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Pferdekauf, was steckt hinter den Inseraten

Bei uns gibt’s News! Es scheint, als ob wir im 2020 unseren kleinen Stall voll kriegen. Wir haben eine vierte, sehr nette und super sympathische Person gefunden, die jetzt ein neues Pferd kauft und dann bei uns einziehen wird.

Mit vier Pferden sind wir dann aber auch voll und belassen es so. Wir hätten in der Theorie mehr Platz, möchten das eigentlich aber gar nicht vollkommen ausschöpfen. Lieber ein harmonisches Team und eine ruhige Herde anstatt volle Ausnutzung vom Stall. Das Schöne an der Geschichte, ich darf wieder Verkaufspferde angucken. Zwar nicht für mich, aber macht genau so viel Spass.

Ich nehme euch gerne mit auf dieser Reise und starte das Kapitel heute mit den Verkaufsinseraten. Ich arbeite selber in einer Schnittstelle von Marketing und Verkauf und bin es mir gewohnt, alles in super schöne Worte zu packen. Heute möchte ich euch mal ein bisschen hinter die Worte schauen lassen. Lasst euch nicht blenden. Nehmen wir also ein paar Inserat Fetzen die ich soeben direkt aus Facebook gezogen habe.

Vorab aber noch schnell, wir suchen: 7-10  jährig, vorzugsweise Wallach mit sicher vier gut abrufbaren Gängen und guter Mechanik. Budget ist gut gelegt und das Islandpferd sollte dann auch Turniere gehen können. – Falls jemand etwas weiss, meldet euch doch bei mir!

Ich starte mit den Standartfloskeln. 

Verlade- und Schmiedefrom. Für mich ist das eigentlich der beste Satz überhaupt. Wer schon mal ein Pferd das schwer im Handling ist hatte, fühlt hier mit mir. Wenn das steht, bezieht sich das auf eine sehr akute Ist Situation. Nur weil ein Pferd mit mir problemlos in den Hänger steigt, steigt es mit den neuen Besitzern noch lange nicht problemlos ein. Lasst euch von diesem Satz am besten gar nicht gross beeinflussen. Wer einen guten Schmied hat, hat auch da keine Probleme. Wenn ein Pferd falsch beschlagen wird, kann es noch so als Schmiedefrom verkauft werden, dass ändert sich dann schlagartig.

Vom Kinderpony  zum Spitzensportler. Kennt ihr die Inserate, wo das Pferd eigentlich alles kann. Es deckt grosse Reiter ab, ist Gewichtsträger, kann aber einfach und total unkompliziert auch von Kinder geritten werden. Ist dazu aber gut im Temperament, kein Langweiler und hat einen guten Vorwärtsdrang. Es kann Dressur, Springen und wäre auch als Familienpferd geeignet. Oft sind die Pferde dazu noch eher jung. Für mich, als ziemliche Realistin, total unglaublich. Wie kann ein voll Sportler glücklich werden als Freizeitpartner? Ein Pferd, das auch schwere Reiter abdeckt, ist meist kräftig. Das gepaart mit Temperament und Vorwärtsdrang wäre für mich kein Kinderpferd.

Leere Versprechungen. Was mir vor allem bei Islandpferden oft auffällt, sind komplett irreführende Aussagen. Die Pferde werden erst mit 5 eingeritten und zeigen oft beim Einreiten nicht alle Gänge. Das ist bekannt und weiss auch jeder, ist auch kein Problem. Wenn ich dann aber Inserate lese, steht da zum Beispiel: 5jähriger, kennt das Jungpferde ABC und zeigt alle Grundgangarten und Tölt im Übergang. Das würde ja alles noch gehen. Dazu kommt aber, dass dann steht, viel Potenzial im Sportbereich. Wie kann ein Pferd, dass noch nicht alle Gänge zeigt, bereits in Sportkategorien eingeteilt werden? Auch wenn die Abstammung top ist, zeigt es ja nur drei Gänge und ist somit für Gangprüfungen nicht tauglich. Was noch kommt, ist wie ein Blick in die Kugel der Wahrsagerin.

Gute Pferde zu sehr günstigem Preis. Was ich auch immer wieder sehe, ganz gute Pferde die zu sehr günstigen Preisen abgegeben werden. Das kann nicht sein. Gute, erfolgreiche Pferde vor allem im Turniersport werden nicht einfach so günstig abgegeben. Keiner gibt sein Pferd einfach grundlos zu einem tiefen Preis ab. Das Kleingedruckte ist also wirklich Match entscheidend. Gestern las ich ein Inserat. 7 Jähriger mit hohen Sportprüfungserfahrungen, mit einem super schicken Turnierbild und einem unglaublich tiefen Preis. Bei genauerem Fragen wurde klar, das Pferd ist absolut nicht handelbar vom Boden aus, beisst, schlägt und nicht in die Herde integrierbar.

Gute Pferde mit solider Ausbildung kosten Geld! Bei der Suche nach einem Pferd solltet ihr euch dessen wirklich bewusst sein. Es muss nicht jeder 30 000.- Franken für ein Pferd ausgeben aber jeder sollte wissen, dass Pferdegesundheit und Training viel Wert hat. Wenn ein Pferd für 3000.- ausgeschrieben wird, riecht es für mich nach versteckten Verletzungen, irgendwelchen Ticks oder sonstigem was einem verheimlicht wird.

Ich möchte hier keine Hetzparade gegen Verkäufer starten, ich versuche euch nur, daran zu erinnern, dass es eben doch Verkäufer sind. Jeder Verkäufer kalkuliert seinen Preis. Pferde die schnell weg müssen, gehen auch günstig weg. Wenn ein Pferd aber potenzial hat, gibt es selten einen Grund es schnell loszuwerden.

Interpretiert die Inserate nicht bis ins Detail, meist reicht ein Anruf beim Verkäufer, um zu sehen, ob es passen könnte. Die Eierlegendewollmilchsau ist eine Illusion von uns Käufer. In meinem nächsten Blog möchte ich euch dann die andere Seite aufzeigen. Wie findet ihr zwischen all den Angeboten das, was ihr wirklich sucht. Und wie könnt ihr zwischen all den schönen Pferden den Überblick behalten.

Ich freue mich sehr, dass wir die Erfahrung in der Gruppe machen können und das unser Neuling auch von uns profitieren kann. Wir haben unsere Pferde alle ohne Hilfe ausgesucht und mussten die Lehrpflaster selber abreisen, diese Erfahrungen teilen wir gerne, mit ihr und auch mit euch.

 

 

Ich wünsche euch viel Spass beim Durchlesen der Inserate und versucht einmal, die Vogelperspektive und die Frage dazu, kann das wirklich sein?

In Liebe,

 

Xenia mit Aeringi

 

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