Problempferd oder Problemreiter?

Wie oft wird viel zu schnell von einem Problempferd gesprochen obwohl es gar keines ist. In den häufigsten Fällen sollte man vom Problemreiter sprechen und nicht vom Problempferd. Diese Erfahrung mache ich tagtäglich bei meiner Arbeit mit den Zwei- und Vierbeinern.

Bei den meisten Problempferden die zu mir kommen, stellt sich schnell heraus, dass nicht das Pferd sondern der Reiter ein Problem hat. Dieses wird und wollen die Reiter und Reiterinnen nicht wahrhaben und werden durch viele Trainer in ihrem Bestreben, dass sie ein Problempferd haben, noch unterstützt. Dabei muss man nur genau hinschauen und zwar hinter die Fassade des Reiters.

Die Reiter und Reiterinnen bauen unbewusste Blockaden auf, welche sie auf ihre Pferde übertragen. Wir haben ja auch schon einmal vom Spiegelbild gesprochen. Dies ist hier genau der Fall. Die Ursache des Problems kann aber auch dabei liegen, dass wenig bis gar keine Ahnung dahinter steckt oder falsche Ausbildung.

Ich habe oft Schüler und Pferde die an ihrem Tiefpunkt stehen. Nichts geht mehr, sie haben etliche Trainer und Methoden hinter sich und Keiner kann ihnen helfen. Sehr erschreckend ist auch die schlechte Grundausbildung von vielen Reitern und Pferden. Leider wird in der heutigen Zeit keinen grossen Wert mehr auf eine seriöse Grundausbildung von Reiter und Pferd gelegt. Damit fängt das Problem bereits an. Falsches oder kein Verständnis für das Lebewesen Pferd. Kein Körpergefühl und Einfühlungsvermögen, schlechter Sitz, falsche Hilfengebung etc. Wie soll denn da das Pferd noch wissen was es machen soll, wenn es der Reiter schon nicht weiss oder kann?

Zurück zum Problempferd, was es meiner Meinung nach nicht oder nur in den seltensten Fällen gibt. In meiner Laufbahn als Bereiterin bekam ich viele solcher angeblicher Problempferde in die Ausbildung oder besser zur Korrektur. Dabei waren Pferde dabei, bei denen war ich die letzte Station vor dem Schlachter. Heute läuft dieses eine besagte Pferd mit einer Juniorin in den R100/105 Prüfungen und hat diese auch durch die Lizenz getragen. Dabei habe ich diesem Pferd einfach Zeit, Zeit und noch einmal Zeit gegeben. Alles mit viel Ruhe, Gradlinig und Selbstverständlichkeit beigebracht. Die Pferde müssen durch die Ruhe und Gradlinigkeit Vertrauen fassen und sich an ihrem Reiter orientieren können. Ihr müsst als Reiter als erste immer die Rolle des Alfa Tier übernehmen. Wenn ihr die einmal inne habt, müsst ihr dieser Rolle aber auch gerecht werden. Das Pferd verlässt sich auf euch als Alfa Tier, vor allem in ungewohnten Situationen. Also lasst euer Pferd, dann, wenn es euch am meisten braucht, nicht im Stich. Sonst seid ihr plötzlich nicht mehr glaubhaft und werdet in Frage gestellt. Und da fangen bereits die Probleme an. Also wer wurde nun seiner Rolle nicht gerecht? Das Pferd oder der Reiter?

Genau dieser Fall trat bei einer Schülerin und ihrem Pferd an Hindernissen auf mit Unterbau. Sobald die zwei so einen Sprung anreiten sollten, wurde das Pferd aus seinem Rhythmus gebracht, dagegen gejagt, ein riesen Druck aufgebraut und die Reiterin vergass als ihre Hilfengebung. Was passierte? Ja genau, das Pferd stoppte. Daraufhin wurde die Reiterin wütend und übte noch mehr Druck auf ihr Pferd aus, was natürlich noch kontraproduktiver war.

