Quadrillen – Auftritt mit dem ältesten Pferd vom Stall

Im letzten Dezember tauchte plötzlich das Gerücht auf, dass es während den Dressurtagen des RV Schönenbergs im März, auch ein stallinterner Quadrillenauftritt geben sollte.
Nun gut, ich machte mir dabei nicht allzu viele Gedanken, denn ich rechnete nicht damit, dass mich das auch betreffen könnte, weil ich schliesslich auch an keiner Prüfung teilnehmen würde.
Tja falsch gedacht… auch wenn ich jetzt noch nicht verstehe, wieso gerade unsere Gruppe ausgewählt wurde, da unser Leistungsniveau doch sehr unterschiedlich ist, ;-) wurden wir tatsächlich angefragt, ob wir es uns vorstellen könnten… Da die meisten noch nie an einer Quadrille teilgenommen haben (ich hatte im 2011 bereits das „Vergnügen“) übten wir dann gleich ein paar Figuren, damit am Ende der Stunde eine Abstimmung stattfinden konnte.
Zu meiner Verwunderung waren alle begeistert von der Idee, weshalb meine Bedenken gekonnt ignoriert wurden und es schon beschlossen war. :P
Bis zum Jahresende wurde dann auch brav regelmässig trainiert, wobei es dem einen oder anderen doch zu „bunt“ wurde. Schlussendlich wurden 10 Reiterpaare definiert, welche dann eisern einmal pro Woche trainierten.

Zu Beginn war auch noch alles i. O… Meine Boxnachbarin und ich wurden zur Spitze auserkoren, was zumindest mir Freude bereitete, da ich gerne das Tempo vorgebe, anstatt „lahmarschig hinten nach zu trotten“ und kann mit Gipsy trotzdem auch schnell reagieren, um die Gruppe zusammen zu halten. So kam es, dass mir das Training sogar Spass machte, weil es immer viel zu lachen gab, weil wir meistens keinen Plan hatten: entweder artete es in riesigen Diskussionen aus, wie wir welche Figuren zusammensetzen könnten, dann wussten wir plötzlich nicht mehr weiter, wie der Ablauf zu reiten sei, bis hin zur völlig verwirrten Souffleuse. Weil ich jedoch mit meinem Verlasspferd unterwegs war, konnte ich mich gut auf alles andere (als das Reiten) konzentrieren.
Special konnte dann zum Jahresbeginn auch wieder einmal „Quadrillenluft“ schnuppern, da Michel als Ferienvertretung mit ihm einsprang. Dabei benahm er sich natürlich wie gewohnt etwas daneben… was für Unterhaltung in der ganzen Gruppe sorgte… nun zu diesem Zeitpunkt fand ich es auch noch witzig, dass gerade der 30- jährige Senior aus der Reihe tanzen (wortwörtlich) muss, denn da wusste ich ja auch noch nicht, was mir blühte…

Denn dann wurde die Quadrille von einem regelrechten Fluch getroffen…

Als erstes traf es das Pferd meiner Boxnachbarin, welches aufgrund einer Rückenverletzung vorläufig nicht mehr geritten werden konnte. Die Besitzerin bekam natürlich sofort ein Ersatzpferd fürs Quadrillentraining, aber es harmonisierte natürlich nie mehr so, wie unsere zwei benachbarten Stuten an der Spitze.
Dann fiel auch noch das Pferd direkt hinter mir aus und schlussendlich traf es auch noch Gipsy, aber dazu später mehr…

Echte Reiter kennen keine Feiertage :P, weshalb das Training auch am Valentinstag stattfand. Dies war noch ein wichtiger Abend, denn die Halle wurde nun etwas verkleinert, weil wir am grossen Tag auch nicht die ganze Halle zur Verfügung hatten. Dies war nochmals eine echte Herausforderung, da die Halle nicht proportional verkleinert wurde, sondern einfach oben ein Teil fehlte, weshalb wir Spitzenreiter uns noch besser absprechen mussten, damit trotzdem alles aufgeht. Ausserdem wurde der Ritt zum ersten Mal gefilmt, dass die Musik entsprechend geschnitten und vorbereitet werden konnte. Darauf fiel unserer Quadrillenchefin Margit Korrodi auf, dass sie ja ununterbrochen reden bzw. korrigieren musste, weshalb sie ankündigte, dass wir nun mit weniger Kommandos auskommen müssen. Natürlich durften Kommentare wie: „Das hämmer aber au scho besser anne bracht“, trotzdem nicht fehlen ;-)

Am 21. Februar 2017 trat dann langsam die Problematik auf, was wir bzw., die Pferde für Outfits tragen wollen. Da nicht alle schwarze Reithosen besitzen, aber dafür weisse (unglaublich aber war) musste ich schlussendlich hoffen, dass mir meine weissen noch passen, denn mein letzter Turnierritt war doch auch schon wieder 3 Jahre her. Glücklicherweise tat sie das dann auch.

