Pferdige Monats-Favoriten #4

Wann immer ich keine Ahnung habe, worüber ich schreiben soll, beantworte ich die Facebook-Nachrichten meiner ukrainischen Oma, die mich mit so einer unglaublichen Beharrlichkeit über mein Leben ausfragt, dass mir danach immer ein paar Geschichten einfallen, die ich erzählen könnte. Heute möchte ich Euch - inspiriert durch den Chat mit meiner Oma - etwas über die Aufregung vor dem Turnierstart, Bandagen und meinen Sturz vor Publikum erzählen.

 

Aufregung vor dem Start

Im April standen für Cornet seine zwei ersten inoffiziellen Starts an: die Vereinsdressur und der Jungpferde-Ausbildungskurs an der OFFA in St. Gallen, der für mich auch ein bisschen als Start gezählt hat.

Wer meinen letzten Blogeintrag gelesen hat weiss, dass mich das auswärtige Reiten sehr aus dem Häuschen bringt. Eigentlich macht mich ja alles was ich tue auf seine eigene Art und Weise nervös, aber wenn es ums auswärtige Reiten geht, da habe ich wahrscheinlich unterbewusst das Gefühl auch stellvertretend für mein Pferd aufgeregt sein zu müssen und drehe gerne ein bisschen durch.

Vor einem Start kommen mir die dümmsten und abwegigsten Gedanken, schlimmer als vor ersten Dates. Gibt es wirklich ausserirdisches Leben im Raum-Zeit-Abschnitt, den wir bewohnen? Sehe ich in den unvorteilhaft weissen Turnierhosen nicht mega dick aus und wo steckt Walter? Gleichzeitig herrscht in meinem Inneren ein Salat der gemischten Gefühle, mir ist heiss aber eigentlich friere ich, oder doch nicht? Woher kommt sonst die Hühnerhaut und das Kribbeln in der Magengegend?

Diese absurd unsinnige Aufgeregtheit umtreibt mich vor jeden Start  - bis ich schliesslich in die eigentliche Prüfung einreiten kann. Dann gibt es nur noch mein Pferd und mich. Ich habe keine Ahnung wohin meine Nervosität sich dann verabschiedet, aber ab dem Zeitpunkt, in dem ich losreiten kann, fühle ich ungebremste Erleichterung. Dafür bin ich unendlich dankbar, solche Momente gehören für mich definitiv zu den Favoriten.

 

Bandagen

Bandagen sind und waren schon immer ein Etwas, womit ich mich nicht anfreunden konnte. Zugegeben, die Dinger sehen am Pferd sehr schick aus, aber bis man am Punkt angelangt ist, wo man schick aussieht, muss man sich erst durch einige mühevolle Tücken des Lebens schlagen: Die Bandage darf nämlich einerseits nicht zu fest angezogen sein, da man dem armen Pferd sonst die Blutzufuhr abbindet, andererseits auch nicht zu locker, weil sich das Band bei der schnellen Bewegung leicht lösen kann. Alle Verschlüsse haben von Innen nach Aussen zu zeigen und wehe dem, der nach dem Reiten die Bandage nicht korrekt aufgerollt hat. Jene arme Seelen, denen dieser Fehler passiert, haben beim nächsten Ritt dann die Überraschung: Ob richtig aufgewickelt worden ist, merkt man bei den Standartbandagen nämlich erst am Ende der Rolle.

An der OFFA musste ich Cornet bei jedem Ritt bandagieren und kann sagen, dass es kaum etwas gibt, was mich mehr negativ beflügelt, als eine in der Eile falsch aufgerollte Bandage, die ich dann erstmal wieder neu ab- und aufrollen musste. Für mich als Bandagen-Laie bedeutete das dann ganze zehn verlorene Minuten voller ungelenker Kreisbewegungen meiner sowieso schon vor Aufregung zitternder Hände.

Nicht zu vergessen haben die Bandagen entgegen dem Irrglauben vieler Reiter null Stützwirkung (ja, da gibt es Studien) und gegen Schläge schützen die paar Schichten Stoff auch nicht. Was bleibt da an Funktion noch übrig?

Für mich persönlich geht Praktikabilität in den meisten Fällen über schickes Aussehen, das habe ich nach meinen Kämpfen gegen die Bandagen anlässlich der OFFA wieder deutlich zu spüren bekommen. Deshalb oute ich mich als Gamaschen-Enthusiast: Uno, dos, tres, cuatro - Klettverschluss zu und los geht’s.

Nach meiner Rückkehr aus St. Gallen wurden die Bandagen ganz weit in den Untiefen meines Sattelschranks vergraben. Die Teufelsdinger sind für mich diesen Monat die klaren Anti-Favoriten.

 

Sturz vor Publikum

Ganz ohne Umschweife: Am ersten Tag der OFFA konnte ich mein liebes Pferd leider nicht durchgehend zwischen Hintern und Boden halten. Nach einem kleinen Steil haben sich unsere Wege getrennt – ich wollte links, Cornet brach in einem fiesen Haken nach rechts ab und ich segelte unspektakulär den Zuschauern vor die Füsse.

Es war mein erster Sturz vor versammeltem Publikum und ja, ich habe mich geschämt. Zuhause wäre ich wahrscheinlich noch ein bisschen liegen geblieben, um mich in Selbstmitleid zu baden und mir zum tausendsten Mal zu versprechen: in meinem nächsten Leben züchte und frisiere ich Hühner, statt zu reiten. Aber so eine unheldenhafte Haltung kann man in aller Öffentlichkeit kaum bringen und so rappelte ich mich auf, strich mir den Sand vom Hintern und kletterte wieder in den Sattel.

Für viele ist der Sturz vom Pferd auf Concours das ultimative Übel, der grösste Albtraum. Es gibt nichts, was mehr Schwäche zeigt und eine grössere Zielscheibe für Lästereien bietet als ein Sturz, der eigentlich immer ein Reiterfehler ist. Aber das ist das Risiko, das man eingeht, wenn man sich auf den Rücken eines Tieres schwingt, das sich ganz eigene Ideen ausdenken kann. Der Sturz an der OFFA war für mich eine wichtige Lektion, da ich gemerkt habe, dass mein äusseres Bein im wichtigen Moment verpennt hat einzuwirken. So schnell wird mir dieser Fehler nicht mehr passieren. Wieder was gelernt.

Und wenn ihr euch immer noch fragt, warum es der Sturz in einen Favoriten-Blog geschafft hat, möchte ich zum Abschluss gerne den seifigsten Spruch der Welt zitieren: Fallen ist keine Schande, solange man nicht liegen bleibt. Also gehet hin, fallet und lernet dazu!

(Bild: Cornet bei seiner ersten Begegnung mit einem Richtertisch.)

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