Hause, wenn am Concours der Grasplatz unter Wasser steht und die Pferde bis zu den Fesseln einsinken. Ich möchte nicht, dass sie sich verletzen und stelle mein Ego in den Hintergrund. Bin ich übervorsichtig? Einfach nur besorgt? Oder handle ich mit Menschenverstand?

Ich versuche mir jeden Tag aufs Neue grosse Mühe zu geben mit meinen Pferden und meinen Reitschülern. Ich will meinen Schülern meine Ansichten und meine Philosophie vermitteln. Ich will, dass sie sich Gedanken machen wie, warum und weshalb ihr Pferd agiert und reagiert. Ich will, dass sie sich mit sich selber auseinandersetzen um auch zu verstehen, weshalb ihr Pferd auf sie als Reiter so agiert und reagiert. Oft müssen die Reiter sich ändern und nicht die Pferde.

Dann sehe ich wie andere Reiter ihre Pferde traktieren, schikanieren und anschreien. Die Pferde wissen nicht mehr wo sie mit ihren Füssen hin sollen, denn jede Bewegung wird bestraft. Keine Distanz passt, die Stangen fliegen in alle Richtungen und die schreien ihr Pferd an. Reissen an den Zügeln, knallen die Hacken in den Bauch und das Pferd weiss immer noch nicht was es falsch gemacht hat. Der Reiter scheitert gerade an sich selber. Ich muss wegsehen, soll ich etwas sagen? Soll ich intervenieren? Habe ich überhaupt das Recht dazu? Bevor ich tätig werden kann, hat es ein anderer Reiter getan. Wieso machen diese Reiter das? Wir lieben doch alle unsere Pferde aber wollen sie nicht verstehen. Ist dies noch Pferdeliebe?

 

Wenn ich sehe, dass sich Reiter auf den öffentlichen Netzwerken, privilegieren und als Pferdemenschen ausgeben. Eine grosse Schar von Anhängern und Fans um sich scharen. Bilder posten, wobei dort nur eine Momentaufnahme zu sehen ist. Man sieht nicht, was mit den Pferden nach der Sekunde der Fotoaufnahme sonst noch passiert. Wenn kein Skrupel da ist, Pferde Tage wenn nicht Wochenlang stehen zu lassen. Hauptsache sie können Turniere reiten und dies posten. Dabei kommt die Ehrlichkeit und treue Liebe der Pferde zu ihrem Reiter zum Vorschein. Sie geben alles für ihren Reiter am Turnier,meist egal wie wir sie behandeln. Dies erscheint vielen als unfair. Gerade für die Reiter die sich unheimliche Mühe mit ihren Pferden geben und sich den Erfolg hart erarbeiten müssen. Liebe Reiter, dies ist das Leben!

Ich habe nichts gegen das Posten auf sozialem Medien, dies mache ich auch. Ich lasse meine Freunde, Bekannten, Reiterfreunde etc. auch an meinen pferdigen Erlebnissen teilhaben. Ich mache dies jedoch mit gutem Gewissen und dem Wissen, dass ich meiner Meinung nach eine Pferdefrau bin. Ich kann mein Ego hinten anstellen, für das Wohlbefinden meiner Pferde.

Ich bin hier etwas am Klagen, aber sind wir ehrlich, ist es nicht so? Sind wir Reiter nicht ein versnobtes Volk, voll von Neid und Missgunst. Ich finde dies sehr traurig und frage mich wo dies hinführt.

Ich hoffe, dass einige Reiter sich an der Nase nehmen und sich einmal grundlegende Gedanken machen. Das reiten soll, Reiter und Pferd, Freude machen und keine Qual oder ein Muss sein.

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