Problematik Freiberger Schlachtfohlen

Der Freiberger hat ein Imageproblem und dies kommt in den letzten Wochen und Tagen wieder sehr gut zum Vorschein. Es ist die Zeit, wo überall unzählige Fohlen diverser Rassen zum Verkauf ausgeschrieben sind. Die meisten Fohleninserate stossen auf Gefallen und lösen den Jö-Effekt aus. Eine Rasse bei uns in der Schweiz hat jedoch mit ihren Fohleninseraten einen ganz anderen Trend geweckt - der Freiberger. So wird auf Socialmediaplattformen wie Facebook unter den inserierten Fohlen hauptsächlich über den Schlachttermin oder den Kilogrammpreis gesprochen. Wir in der Schweiz sind nicht das einzige Land, das dieses Problem kennt. Bei unseren Nachbarländern sind es einfach zum Beispiel der Noriker und der Haflinger, welche etwa das ähnliche Problem haben.
Die Fohlen dieser Rassen werden oft bereits mit dem Wissen, dass sie bei Nichtverkauf geschlachtet werden, gezüchtet. Diesen Aspekt kann man nun von verschiedenen Standpunkten her betrachten. Zum einen gibt es viele Fleischesser in unserer Gesellschaft und darunter auch welche, die Pferdefleisch lieben. Und nein, das ist definitiv kein Verbrechen. Wenn der Pferdefleischkonsum halbwegs mit Schweizerfleisch abgedeckt werden kann, dann hat das ganz klar auch seine Vorteile. Denn sind wir mal ehrlich, im Gegensatz zu anderen Ländern können bei uns die meisten Fohlen tolle erste Monate erleben. Das Problem an der ganzen Geschichte ist nun jedoch, dass die Fohlen zum Verkauf ausgeschrieben werden. Oft geschieht dies nicht durch den Züchter oder wie sie oft auch genannt werden durch die Vermehrer selber, sondern durch irgendwelchen Leuten, die Mitleid haben mit diesen armen Geschöpfen, welche nun in die Wust wandern sollen. Oh ja und ich verstehe diese Leute sogar. Ich hätte ganz klar auch grosse Mühe mir das mit anzusehen und bin ganz klar froh, muss ich mich nicht damit auseinandersetzten. Und nun stellt sich der Eine oder der Andere die Frage, wo ist dann das Problem? Die Tiere werden vermittelt und finden tolle neue Besitzer und wenn nicht, dann tragen sie zur Deckung des Schweizer Fohlenfleischkonsum bei. Ganz so ist es jedoch nicht!

Das Problem liegt darin, dass Metzgfohlen zum Schlachtpreis ausgeschrieben werden. Die Tiere werden somit oft zu einem sehr billigen Preis inseriert. Der Verkauf von Pferden unter dem Wert ruiniert ganz klar den Markt. Somit hätten wir bereits das erste Problem. Schlachtfohlen sind billiger zu erwerben als mit Herzblut gezüchtete Tiere, die auch bei Nichtverkauf nicht in die Wurst wandern. Aufgrund des Preises und da die Leute Mitleid mit diesen jungen Vierbeiner haben, werden Schlachtfohlen in vielen Fällen sehr schnell verkauft. Auch Fohlen mit schlechter Punktierung finden in vielen Fällen, wenn intensiv im Internet geworben wird einen neuen Leckerlispender. Ohne jemandem etwas zu unterstellen, handelt es sich in den meisten Fällen um Mitleidskäufe. Der Kauf aus Mitleid bringt auch wieder unzählige Probleme mit sich. Viele Käufer die kurzentschlossen handeln, sind sich nicht bewusst, was es heisst ein Pferd im Unterhalt zu finanzieren. Oft stossen sie bereits nach kurzer Zeit an ihre finanziellen Grenzen. Denn auch ein günstiges Schlachtpferd ist im späteren Unterhalt nicht kostengünstiger als ein Pferd welches zu einem etwas höheren Preis erworben wird. Auch oft zu beobachten ist, dass es viele Mitleidskäufer keine Ahnung haben von Pferden. Sie sind vom schönen Bild im Internet, welches ein schnuckliges Fohlen zeigt und darunter steht „Bei Nichtverkauf Metzg“, so überwältigt, dass es sie in diesem Moment nicht mehr interessiert, ob und wie viel Pferdeerfahrung sind besitzen.

Den Trend Schlachtfohlen zu kaufen habe ich noch nie so stark mit verfolgt, wie in diesem Jahr. Auf den unterschiedlichen Facebook- Seiten waren unzählige Fribifohlen ausgeschrieben, fast bei jedem stand hintendran „dringend zu verkaufen“, „bei nicht Verkauf in die Wurst“, etc. Interessant zu beobachten war, dass diese Fohlen oft innert wenigen Tagen neue Besitzer gefunden hatten. Das ist ja alles schön und gut und auch in diesem Jahr haben wieder unzählige Menschen Fohlen vor der Schlachtung gerettet. Aber das Ganze hat auch eine ganz dunkle Schattenseite, die sich viel in ihrer Rettungseuphorie nicht bewusst sind. Züchter, die sich der Zucht mit viel Herzblut widmen, bleiben aufgrund dessen auf ihren Tieren sitzen. Denn diese werden ja so oder so aufgezogen und preislich sind spielen sie auch erst noch in einer höheren Liga. Das dies für die Zucht ein grosses Problem darstellt sind sich viele nicht bewusst. Weder Zuchtfortschritt noch das Zuchtinteressen, werden mit dem Kauf von Schlachtfohlen unterstütz oder gefördert. Diese Aspekte geraten sogar komplett in den Hintergrund. Für eine Zuchtgenossenschaft eigentlich ein grosses Desaster. Aber damit nicht genug. Nebst dem das die Käufer von Schlachtfohlen die „seriösen“ Züchter in den Schatten rücken, unterstützen sie indirekt die Produktion von Schlachtfohlen. Denn solang die Metzgfohlenzüchter Abnehmer finden, werden sie nicht mit ihrer Zuchtmasche aufhören und die Produktion geht weiter. Kurz gesagt, dass ganze Thema ist ein Teufelskreis.

Ich verstehe jeden der helfen will und verurteile niemanden. Ich bin mir bewusst, dass es ein zwiespältiges Thema ist. Jedoch möchte ich, dass sich all die Käufer von Schlachtfohlen bewusst sind, dass sie mit dieser Aktion nicht nur Gutes unterstützen, sondern Herzblutzüchtern das Leben schwer machen. Wichtig bei dem ganzen Thema rund um Metzfohlen finde ich, dass man sie nicht nur aus Mitleid kauft. Sieht man sein Herzenspferd und es ist ein Schlachtpferd, dann ist das überhaupt kein Verbrechen, wenn man sich dieses kauft. Denn aus einem Schlachtpferd kann genau wie aus jedem anderen Pferd ein wundervoller Kumpel für die Zukunft werden. In dem man jedoch jedes Jahr einfach Schlachtfohlen zusammen kauft, wirkt man der Problematik nicht positiv entgegen.

Es ist ein Text der wohl bei vielen auf Empörung stossen wird. Jedoch werde ich mit diesem Text auch viele aus der Seele sprechen. Ich möchte mit diesem Blog niemanden belehren, sondern zum Nachdenken anregen.

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