Reiten Früher, Reiten Heute

Das Reiten begleitet mich jetzt schon seit über 15 Jahren. Mit den Pferden habe ich die Schulzeit überstanden, die Pubertät, einige Lebenskrisen, die erste Liebe und vieles mehr.

 

Als ich noch ganz klein war, lernte ich ein anderes Pferdemädchen kennen. Früher, noch zu Schulzeiten, hiess es dann: Wann gehen wir in den Stall? Gleich nach den z’Mittag! Und dann sattelten wir unsere beiden Irländer und kamen erst spät abends wieder nach Hause.

 

Eines unserer beliebtesten Ziele war eine lange, gerade Galoppstrecke entlang der Bahnlinie. Darauf liessen wir unsere Pferde um die Wette laufen und lachten darüber, wie sie für uns kämpften. Danach ritten wir noch stundenlang durch die Wälder, sprangen über liegengebliebene Baumstämme, stiegen in das Bächlein um durch das sandige Flussbett zu traben und übten kurz darauf mit hochkonzentrierten Mienen an Anlehnung und Übergängen. Wir vier waren jung, unbeschwert und ein bisschen naiv. Nichts schien unmöglich.

 

Heute haben meine Freundin und ich beide ein eigenes Pferd. Unsere Schimmel sind alt geworden, einer musste uns vor einem Jahr schon verlassen. Wenn wir heute zusammen ausreiten schwelgen wir noch oft in Erinnerung an die gute, alte Zeit. Aber es ist ein anderes Ausreiten geworden.

 

Ich glaube, dass ich hiermit ein etwas heikles, schnell falsch verstandenes Thema anspreche. Aber es beschäftigt mich und vielleicht bin ich damit nicht allein.Ich finde, dass wir beim Reiten, im Vergleich zu früher, viel zu viel nachdenken. Es geht mir nicht um die Angst  im Pferdesattel an sich. Es geht darum einfach mal zu sagen: es ist vielleicht nicht die beste Idee da oder dort durchzureiten, aber wir machen es, denn es ist nicht ideal aber auch nicht unmöglich. Oder das Pferd im Galopp auch mal so richtig anziehen lassen. Damit will ich nicht kopfloses Durch-Den-Wald-Schroten propagandieren. Aber ich hoffe ihr versteht was ich meine.

 

Ist es vielleicht weil wir älter werden und wissen, was alles schief gehen kann? Ich bin kein übervorsichtiger Reiter, gar nicht, aber manchmal fehlt mir etwas, das ich früher hatte. Ich rede nicht von Leichtsinnigkeit, denn leichtsinnig waren wir nie. Wir konnten den monetären und emotionalen Wert unserer Pferde jederzeit sehr gut einschätzen. 

 

Vielleicht war es eher der jugendliche Übermut und dass wir nicht immer sofort das Schlimmste befürchtet haben? Liess uns das mehr Sicherheit zu?

 

Heute höre ich oft eine kleine Stimme in meinem Kopf, die mit erhobenem imaginären Zeigefinger und in einer hassenswert belehrenden Art Aussagen säuselt wie: Obacht! Ein schlammiges Loch. Mitten auf der Galoppstrecke. Könnte voll rutschig sein. Sofort durchparieren zum Schritt. Ja, drumrum reiten eventuell ein Thema. Aber vielleicht hat's noch mehr kriminelle Rutschlöcher? Und schon ist der Galopp versaut.

 

Ganz ehrlich: Mit einem jungen Pferd ist es kompliziert. Am liebsten hätte ich natürlich die optimalsten Bedingungen. Aber ich kann ihn und mich nicht vor allen bösen Matschlöchern auf der Welt beschützen. Irgendwo durch muss er lernen selber mitzudenken. Auf der anderen Seite muss ihm das dicke Fell erst noch wachsen. Und das dicke Fell kriegt er nie, wenn er immerzu in einer wohlbehüteten Umgebung gross wird. Ich will kein Pferd, um das ich mir Sorgen machen muss, wenn ich mal durch etwas unwegsameres Gelände reiten will.

 

Um noch ehrlicher zu sein: ich bin schon sehr vorsichtig geworden. Ich denke das ist ein grundsätzliches Laster des Erwachsenwerdens. Und wie kommt man jetzt damit klar? Das Gegenteil dessen zu machen, was einen zur Vorsicht mahnt, wäre falsch. Aber bewusst mal wieder aus der Wohlfühlzone zu treten hilft, um sich klar zu machen, dass viele Gefahren im Kopf entstehen. Ein Vorsatz, den ich gerne nachträglich zu der Liste in meinem letzten Blog hinzufügen würde.

 

Und wie steht ihr dazu?

 

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