Schicksalsschlag Verletzung Teil 2

Ja inzwischen sind einige Wochen ins Land gezogen und ich habe mir viele Gedanken um die Zukunft meiner Stute gemacht. Nun seid ihr sicher gespannt für was ich mich entschieden habe. Behandlung oder nicht? Fohlen oder nicht?

Ich habe mir viele Gedanken über die Zukunft meiner Stute und damit auch von mir gemacht. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich sie auch behalten möchte ohne sie im Sport zu reiten. Dies könnte ja schliesslich der Fall sein. Möchte ich doch schon jetzt ein Fohlen von ihr? Kann ich mir dies überhaupt leisten? Was wäre für meine Stute am besten? Wie kann ich ihr die Verletzungspause so angenehm wie nur möglich machen?

Nach langem Hin und Her habe ich den Entschluss gefasst, meine Stute mir der PRP Therapie medizinisch zu therapieren. Weiter wird es Momentan kein Fohlen geben. Ich werde Miki aber um jeden Preis behalten. Das ist sie Wert und hat sie verdient, solange es für sie erträglich ist.

Ich habe nun also meine Entscheidung der Tierärztin mitgeteilt, dass wir die PRP Therapie machen möchten. Mehr zu dieser PRP Therapie später in diesem Bericht.

Nun war also vorerst Boxenruhe angesagt. Sie durfte lediglich bis zum Abspritzplatz zum Kühlen und wieder zurück in die Boxe. Sie ist so traurig und ich auch. Ihre Augen haben den Glanz und das Strahlen verloren. Das Fell stumpft ab und die Muskulatur fängt an einzufallen. Ich leide mit ihr mit.

Ich dachte mir dann einiges aus, um sie bei Laune zu halten. Ich präparierte Heu Netze, indem ich sie mit Heu füllte und in die Mitte eine Hand voll Silage gab. Da war sie einen Moment beschäftigt, um an die Silage zu kommen. Weiter habe ich ihr einen Wassereimer zusätzlich in die Boxe gehängt, damit sie auch genug trinkt. Ab und zu ein Mash, Bananen, Karotten, Brot oder an der Hand grasen.

Nun war es so weit und wir hatten den Termin für die PRP Therapie zu spritzen. Also was ist diese PRP Therapie genau?

Hier eine medizinische Definition:

Bei der Behandlung mit Platelet Rich Plasma (PRP) kommen konzentrierte Blutplättchen zum Einsatz. Sie werden durch kurzes Zentrifugieren des Pferdebluts gewonnen. Schon ein paar Minuten später können sie an die defekte Stelle gespritzt werden. Diese Therapie eignet sich gut für die akute Entzündungsphase. Studien zeigen, dass ein halbes Jahr nach der Behandlung mit PRP der Anteil gerissener Fasern deutlich geringer war als bei Pferden, die nicht mit den Blutplättchen therapiert  worden waren.

Wir waren also in der Klinik und meiner Stute wurde Blut abgenommen. Dieses Blut wurde in einen Behälter gespritzt, welcher an der Wand aufgehängt wurde. Das Blut musste nun durch einen Filter, welcher wie eine grosse Schneckenspirale aussah, fliessen. In diesem Filter sammelten sich die Blutblättchen an, die für diese Therapie gebraucht wurden. Während diesem Vorgang wurde meine Stute für die eigentliche Therapie vorbereitet. Sie wurde sediert und alles wurde bereitgestellt. Da das Bein zu diesem Zeitpunkt noch sehr stark angeschwollen war, verzichtete die Tierärztin auf eine lokale Sedation. Dies mit dem Risiko, dass meine Stute ausschlagen könnte, sobald sie mit der Nadel in die betroffene Stelle sticht.

Nun war also alles bereit. Meine Stute schlief tief und fest „in meinen Armen“. Nein, nicht direkt in den Armen, aber ihr Kopf war doch sehr schwer.

Das Blut war durchgelaufen und die Blutblättchen wurden mit einer Flüssigkeit aufbereitet und in eine Spritze aufgezogen. Nun wurde mit dem Ultraschall die defekte Stelle der Sehne ausgemacht und die Nadel direkt in diesen Bereich gesteckt. Auch ohne lokale Sedation, blieb meine Stute ganz brav und machte keine Anstalten. Nun wurde das aufbereitete Blut direkt hineingespritzt. Dies ist alles nach Wunsch verlaufen und hat einwandfrei funktioniert. Dies war nun also der ganze Spuk der PRP Therapie. Das Ziel ist es nun, dass durch das aufbereitete Eigenblut eine bessere Heilung, ein besseres Zusammenwachsen der Fasern in Gang gesetzt wird. Aber auch mit dieser Therapie wird es nicht schneller gehen. Es braucht einfach Zeit, Zeit und noch einmal Zeit.

Nachdem meine Stute wieder aus der Sedation erwacht ist, wurde ihr wieder ein Verband angelegt und wir durften nach Hause. Nun hiess es wieder drei Tage Boxenruhe, bis zur Nachkontrolle. Nach drei Tagen wurde der Verband entfernt und das Bein sah verhältnismässig sehr gut aus.

Die Tierärztin besprach sich auch sogleich mit meinem Hufschmied um den Beschlag zu besprechen. Meine Stute wird einen Spezialbeschlag bekommen um die tiefe Beugesehne zu entlasten.

Ab sofort durfte ich mit meiner Stute 2-3 Mal am Tag 5-10 Minuten Schritt führen oder reiten. Immer wieder kühlen und über Nacht bandagieren.

Zwei Tage nach der Nachkontrolle der Schock. Es war natürlich Sonntagmorgen, ich kam in den Stall und entfernte meiner Stute die Bandage. Von der Struktur des Beines war nichts mehr zu sehen, das war einfach vom Kronrand bis zum Sprunggelenk dick und prall gefüllt. Ich begann sofort zu kühlen und rief die Tierärztin an, welche auch sogleich vor Ort kam. Meine Stute hatte einen Einschuss gemacht und musste gespritzt werden. Bereits einige Stunden später zeigten die Spritzen, das Kühlen und Führen ihre Wirkung und das Bein schwoll ab.

Ab sofort durfte oder musste ich 2-3 Mal täglich mit meiner Stute spazieren gehen. Wir habe bei uns im Stall nun auch die Möglichkeit, dass sie während der Zeit, wo alle anderen Pferde auf der Weide sind, in den grossen Auslaufstall darf. Sie kann sich alleine etwas bewegen, kann an die Sonne stehen und sich so die Zeit vertreiben. Sie geniesst ihre klein gewonnene Freiheit sehr.

Dies ist nun zwei Wochen her und in der Zwischenzeit hat sie auch ihren neuen Beschlag erhalten. Ich kann nun Wochenweise die Schrittphasen erhöhen. Ich nehme dies von Tag zu Tag und höre dabei auf mein Bauchgefühl, was ich mir ihr mache und was ich ihr zutrauen kann. Deshalb habe ich auch entschieden, dass sie einmal am Tag wider für 10 Minuten ins Karussell darf. In der Zwischenzeit habe ich sie auch für kleinere Schrittrunden wieder geritten. Dies bringt auch für sie Abwechslung und ein bisschen den Alltag zurück.

Das betroffene Bein muss immer nach dem Bewegen gekühlt werden. Ich kühle mit Wasser, habe Kühlgamaschen, trage Lehm oder Quark auf. Weiter wird das Bein jeden Abend bandagiert. Bis jetzt fahren wir mit diesen Methoden sehr gut und hoffen auch weiterhin auf gute Genesung.

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