Phänomen: Pferde-Reaktion auf „Exoten“ wie Isländer

Als wir letztens darüber informiert worden sind, dass wir diese Woche das Thema Isländer genauer unter die Lupe nehmen, dachte ich mir zuerst, dass ich hier wohl keinen Beitrag dazu leisten kann.
Denn ich muss zugeben, abgesehen von ihrer zusätzlichen Gangart und dass man eins „aufs Dach“ kriegt, wenn man sie als Pony bezeichnet, weiss ich so gut wie nichts über diese Rasse.
Deshalb entstand meine Blog-Idee auch eher anhand der Reaktionen meiner Pferde. Ich mache mir nämlich oft währen dem Reiten, Gedanken über meine nächsten Blog-Themen und als ich mir die Frage stellte, was mich mit Isländern verbinden könnte, da kam mir als erstes in den Sinn: Bitte treffe ich keine beim Ausreiten an! Dabei fiel mir auf, wie unterschiedlich doch die Pferde auf solche Exoten reagieren. Einige von euch können jetzt bestimmt mit mir mitfühlen, weil sich auch deren Pferde schnell von anderen tierischen Bewohnern fürchten, während die anderen seelenruhig an der Eselfarm, oder an der wilden Rinderbande auf der Wiese, vorbei trotten können. Aber auch meine eigenen Erfahrungen gehen weit auseinander, von welchen ich gerne ein paar mit euch austauschen möchte.


Special und die Exoten
Die regelmässigen Leser wissen, dass Special nicht gerade der Mutigste ist und schon gar nicht der Bravste. Ich blicke noch nicht ganz durch, wann er mich nur veräppelt (weil ihm langweilig ist), oder wenn ihm dann tatsächlich etwas grosse Angst einflösst. Deshalb bin ich mittlerweile auch schon vor dem Kreuzen von tierischen Freunden total nervös, weil ich nicht einschätzen kann, ob er dieses Kleinpferd bereits als Pferd (ungefährlich, ausser es ist ein Schimmel), oder dann doch eher als Pony (sehr gefährlich) einteilt.

Sehr unheimlich findet er jedoch unbestritten die ISLÄNDER! Ich weiss nicht, ob es am doch eher haarigen Aussehen liegt, oder aber an ihrer speziellen Gangart. Da wir im Nachbarstall viele Isländer haben, bete ich vor jedem Ausritt, dass es heute kein Isländer-Drama gibt. ;-)

Er macht jedoch auch immer grosse Fortschritte, denn als sich Gipsy letztens für eine Kuschelstunde mit zwei Eseln entschieden hatte, geriet er erst nach drei Minuten in Panik und nicht bereits nach 30sec.

Auch gestern haben wir sogar zwei Haflinger (welche auf seiner Gefahren-Skala ebenfalls hoch eingeschätzt werden), ohne ein Theater - lediglich mit Giraffenhals und ich-verkriech-mich-in-Gipys-A**** Getue überstanden. Wir arbeiten also daran, doch dazu später mehr...


Gipsy und die Exoten
Wie auch in fast allen anderen Bereichen ist Gipsy hierbei die Einfachere. Sie ist stets offen für neue Bekanntschaften.
Auch als wir an einem Concours waren, in wessen Stall es ein Lama hatte, beäugte sie das Tier zwar genauer, aber wollte schlussendlich nicht mehr von ihm weg, weil sie es so spannend fand. Während meine Konkurrenten mit ihren wildgewordenen "Drachen" auf dem Parkplatz herum stürmten.

Bei einem Geschöpf wird jedoch auch Gipsy unberechenbar, nämlich wenn sie ein Fohlen sieht. Dann muss man sie mit aller Kraft zurückhalten, da sie sonst der Mutterstute das Fohlen "klauen" will. In diesem Jahr war dies zum Glück kein grosses Problem, da die Zuchtstute gleich wie das Fohlen, ebenfalls auf die Weide gebracht worden ist und wir somit in diesem Jahr, kein Fohlen im Stall hatten.


Lümmel und die Exoten
Ja der Bursche heisst wirklich Lümmel und dieser Name passte auch wie angegossen zu ihm. Er war der erste und wohl auch letzte Haflinger in meinem reiterlichen Leben, denn Sturheit in Pferd und noch sturere Reiter passen einfach nicht zusammen. ;-)

Dennoch finde ich sie wundervolle Geschöpfe und ich beneide alle Reiter, die diese wunderschönen, liebenswerten Sturköpfe motivieren und zu einem gemeinsamen Team heranwachsen können.