Also übten wir zuerst den Rhythmus zu halten und die Geduld und den Mut zu haben auf den Absprung zu warten. Weiter habe ich der Reiterin versucht klar zu machen, dass sie jedes Mal vor einem Hindernis mit Unterbau ihr Pferd im Stich lässt. Sie nimmt die Rolle des Alfa Tieres vor diesen besagten Sprüngen nicht mehr wahr. Dazu kommt, dass sie dies noch verstärkt in dem sie alles bisherige über den Haufen wirft und sich plötzlich komplett anders Verhält. Da muss ja das Pferd der gleichen Meinung wie die Reiterin sein. Dieses Hindernis ist gefährlich. Dahinter sitzt vielleicht ein Raubtier? Dies sagt mir meine Reiterin ja mit ihrem Verhalten und lässt mich alleine.

Als die Reiterin dies verstanden hatte, dazu den Mut ihr Pferd immer im gleichen Rhythmus an die Sprünge zu führen und die Geduld auf den Absprung zu warten, seither reitet sie wieder jeden Parcours ohne Probleme. Dies bereits nach drei Reitstunden. Dabei habe ich gar nicht viel mehr gemacht, wie ihr etwas Verständnis für das Pferd beizubringen. Auf dieser Basis können wir nun Aufbauen. Das wichtigste aber ist, sie hat wieder eine riesen Freude an ihrem Pferd. Sie kann sich nun auch über kleine Fortschritte freuen und erwartet keine Wunder. Weiter hat sie gelernt auch das Positive zu sehen. Wir sind also auf einem guten Weg.

Weiter bekam ich vor etwas mehr als einem Jahr eine Stute in Beritt. Die neue Besitzerin dieses Pferdes kam zu mir und sagte, sie hätte sie als „scheiss Bock“ und nicht Springbar gekauft. Es hätte sie an einem Concours auch einmal böse überschlagen und seither gehe da nichts mehr. Ich habe die Stute mit viel Geduld von Grund auf wieder aufgebaut. Mit viel Vorwärts-Abwärts die Muskulatur wieder aufgebaut, mit Springgymnastik die Beweglichkeit geschult und ihr Zeit gegeben. Es zeigte sich schnell, das grosse Talent und die Freude der Stute beim Springen. Sie misstraute jedoch ihrem Reiter bei zu weiten Distanzen. Daher versuchte ich sie am Anfang schön in der Ruhe an die Sprünge zu führen und wenn Nötig auch eher etwas dicht an zu reiten. Sie zeigte bereits nach wenigen Wochen an unserem ersten CS ihr Können und wir klassierten uns in der R100/105 bereit zwei Mal.  Ich konnte durch die geduldige, ruhige Arbeit und der Zeit die ich ihr gegeben habe ihr Vertrauen gewinnen. Nun ist es an mir ihr Vertrauen nicht zu missbrauchen und meine Rolle als Alfa Tier wahrzunehmen. Dies klappt so gut, dass wir in zwei Wochen unsere erste Prüfung über R120 bestreiten werden. Also auch hier zeigt sich wieder, dass wohl nicht das Pferd nicht mehr Springen wollte, sondern der Reiter.

Sicher kann ein Problem auch medizinischer Natur sein. Daher ist immer wichtig zu wissen, dass das Pferd gesund ist und die Ausrüstung passt. Ist dies der Fall, fangt bei euch selber an zu suchen und nicht bei eurem Pferd. Denn euer Pferd zeigt euch nur euer Problem auf.

Ich empfehle euch bei solchen Problemen Trainer mit psychologischem Hintergrundwissen zu suchen.

Weiter kann ich euch alterativ empfehlen eure psychischen oder physischen Probleme und Blockaden z.B. mit Kinesiologie oder Craniosacraltherapie an zu gehen.

Ich persönlich gehe in die Kinesiologie wie auch in die Craniosacraltherapie. Dies hat mir bisher sehr geholfen meine unbewussten inneren Blockaden zu lösen. Mit der Craniosacraltherapie versuche ich meine unbewussten muskulären Blockaden zu lösen. Insgesamt habe ich durch diese Therapien beim Reiten grosse Fortschritte gemacht und habe mich und meinen Körper besser kennengelernt. Ich versuche Probleme bei mir zu Hinterfragen und nicht bei meinem Pferd. Dies klappt mit grossem Erfolg.

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