Pferdesport Schweiz, Amateur- oder Profisport?

Ist der Schweizer Pferdesport noch amateurtauglich oder bereits zu sehr professionalisiert?

Ob ihr an eine Dressur- oder Springprüfung geht, egal welche Stufe, es reiht sich Lastwagen an Lastwagen, Selbstfahrer, PW mit Anhänger, wobei ein Zugfahrzeug grösser wie das Andere ist. Grösser, besser, schneller! Auch bei den Pferden geht es so weiter. Wahnsinn, was in der heutigen Zeit an Pferdematerial auf den Turnierplätzen unterwegs ist. Auch hier sind die Stufen ausgenommen. Bereits in den kleinsten Prüfungen sind Pferde mit extremer Qualität zu sehen. Wo führt dies im Schweizer Pferdesport hin?

Auf den Startlisten sind immer wie mehr Berufsreiter, also absolute Profis zu sehen. Sei dies in den kleinen Prüfungen mit den jungen Pferden, bis in die ganz hohen Stufen. Dies zeigt sich auch auf den Ranglisten und den entsprechenden Resultaten. Im Springsport ist es bereits Standard, dass es bei vollen Feldern also (70 Reiter) 20-30 Nullrunden gibt. Also ist man mit einer schönen Nullrunde meistens nicht mehr klassiert. Ich persönlich finde dies sehr frustrierend. Besonders für die Amateurreiter, welche den ganzen Tag arbeiten um sich den Pferdsport überhaupt leisten zu können. Der Amateur verfügt über ein bis zwei Pferde und muss genau so viel Arbeit und Zeit ins Training investieren wie ein Profi. Am Turnier siegt jedoch die Routine und Erfahrung der Profireiter. Je nach Berufsreiter ist es normal, dass diese an einem Wochenende 4-8 Pferde, also mit Stechen fast 20 Parcours reiten. Dazu kommt, dass sie dies fast jedes Wochenende machen. Das gibt unheimliche Routine und Erfahrung, auch durch die vielen verschiedenen Pferde. Welcher Amateur kann dies schon? Ich glaube keiner.

Das Selbe ist bei den Dressurprüfungen zu beobachten. Viele Teilnehmer sind Berufsreiter und sind jedes Wochenende auf den Dressurvierecken der Schweiz an zu treffen. Daher zeigt sich, dass die Reiter, welche regelmässig am Start sind und sich den Richtern zeigen, dies auch eher honoriert bekommen, im Gegensatz zu den Amateurreitern die ab und zu zur Freude eine Dressurprüfung reiten. Ich weiss, dass ich mit dieser Aussage sicher bei den Dressurreitern in ein Fettnäpfchen trete. Dies ist jedoch meine Meinung und diese bestätigt sich regelmässig bei mir selber und bei meinen Schülern. Solche die sich nun seit Jahren Mühe geben regelmässig zu starten, schaffen es langsam aber sicher auf die vorderen Plätzen, egal wie gut oder schlecht das Programm wahr. Solche, die nur ab und zu zur Freude Starten, haben keine Chance, nur annähernd, einen guten Rang oder Kritik zu erhalten. Dies ist für viele sehr frustrierend und sie kehren dem Dressursport den Rücken. Oft hat es auch mit dem Pferdematerial zu tun, was bereits in den kleinen Prüfungen zu sehen ist. Da hat man mit den 0815 Amateurpferden kaum die Möglichkeit mit zu halten. Dies fördert auch nicht gerade den Nachwuchs für den Pferdesport. Denn es macht den Anschein, dass ohne Geld und gutes Pferdematerial, nicht viel zu machen ist.

Vielleicht ist es euch auch aufgefallen. Wir sprechen die ganze Zeit von, Pferdematerial, Profis, Geld, grösser, besser, schneller. Aber was zählt der Reiter oder besser das richtige Reiten. Eigentlich sollte das reiterliche Können im Vordergrund stehen und für die Leistungen verantwortlich sein. In der Schweiz wird dem Reitstiel und dem reiterlichen Können sehr wenig Beachtung geschenkt. Dies ist sehr schade.

Wo führt dies im Schweizer Pferdesport hin??

Unter den Reitern herrscht oft auch grosser Neid und Missgunst. Keiner mag dem Anderen etwas gönnen. Dies ist sehr traurig und ich hoffe, dass sich dies für die Zukunft wieder ändert und alle wieder mehr Freude an unserem schönen Sport haben. Denn wir alle teilen ja die Liebe zu den Pferden und dem Pferdesport. Warum nicht das nächste Mal über den eigenen Schatten springen und auch einmal Jemandem sagen, dass er eine tolle Runde oder Programm gezeigt hat? Oder dem Sieger die Hand schütteln und gratulieren?

Ich wünsche euch weiterhin vor allem einfach viel Freude an eurem nächsten Turnierstart.

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