Ebenfalls an diesem Abend durften wir auch mal den Galoppteil sogar im Galopp reiten. Vorher war dies nämlich verboten, weil die Gefahr bestand, dass die Pferde noch aufmüpfiger werden, wenn wir dies ein paar Mal so geübt haben. Bei meinem Training mit der braven Gipsy war das natürlich etwas unverständlich für mich, aber das änderte sich in den letzten zwei Trainings vor dem grossen Auftritt, als sie krankheitshalber (Sehnenverletzung) auch ausfiel. Ich war regelrecht geschockt und wusste erstmals nicht weiter. Erstens denkt man immer, dass man vor so einer Diagnose verschont bleibt, schliesslich achtet man ja auf jedes Detail bzw. trifft vorbeugende Massnahmen und zweitens konnte Gipsy natürlich nicht so einfach bei der Quadrille ersetzt werden. Denn ein Angsthase wie ich es bin, setzt sich natürlich nicht einfach auf ein anders Pferd. Also mussten wir abwägen, ob dies vielleicht auch unserem Senior Special zugemutet werden kann… Nun schlussendlich musste man wohl doch eher fragen, ob ich mir dies zumuten möchte und ich versuchte Michel zu überreden, dass er meinen Ritt übernimmt.

 

Denn schon bei der ersten Figur zeigte er eine tolle Bockeinlage, weil wir genau an diesem Abend das erste Mal mit Musik probten und natürlich war der Herr Senior der einzige, den das auch interessierte. Bei der Hauptprobe mit ihm war mir dann auch wirklich sehr unwohl, aber ich hatte vorgesorgt… er musste als einziger im Winter eine Fliegenhaube anziehen und diesmal nicht nur weil ich es hübsch fand, sondern weil mir dies als Hörschutz diente. Denn bevor ich ihm die Fliegenmütze anzog, legte ich ihm noch pro Ohr eine Socke gefüllt mit Watte hinein.  

Für mich war es eine krasse Umstellung vom „Selbstläufer – Pferd“ aufs „sei auf alles gefasst- Pferd“. Fairerweise gegenüber ihm musste ich mich plötzlich auch aufs Reiten konzentrieren, denn bei Gipsy dachte ich jeweils „oh dort bei H müssen wir eine kleine Volte reiten“ und das tat sie dann auch ohne grosse Hilfestellung meinerseits. Aber bei Special musste ich natürlich genügend Zeit einplanen, dass er sie in seinem Tempo machen konnte und vor allem musste ich ihn frühzeitig darauf aufmerksam machen. Das neu erworbene Trauma mit der Musik, blieb trotz „Sedations Pflaster“ von LifeWave, welches ich diesmal mir anstatt dem Pferd anklebte, weshalb ich unterhalb der Lautsprecher wohl auch immer etwas verkrampfte.

 

Die Hauptprobe am 14. März forderte dann nochmals alle Nerven und wurde mit wenig Tränen, einigen Wutanfällen und ein geopfertes Geburtstagsfest untermauert, aber das gehörte sich natürlich für eine „gute“ Hauptprobe! ;D

Während den Trainings mit Special liess ich jeweils meine Uhr mit Pulsmesser laufen und die Werte befanden sich zwischen 55 – 151 Pulsschlägen pro Minute, wobei der Höchstwert natürlich an den Abend mit der Musiktestung ging. Beim Auftritt selber waren es übrigens „nur“ 138 Pulsschläge pro Minute (als Höchstwert).

Und dann kam am 18. März 2017 der grosse Tag. Bereits am frühen Nachmittag wurden die Quadrillenpferde geflochten und herausgeputzt. Ich konnte mich am Vormittag noch mit einer Helferschicht in der Festwirtschaft des Vereins ablenken, aber dann wurde es auch schon ernst. Special merkte sofort, dass wir etwas Spezielles vorhaben, er war aber dennoch einigermassen gelassen. Wenn es nämlich um etwas geht, dann ist er ein Siegertyp und strengt sich auch entsprechend an. Dennoch traute ich ihm noch nicht ganz und war sehr erleichtert, als es dann endlich los ging und er nicht schon bei den ersten Musiktakten „austickte“. Und so zogen wir es einfach durch. Alle waren streng konzentriert und es verlief auch alles sehr gut! Es war nur etwas schade, dass die Schlussfigur etwas gefährdet wurde, weil sich einige Pferde erschreckt haben, aber auch dies wurde von den Reitern gekonnt ausgeglichen.
Sodass es alles in Allem ein gelungener Ritt war!

An dieser Stelle möchte ich gleich noch Katja Stuppia für die tollen Bilder danken, welche es sich trotz des schrecklichen Wetters nicht nehmen liess, uns mit zahlreichen schönen Erinnerungsstücken zu beschenken.

Ein weiteres Highlight war die eigene Plaquette, welche alle Quadrillenmitglieder erhielten:

Trotz allen Strapazen war ich anschliessend speziell stolz, dass Special und ich dies gemeinsam gemeistert haben und so eine weitere schöne Erinnerung sammeln konnten. Trotzdem hoffe ich natürlich schwer, dass ich beim nächsten Auftritt im Herbst wieder auf Gipsy’s Unterstützung zählen darf. ;-)

Für mich ist Special natürlich immer der Schönste, aber herausgeputzt mit seinem ESKADRON – Outfit, sah er gar nicht mehr so fest nach 30 Jährigem „Senior“ aus :P

Und nun möchte ich euch natürlich nicht unseren Auftritt vorenthalten:

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