Schicksalsschlag Verletzung

Wie ein Schlag vor den Kopf, als wär ich gegen eine Wand gelaufen, zerplatzt wie eine Seifenblase……..

Dies ist sicher vielen von Euch nicht fremd. So schnell kann es gehen und alle Träume und Ziele die ihr mit Eurem Pferd hattet, sind von 0 auf 100 nicht mehr realistisch und werden zunichte gemacht. Pause machen, gesund werden, ist das Pferd wieder zu reiten, vielleicht wieder einmal an einem Concours teilnehmen? Verkaufen? Auf eine Weide stellen? In die Zucht geben? Warum ich? Warum mein Pferd? Wie konnte dies passieren? Habe ich nicht aufgepasst? Fragen um Fragen und ich mache mir auch Vorwürfe.

Genau so geschehen vor einigen Wochen. Nachdem Training ist mir aufgefallen, dass meine Stute hinten links, auf Höhe des Fesselkopfes eine kleine Schwellung hatte. Die Stelle war etwa so gross wie eine Handfläche. Es war nicht warm, die Stelle war ganz weich, ich konnte darauf herumdrücken ohne, dass meine Stute auch nur mit den Ohren gewackelt hat. Also hat sie keine Schmerzen von dieser Schwellung. Nach einem Tag war diese Schwellung auch wieder weg. Meine Stute war wie immer sehr arbeitsfreudig und sie bewegte sich ganz normal. Vielleicht macht sie ja einen Gallenschub oder produzierte im Training etwas zu viel Gelenkflüssigkeit. Dies waren meine Gedanken und Überlegungen…

Als diese Schwellung nach dem nächsten Training wieder aufgetreten war und ich an diesem Tag an einen Concours mit ihr wollte, war mir nicht ganz Wohl bei der Sache. Deshalb habe ich bei uns im Stall bei Fachpersonen um Rat gefragt. Ich habe ihnen meine Stute vorgetrabt. Sie lief einwandfrei ohne jegliche Anzeichen von Schmerzen oder des Gleichen. Also bin ich an den Concours gefahren und meine Stute ist, wie immer, super gesprungen und hatte toll mitgemacht.

Nach dem Concours habe ich vorsorglich das Bein mit Lehm eingestrichen und bandagiert. Am Tag danach folgte der Schock. Mein Pferd hatte den ganzen Fesselkopf geschwollen und nun war es deutlich warm. Was nun? Für mich war klar, dass am Montag der Tierarzt her musste. Ich wollte nun einfach Gewissheit haben, was meinem Pferd fehlte.

Also vereinbarte ich für den Folgetag einen Termin. Die Tierärztin konnte durch die starke Schwellung nicht genau sagen, was es sein könnte. Im Trab war sie nun leicht lahm, aber wirklich nur leicht. Sie schaute mich an und fragte „Kannst du sie in die Klinik bringen?“ Schock, Klinik, was, warum, was ist los?

Sie möchte sie gerne durch eine Kollegin, die spezialisiert auf Lahmheiten ist, anschauen lassen und Ultraschallen. Damit das Bein bis dahin gut abschwellen konnte, wurde meiner Stute ein nasser Verband angelegt.

Also fuhr ich am nächsten Tag in die Klinik. Kaum ausgeladen schaute mich die Tierärztin an und fragte: „hat sie diesen Buckel da schon lange?“ Jetzt wo es wieder abgeschwollen war, sah man den Buck hinten ganz deutlich. Sie meinte, dass ihr das Bein gar nicht gefalle und sie möchte sie gerne im Schritt und Trab sehen.

Im Schritt konnte nichts erkannt werden. Auch im Trab war sie wieder besser wie am Vortag, nur noch ganz leicht lahm. Erst auf die Beugeprobe hat sie wieder etwas deutlicher angezeigt.

Also ging es ans Ultraschallen. Meine Stute hat dies ganz ohne zu sedieren und brav über sich ergehen lassen. Die Tierärztin konnte auch darauf herumdrücken, ohne dass mein Pferd auch nur gezuckt hatte.

Als erstes meinte sie, dass die Fesselträger schon einmal gut aussehen, genauso wie sie sein müssen. Ihr gefalle aber die tiefe Beugesehne nicht, sie habe dort einen dunklen Schatten. Ich durfte mir dies auch auf dem Ultraschall ansehen und man konnte den Schatten oder ein schwarzes Loch sehen. Dies über eine Länge von 3-4cm in der tiefen Beugesehne innen. Sie habe aber auch eine Sehnenscheidenentzündung. Grundsätzlich müsste sie auf Grund einer Verletzung der tiefen Beugesehen viel mehr schmerzen haben und deutlich lahm sein. Ihr Verhalten oder besser, dass sie fast keine Reaktion zeige, sei sehr untypisch. Mein Pferd ist wahrscheinlich sehr schmerzunempfindlich und hart im „Nehmen“. Um sicher zu gehen was genau nun die Ursache ist, wurde die Sehnenscheide anästhesiert. Nun wurde in Abständen von 2/5/10/15 Minuten vorgetrabt. Als sie auch nach 15 Minuten noch leicht anzeigte war der Fall klar: Verletzung an der tiefen Beugesehne.

Mir irrten gleiche Tausende von Szenarien durch den Kopf. Nie mehr Springen mit meiner geliebten Stute, vielleicht nie mehr Reiten. Muss ich sie weggeben, kommt dies wieder gut, hat sie nun Boxenruhe, solch ich sie Decken lassen, wird sie wieder gesund?? Es wird dieses Jahr doch keine Auslandstarts geben, die wird es vielleicht nie geben. Ich hätte einfach losheulen können.

Ich fragte die Tierärztin was dies für meine Stute nun bedeute? Sie meinte, dass es sicher Zeit brauche, 3-6 Monate Boxenruhe mit gezieltem Schrittaufbau. Mir wurden einige Vorgehensweisen aufgezeigt, was es für Möglichkeiten gibt um die Heilung zu unterstützen. Damit gehe es nicht schneller, Zeit brauche es immer, aber mit unterstützender Medizin könne die Sehne besser zusammenwachsen und sollte danach auch wieder elastisch sein.

Damit Ihr Euch die Verletzung besser verstehen könnt, stellt Euch Folgendes vor:

Die Sehne besteht aus ganz vielen Gummibändern. Nun sind einige dieser Bänder in der Sehne gerissen. Was passiert wenn Gummibänder reisen? Genau sie ziehen sich zurück. Genau dies ist in der Sehne meiner Stute passiert. Deshalb sieht man auf dem Ultraschallbild ein Loch in der tiefen Beugesehne auf einer Länge von ca. 3-4 cm.

Das Bein meiner Stute wurde nach der Untersuchung dick in einen Verband eingepackt. Ich lud also meine Stute ein und fuhr nach Hause wo ich sie in ihre Boxe einsperren musste. Dies hat mir das Herz gebrochen. Sie bewegt sich so gerne, sie ist ein richtiges Arbeitstier. Von vorher 30-45 min. Karussell, 4-5 Stunden Weidegang und 1-2 Stunden Reiten am Tag auf null Bewegung.

Nun musste ich mir Gedanken machen was ich machen möchte? Für was ich mich entschieden habe erfahrt Ihr in „Schicksalsschlag Verletzung Teil 2“

 

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