Reiterfrust im Winter

Achtung, diese Woche wird es etwas böse und persönlich. Grund dafür ist das Wetter. Das macht mich momentan innerlich dermassen deprimiert, dass ich jede Möglichkeit dankend nutze, um mich missverstanden und beleidigt zu fühlen. Es ist nicht so, dass ich den Winter nicht mag. Ich liebe Schnee und ich liebe Schneegalopp und eigentlich alles rund um diese Jahreszeit. Aber in regelmässigen und angemessenen Portionen. Mit anderen Worten: bitte einmal jährlich und bitte nur von Dezember bis Januar. Nicht wie dieses Jahr, denn, wie ich finde, hatten wir vom Winter mehr als genug. Die Kälte macht mir nichts aus, wäre da nicht dieses Eis überall und immer diese Biese. Es ist nicht zum Aushalten.

 

Unser Reitplatz ist so gefroren, dass man etwa gleichermassen gelenkschonend auf der Hauptstrasse reiten könnte. Die Wege im Wald sind so rutschig, dass ich mich kaum selber zu Fuss in den Vita Parcours getraue. Und von der Enge der Reithalle, in der sich täglich beinahe der ganze Kanton tummelt, kriege ich bald schon klaustrophobische Anfälle. Nicht zu vergessen die Fasnachtswagen, die so laut Musik spielen, dass es auch mein, mit mir an der Longe spazierendes Pferd mitbekommt, welches mich dann panisch durch die Bäume hindurch Richtung Stall ziehen möchte. Eine wahre Herausforderung, sich da einen Plan auszudenken, wie ich Cornet’s Energie in rutschsicherer und pädagogisch richtiger Weise loswerden kann. Und schon wären wir beim Thema.

 

Am vergangenen Mittwoch fühlte ich mich emotional genügend ausgeglichen, um es mit einer Horde von Mitreitern aufzunehmen und beschloss, mit Cornet in der Reithalle zu arbeiten. Dort angekommen liess ich mich erstmal in ein interessantes Gespräch über richtige Longierhilfen und andere arbeitssparende Gerätschaften der Reiterei verwickeln. Bis mein Gesprächspartner mit folgender Frage aufkam: Wieso hast du dir eigentlich kein richtiges Pferd gekauft, also ein älteres, mit dem du auf Turnieren starten kannst?

 

Diese etwas provokative Frage habe ich schon in verschiedensten Variationen gestellt bekommen. Diesmal bot sie mir in meinem ohnehin schon gereizten Zustand die beste Voraussetzung, meinen Unmut kundzutun. Natürlich nur in Gedanken, denn meinem fragenden Gegenüber gab ich höflich und kurz zur Antwort, dass es einfach mein Plan gewesen ist, ein junges Pferd zu kaufen.

 

Das war es auch wirklich, aber hinter diesem Plan steckte mehr. Bevor ich Cornet kaufte, hatte ich eigentlich gar keine Lust mehr zu reiten. Wie ich in meinem allerersten Blog beschrieben habe, lief das Jahr 2014 für mich reiterlich und persönlich nicht gut. Was mich dazu brachte, daran zu denken mit dem Reiten aufzuhören, kann ich nicht genau sagen. Das Reiten deprimierte mich, weil es ein so krass unfairer Sport ist. Top Pferd, Klassierungen und Geld regieren die Reiterwelt und darin „menschelt“ es aufs Extremste. Klar gehört der Wettbewerb zum Leben und ich bin ja kein Weichei, das dem nicht standhalten kann. Wer will schon nicht immer der Beste sein? Mein Fehler lag darin, dass ich nicht für mich selber die Beste sein wollte, sondern für alle anderen: Die Pferdebesitzer, die Richter, den Verein.

 

Radikal nahm ich daraufhin drastische Massnahmen in Angriff: Ich löste die meisten Reitbeteiligungen auf und trat aus dem Verein aus. Es waren schwere Entscheidungen, aber ich bereue keine davon, denn sie haben mich zu Cornet geführt.

 

Cornet ist mein Restart-Knopf. Ich geniesse es, dass ich mich nur auf ihn konzentrieren kann. Ich geniesse es, dass ich mir für dieses Pferd die Zeit nehmen kann, die ich will. Ich geniesse es, dass ich nicht zwingend jeden Tag in den Sattel muss und trotzdem noch viel lieber in den Stall gehe als früher. Ich geniesse das Reiten und bin unendlich dankbar dafür. Und entgegen aller Vermutungen vermisse ich das Turnierreiten momentan nicht. Bestimmt werde ich mit meinem gesunden Ehrgeiz in näherer Zukunft wieder starten. Denn wie gesagt: ein Wettbewerb gehört dazu! Wenn Cornet dafür bereit ist, wird es aber eine ganz andere Art von Turnierreiten sein als bisher. Und ich freue mich schon sehr darauf. Aber jetzt gerade bleibe ich dabei, mich kurz durch den Wald ziehen zu lassen und danach meine helle Freude darüber zu haben, dass sich Cornet nach so einem Schreckensmoment wieder an der lockeren Longe nach Hause führen lässt. Solche Momente machen sogar den Umstand wieder wett, dass wir tatsächlich immer noch Winter haben.

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