Rückenschmerzen beim Pferd - Eine Dreiecksbeziehung

Woher können die Rückenschmerzen meines Pferdes kommen? Passt mein Sattel nicht richtig? Hilft ein dickeres Kissen als Sattelunterlage? Lauter Fragen, die von reitsport.ch Kunden am 23.04.2014 gestellt wurden.

Es war ein sehr spannender und interaktiver Event und wir möchten uns bei Selma und Miriam, reitsport.ch Botschafterin und den Besuchern herzlichst bedanken.

Bei der Veranstaltung von reitsport.ch am 23. April 2014 mit unserer Botschafterin Miriam Riser und der Tierärztin und Chiropraktikerin Selma Latif stand der Pferderücken im Zentrum des Geschehens. Miriam erzählte die Leidensgeschichte ihres Pferdes im Zusammenhang mit Sattelpassform und Rückenschmerzen, worauf Selma auf die anatomischen Grundlagen, die Bestandteile eines Sattels, Möglichkeiten der Objektivierung der Sattelpassform und die Folgen von Rückenschmerzen einging.

Dem Sattel als Interface zwischen Reiter und Pferd kommt eine sehr wichtige Aufgabe zu: er muss nämlich einerseits stabil und grossflächig genug sein, um das Reitergewicht auf die ganze Sattellage zu verteilen, andererseits dem Reiter eine gute Voraussetzung liefern, damit er eine für die jeweilige Disziplin sinnvolle Position einnehmen kann. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Konzepte: vom relativ starren Holzstahlfederbaum über den Kunststoffbaum bis hin zu flexiblen Bäumen oder Sätteln ohne Baum.

Zwischen Reiter und Pferd wird in jedem Fall ein mehr oder weniger dickes Polster montiert, das häufig mit Wolle, Kunststoff oder Luft gefüllt wird. Die Qualität dieser Kissen ist natürlich von grosser Bedeutung; asymmetrische oder unregelmässige Polsterung, schmale Kissen oder ein zu enger Kanal dazwischen können sich unvorteilhaft auf die Passform auswirken. Auf dem Pferd platziert, sollte der Sattel einigen wichtigen Kriterien genügen. So ist es zum Beispiel von Bedeutung, dass das Kopfeisen parallel zu Widerrist und Schulter verläuft, dass die Auflagefläche über das ganze Sattelkissen regelmässig ist und dass sich der Schwerpunkt im mittleren Drittel befindet. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Reiter für einen korrekten Sitz ständig gegen den Sattel arbeiten muss. Mit der Sattelmessmatte, einem System, das die Druckverteilung unter dem Reiter in jeder Gangart messen kann, ist man in der Lage, die Sattelpassform in Bewegung zu objektivieren. Dies ist nicht nur für die Forschung, sondern auch im Alltag sehr wertvoll, z.B. wenn die Anpassung des Sattels aufgrund der Messresultate noch verfeinert werden soll. Es lässt sich auch überprüfen, ob neben der Schabracke eine Unterlage nötig ist oder ob sie unter Umständen einen kontraproduktiven Effekt hat.

Wenn der Sattel ohne Unterlage bereits eng ist, kann sich z.B. durch ein Lammfellpad die Situation verschlimmern. Wenn ein Lammfell verwendet werden möchte (was gerade beim Springreiten sicher empfehlenswert ist), sollte es immer in die Anpassung miteinbezogen werden.

An der Uni Zürich konnte anhand von Satteldruckmessungen gezeigt werden, welche Druckwerte ein Pferd tolerieren kann, bevor es zu klinisch relevantem Satteldruck kommt. Sind die Rückenschmerzen dann mal da, geht’s einerseits darum, die Ursache zu finden und zu bekämpfen, und andererseits den Schmerzzustand aufzuheben, um danach möglichst bald wieder ein sinnvolles Training absolvieren zu können.

Neben der Anpassung des Sattels und der Optimierung der Haltungsbedingungen muss man bestrebt sein, die für die Reiterei wichtigen Muskelgruppen zu aktivieren und zu erhalten, damit das Pferd langfristig rückengesund bleibt. Dafür sind im Alltag Krafttraining im Stehen, Stangenarbeit, Bergtraining, genügend lange Aufwärm- und Abkühlungsphasen, guter Beschlag und die regelmässige Kontrolle der Beweglichkeit durch einen fachlich einwandfreien manuellen Therapeuten gut geeignet. Vielen Dank an Selma für die Zusammenfassung und Vortrag. Hier findest Du mehr Informationen: http://www.vetcheck.ch/

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