Pferdeverhalten von M-Z: Was will mir mein Pferd sagen?

Kurz vorab: den ersten Teil inkl. kurzer Einführung findet ihr hier.  

Auch das Markieren machen nicht nur unsere Hunde. Dies habe ich bei meinen Pferden bereits schon öfters beobachten können. Es ist ja eine Dominanz Demonstration bzw. Besitzergreifen eines Platzes / eines Herdenmitgliedes. Gipsy und Special üben beispielsweise auf ihrer gemeinsamen Weide ein (wie ich es nenne) Grenzkoten aus. Dabei markieren sie beim Weidezaun ihren Platz, damit dies die Weiden-Nachbaren auch klipp und klar verstehen.  

Ein ranghohes Pferd wird oftmals von den andren gemieden. Beim Meiden halten die anderen Herdenmitglieder immer einen bestimmten Abstand ein, um dem Herdenchef seine Unterwürfigkeit zu demonstrieren. Special würde am liebsten in Gipsy reinkriechen, wenn er könnte, dennoch akzeptiert er es, wenn Gipsy dann als (liebevoller Chef) dann doch auch mal ihren Freiraum braucht. 

Beim Naso-Nasal- Kontakt vom Pferd bewegt eines seine Nüstern zu denen eines andren und hält diese einige Sekunden dort zum gegenseitigen Beschnuppern. Dies ist die gängige Begrüssung oder auch das Paarungsvorspiel. 

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Als Ohrenspiel bezeichnet man den raschen Wechsel der Ohrenstellung. Die Ohröffnung kann dabei fast 180° von vorne, über seitlich, bis nach hinten gedreht werden. So orten die Pferde Geräusche. Anhand der Ohrstellung kann man auch die momentane Stimmung des Pferdes ablesen. Beim sogenannten Schmerzgesicht fällt das Ohrenspiel komplett weg.

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Bildquelle: Lexikon der Pferdesprache von Dr. Gerry M. Neugebauer &  Julia Karen Neugebauer

 

Pass ist eine Gangart, bei welcher wechselseitig beide Beine einer Seite zusammen und vorgeführt und abgesetzt werden. Dies zeigen jedoch nur wenige Gangpferde (unter dem Reiter gezeigte Gangart!) 

Das Quietschen ist ein Bestandteil der Lautäusserung, die durch Ausatmung als Kehlkopflaut in hoher Tonlage entsteht und in der Lautstärke variiert. Quietschen kommt in unterschiedlichen Verhaltenszusammenhänge vor, in denen es zu einer erhöhten sozialen Erregung bzw. Anspannung kommt (Imponieren, Kämpfen, Begrüssen usw.)  

Ein Pferd reagiert auf einen frontalen Angriff meistens mit Rückwärtsgehen. Oftmals folgt dies in Verbindung mit einem Hinterhandschlag oder Schlagdrohen (siehe weiter unten). Das Pferd geht auch nur so weit rückwärts, wie es unbedingt sein muss (z. B. um aus einer Sackgasse wieder herauszukommen). 

Beim Scharren hebt das Pferd ein Vorderbein, streckt dieses und zieht den Vorderrand des Hufes über den Boden, einen Gegenstand oder ein anderes Pferd. Pferde scharren für die Futtersuche im Schnee oder um an Wasser zu kommen. Hengste scharren auch oft in Kothaufen, bevor oder nachdem sie selber koten. Ausserdem scharren sie sich den perfekten Haufen vor dem Abliegen zusammen. Es kann ebenfalls ein Anzeichen einer Kolik, Ungeduld oder Nervosität sein. 

Ein Pferd richtet für ein Schlagdrohen seine Hinterhand gegen ein anderes. Dabei werden ein oder beide Hinterbeine angezogen und ohne Streckphase wieder abgestellt. Es setzt dabei die Drohmimik auf. Häufig wird dies zur Abwehr oder beim Spielen eingesetzt. 

Oft sieht man auch Pferde, welche ihren Schweif einklemmen. Dabei presst es den Schweif zwischen die Hinterbeine (wie der Hund seine Rute). Was dies bedeutet, sollte eigentlich jedem klar sein, jedoch wird es dennoch oft falsch gedeutet oder ignoriert. Es ist ein Anzeichen für Verspannung, Angst und Unterlegenheit. Aber auch im Gelände bei stürmischem Wind (von hinten) kann das Pferd dies als Schutz verwenden. 

Aber das Pferd kann natürlich auch den Schweif hochstellen. Dabei hebt das Pferd ihn mehr oder weniger an. Dies macht es in aufregenden Situationen (gar Flucht) im Spiel und wird oft mit dem  Blasen (prustendes Ausstossen von Luft durch die Nüstern) verbunden. 

