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Pferdekauf – und was willst du?

In meinem letzten Beitrag habe ich darüber erzählt, wie man die Inserate genauer anschauen sollte. Lasst euch von den vielen guten Eigenschaften nicht nur blenden. Seit aber auf der anderen Seite auch ehrlich zu euch selber.

Grundvoraussetzung:

In erster Linie ist es wichtig, sich ein klares Budget zu machen. Kommt Sattel und Zaum noch dazu, kann man schnell nochmals 4 000.- dazu rechnen. Ein Ankaufsuntersuch kann auch gut 1000.- kosten wenn man noch röntgen muss und einige Tests dazu will. Somit rechne am besten um die CHF 5 000.- für Equipment und Ankaufsuntersuchung dazu. Wenn dein Pferd aus dem Ausland kommt, folgen noch Import und Transportkosten. Da sind die Preise extrem individuell.

Wenn das Budget passt, kommt die Pferdehaltung dazu. Steht dein Pferd in einer Herde oder in einer Einzel Box? Wenn es in eine Herde kommt, kann es sein, dass zum Beispiel der Kauf von einem Hengst nicht in Frage kommt.

 

Als zweiter Ansatz muss natürlich die Sportart beziehungsweise das Einsatzgebiet bestimmt werden. Wird dein Pferd ein reines Freizeitpferd? Oder hast du Turnierambitionen.  Ich finde diese Frage ist echt ganz schön wichtig. Gerade für die Mittelsparte ambitionierte Freizeitreiter, die auch ab und an mal an ein Turnier gehen möchten. Hier stellt sich für mich ganz klar die Frage, wo lege ich mehr Gewicht drauf. Ist es mir wichtig, dass das Pferd im Gelände geht? Oder möchte ich ein Talent das überall begabt ist? Was bringt ein solches Talent mit sich?

Ich spreche das mal offen an. Einer, der alles eigentlich ganz gut kann, kommt einerseits aus einer guten Familie und wurde andererseits ziemlich gut erzogen. Will heissen, die Ausbildung war top. Ein grandios ausgebildetes Pferd bringt aber auch seine Tücken mit sich. Denn, nur weil es gut ausgebildet wurde, heisst das noch lange das ich oder du es auch so reiten können. Wenn es mehrmals wöchentlich von einem Top Bereiter geritten wird und ich mittelmässige Freizeitreiterin mir das Pferd kaufe, kann ich nicht erwarten, dass es keinen Leistungseinbruch gibt! Um dieses Niveau zu halten, muss ich viel trainieren. An mir und an mir und dem Pferd. Bis dir auch dessen beim Pferdekauf bewusst.

Dasselbe gilt für sehr junge, unausgebildete Pferde. Hier kaufst du zwar nicht die Katze im Sack, musst dir aber durchaus bewusst sein, wie viel Arbeit in der Ausbildung steckt.

Sehr preiswerte Pferde, die vielleicht besser ins Budget passen, haben zu 95% auch einen Hacken. Niemand verkauft sein Pferd freiwillig einfach so günstig. Auch wenn der Platz grandios ist und alles passt, kostet ein gut ausgebildetes, talentiertes Pferd ziemlich viel Geld.

Für mich ist es bei Freizeitpferden ähnlich wie bei Familienhunden. Sie haben mit Abstand die schwerste Aufgabe überhaupt. Sie müssen eigentlich alles können und auch bei allem mitmachen. Hier sind also sehr nervenstarke Pferde gefragt. Man kann einem Pferd aber auch lernen, nervenstark zu sein.

Beim Probereiten.

Für mich ist das Probereiten ziemlich matchentscheiden. Das erste Gefühl wenn man drauf sitzt, ist das eine. Es gibt die Fälle, wie bei uns, dass es gleich klick macht. Ich wusste vor dem ersten Schritt, dass Aeringi mein Pferd fürs Leben ist. Das Reiten danach war komplett nebensächlich. Er fühlte sich an, wie mein Zuhause. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass das nicht bei jedem so ring geht und es bei manchen Paaren auch ein wenig Zeit braucht.

Wichtig finde ich, dass man das neue Pferd nicht nur auf dem Platz probiert. Und auch nicht nur einmal. Reite dein potenzielles neues Pferd möglichst an vielen verschiedenen Orten. Platz, Bahn, Gelände. Vielleicht kannst du auch noch longieren. Oder einfach mal nur spazieren. Wenn ihr die Möglichkeit nicht habt und euch nicht sicher seit, lasst es. Lasst euch auf keinem Fall zu einem Kauf drängen. Ein Pferd kostet viel Geld, ist lange bei euch und es ist wichtig, von Anfang an zu 100% dahinter stehen zu können.

Bei uns in der Islandszene ist das normal. Man kann die Pferde einige Male probereiten. Es ist wichtig, sich in die Gänge ein zudenken. Oft funktioniert beim ersten Mal nicht jeder Gang und es braucht zwei drei Anläufe bis die Pferde zeigen können, was in ihnen steckt. Allgemein finde ich die Auswahl bei Isländer extrem schwer. Da die Gangvariation so unterschiedlich ist, kann man fast nicht zwei Pferde miteinander vergleichen. Jeder ist komplett anders zu reiten als der andere und das meine ich wirklich so.  Klar gibt es einige Basics die meistens funktionieren, im Detail aber funktioniert tölt sehr eigen und auch der Trab ist sehr unterschiedlich zu bedienen. Ich wollte ein Pferd mit viel Tölt, das kann man wirklich so sagen. Dann hat das Pferd oft viel tölt und weniger trab. Von den normalen Warmblüter ist man sich das gar nicht gewohnt.

Klassischerweise suchen wir Pferde mit viel tölt, auf vier oder fünf Gänge verteilt. Vier Gänger sind aber komplett anders unter dem Sattel als fünf Gänger. Und die Fünf Gänger, da gibt es mit viel Pass, wenig Pass, keinem Pass der geritten ist. Auch wenn der Pass nicht geritten wird, fühlt sich das Pferd nicht nach nur vier Gängen an.  Oft haben Pferde mit viel Pass weniger Galopp und so kann man das bis ins unendliche ziehen. Das macht die Suche nach einem Pferd in meinen Augen noch viel schwerer. Die „normalen“ Punkt die jeder Pferdebesitzer bedenken muss, kommen ja noch oben drauf. Trotzdem würde ich nie mehr auf die Gangvielfalt verzichten wollen!

Für eure Reise beim Pferdekauf wünsche ich euch einen kühlen Kopf, viel Verhandlungsgeschick und das Glück, dass ihr euren Partner gleich auf den ersten Sitz erkennen könnt.

Hiermit beende ich meine Pferdekaufserie und starte mit einem neuen Kapitel.

Ich freue mich sehr auf viele weitere Berichte und wünsche euch allen ein gutes neues Jahr!

Xenia mit ihrem Lieblings Aeringi

Tags: Xenia Heiden
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