Lümmel war für mich ein guter Ausgleich zu Special beim Ausreiten, denn so schnell brachte ihn nichts aus der Ruhe. Ausser wenn er merkte, dass wir uns zu einem zweistündigen Ritt aufmachten, fand er es gar nicht witzig.
Weshalb wir uns immer wieder nach neuen (für ihn zumutbaren) Reitwegen umsahen. Einmal endete unsere Entdeckungstour leider bereits nach 20 min, da wir eine neue Abzweigung nahmen und dabei an der uns nicht bekannten Straussenfarm vorbei mussten. Das war das einzige Mal, als ich einen Pferdeherzschlag durch den Sattel gespürt hatte, weshalb ich dann auch absteigen musste, da Lümmel nur noch rückwärts ging, um die geflügelten Monster nicht aus den Augen zu lassen. Dies war wirklich sehr eindrücklich, denn der kleine Bursche hatte wirklich vor gar nichts Angst und wenn wir auch nur noch in die Nähe von diesem Weg kamen, wurde er bereits wieder zum nervösen Pony.
Aber auch eine andere eher witzige Erfahrung durfte ich mit ihm erleben. Meine Kollegin mit welcher ich angefangen habe zu reiten, ritt mehrere Jahre auf Isländern, da der Stall von Lümmel nicht weit entfernt war, verabredeten wir uns für einen Ausritt.
Ich dachte mir nämlich, dass eine nette Stute ihn vielleicht auch mal aus den Reserven locken würde… tat sie dann auch… im Schritt ging alles noch gut. Sie liebäugelten sogar miteinander, doch als wir dann Antraben wollten, fing meine Kollegin natürlich an zu tölten. Dies fand Lümmel dann gar nicht mehr witzig und rannte drauf los, dass mir die Tränen vom Wind hinunterliefen (was wie gesagt für ihn sehr untypisch war, da er höchstens für einen vom Baum fallenden Apfel einen Sprint hinlegte). Die Mission war also geglückt – trotzdem blieb dies mein letzter Ausritt in Begleitung eines Isländers ;-)
Beim Ausreiten kamen wir immer an zwei Ponys vorbei, welche Lümmel liebten und auch umgekehrt. Ich kam dort nicht vorbei, ohne dass eine Kuschelrunde stattgefunden hatte. Für diejenigen die mich kennen, wissen dass ich eine Schwäche für kleine Küken und Ferkel habe.
Deshalb war ich Lümmel immer sehr dankbar, dass er sich nicht vor den riesen Wollschweinen fürchteten, denn so konnte ich mir immer in Ruhe die jüngsten Ferkel begutachten. Egal wo sich dieser liebe Kerl jetzt befindet (noch auf der Weide oder schon im Pferdehimmel), hoffe ich, dass es ihm gut geht und er nun ihn Frieden ruhen kann! Auch wenn er mich manchmal in den Wahnsinn getrieben hat, weiss ich auch, dass dies seine Gründe hatte und die positiven Erlebnisse waren ja trotzdem immer überwiegender.


Abhärtung und Beeinflussung durch den Menschen 
Manchmal frage ich mich auch, wie fest sich das Pferd in solchen Kontakt-Situationen (mit Exoten), durch den Menschen beeinflussen lässt?
Bei Ferkeln oder anderen Tierbabys wie ein Zicklein, habe ich beispielsweise auch bei Special nie ein Problem, weil ihn meine Freude anscheinend so verdutzt, dass er es über sich ergehen lässt, kurz still zu stehen.
Bei den Isländern hingegen, denke ich schon „Oh, nein! Hoffentlich bleibt er brav!“ und dann merkt er natürlich meine Anspannung. Durch das Mentaltraining habe ich gelernt, mich von solchen Gedanken zu distanzieren – mal klappt es besser mal weniger ;-)

Bei unsren Veranstaltungen sehen wir immer wieder amüsante Szenen, wie die Dressurpferde Angst vor unseren Enten haben, oder früher auch von unserem Hängebauchschwein.

Deshalb finde ich es in der Prägungsphase der Pferde oder spätestens in der Ausbildung besonders wichtig, dass die Pferde mit möglichst unterschiedlichen Tierarten in Kontakt kommen.


Nun interessiert mich, was ihr für Erfahrungen mit anderen Tieren gemacht habt und vor welchen fürchten sie sich eure Pferde?


Zum Thema Isländer findet ihr hier übrigens ein interessantes Rassenportrait, welches bereits zu einem früheren Zeitpunkt von Lena gepostet worden ist.

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