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Bildquelle: Lexikon der Pferdesprache von Dr. Gerry M. Neugebauer &  Julia Karen Neugebauer

Zur Sicherung der Gegend / Situation hebt das Pferd den Kopf rasch, streckt den Hals, blickt umher, und übt ein starkes Ohrenspiel aus. Die Anzeichen sind ähnlich wie beim normalen Schauen, jedoch ist die Anspannung deutlich stärker. 

Das (meiner Meinung nach) schönste zum Beobachten ist die soziale Fellpflege, bei welcher sich die Pferde gegenseitig mit den Schneidezähnen das Fell beknabbern, zupfen oder schaben. Dies wirkt zudem beruhigend und ist ein Freundschaftsbeweis. 

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Der Tiefschlaf ist eine kurze Schlafphase (2 bis 13 Minuten) im Liegen, aber auch im Stehen, in welcher sich die Muskeln entspannen und erholen. 

Beim Unterlegenheitskauen wird der Unterkiefer ohne komplettes Schliessen des Maules auf- und zu bewegt. Zudem wird der Mundwinkel nach hinten gezogen. Dieses Unterlegenheitskauen zeigen vor allem Fohlen und junge Pferde als Reaktion auf Drohen oder Annäherung eines ranghöheren Pferdes als Beschwichtigungssignal. Bekannt ist, dass junge Hengste dieses Verhalten öfters zeigen als Stuten. 

Ranghohe Pferde verdrängen rangniedrigere Pferde mit oder ohne Drohmimik. Meistens passiert dies an engen Futter- oder Wasserstellen. 

Beim Wälzen legt sich das Pferd auf den Boden stösst sich mit den Beinen ab, schwingt die Beine und den Kopf hoch und reibt gerne auch den Mähnenkamm auf dem Boden. Die Pferde rollen über den Rücken von der einen Seite auf die andere (falls dies der Bauch & die Kraft zulassen ;-))  Danach wird kräftig geschüttelt. Dies ist ein Bestandteil des Komfortverhaltens und dient der Fellpflege, zum Trocknen oder zum Kratzen. (Auch ein mögliches Kolikanzeichen!) 

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Mit nur gering geöffnetem Maul erfassen die Schneidezähne beim Zwicken nur ein kleines Stück Haut, welches fast immer schnell wieder losgelassen wird. Im Gegensatz zum Beissen stellt das Zwicken keinen ernsthaften Versuch dar, den Partner zu verletzen oder gar zu schaden. 

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Bildquelle: Lexikon der Pferdesprache von Dr. Gerry M. Neugebauer &  Julia Karen Neugebauer

Persönliches Fazit: 

Die meisten dieser Bezeichnungen sind wie gesagt in der Natur beobachtet & definiert worden. Beim Reiten kann ein Kopfschlagen oder auch ein Scharren natürlich wieder eine ganz andere Bedeutung haben. Ziel eines jeden Reiters sollte sein, sein Pferd lesen und verstehen zu können. Sodass immer im Sinne des Pferdes gehandelt werden kann. Denn jedes Pferd hat andere Verhaltensmuster!

Film- & Buchtipps  

Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar lehrreiche, aber auch bewegende Film- bzw. Buchtipps mit auf den Weg geben. 

Cloud - Ein wilder Hengst in den Rocky Mountains.

Wer die Körpersprache anhand einer Dokumentation noch detaillierter anschauen möchte, kann das in dem Film über den Hengst Cloud.  Das Unterlegenheitskauen, jagen, wälzen u.v.m. kann man darin anhand der wilden Pferde verfolgen. 

Der Weg des Pferdes 

Ein schöner aber genauso schmerzhafter Film ist dieser Dokumentarfilm.  Als ich ihn das erste Mal sah, hat er mich richtig erschüttert und natürlich zum Nachdenken gebracht. Seit diesem Zeitpunkt versuche ich stetig an mir zu arbeiten, aber es musste sich danach auch einiges ändern, denn einiges konnte ich fortan nicht mehr akzeptieren.    

Lexikon der Pferdesprache 

Viele Bilder sind aus dem oben erwähnten Buch. Darin werden Ausdrucksverhalten der Pferde in lexikalischer Form, mit prägnanten Zeichnungen erläutert. Das Buch hilft, das Ausdrucksverhalten des Pferdes zu verstehen und zeigt, wie eine zwischenartliche Kommunikation von Mensch und Pferd möglich ist. Es ist die Grundlage für eine harmonische Mensch-Pferd-Beziehung, wobei Missverständnisse vermieden werden können. 

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