Pferdefütterung: Silage und Haylage als Pferdefutter

Ob sich Silage und Haylage als Pferdefutter eignen, wird in der Pferdewelt sehr kontrovers diskutiert. Manche Pferdebesitzer lassen dieses Futtermittel unter keinen Umständen in die Nähe ihrer Pferde, für sie gehören Silo und Heulage aus der Pferdefütterung verbannt.  Für andere Pferde steht Gras- Silage und Haylage auf dem täglichen Fütterungsplan und ihre Besitzer schwören auf dieses Futtermittel für ihre Vierbeiner. 


Heu ist in der Pferdefütterung noch immer unangefochten, dass beliebteste und am meisten eingesetzte Raufutter. Jedoch ist die Produktion von gutem Heu bei uns nicht ganz einfach. Damit qualitativ hochwertige Ware produziert werden kann, braucht es mindestens drei bis vier niederschlagsfreie, sonnige und warme Tage. Durch die bei uns meist schwankenden Wetterverhältnisse während der Ernte, kann es bei der Heuproduktion zu hohen Nährstoffverlusten und einer schlechten mikrobiologischen Qualität kommen. Haylage ist diesbezüglich viel weniger anfällig auf die Schwankungen. Denn Heulage kann bei guten Wetterbedingungen bereits nach zwei Tagen gepresst und gewickelt werden. Ebenfalls können die Siloballen im Freien gelagert werden und sind dadurch weniger anspruchsvoll in der Lagerung. 


Für die Raufutterproduktion von Pferden eignet sich der erste Schnitt am Besten. Bevorzug wird zur Verwendung eine Gräsermischung oder eine Naturwiese, da diese in der Regel weniger energiereiches Futter liefern als reine Raigrasbestände. Die Verfütterung von Haylage aus reinen Raigräserbeständen eignet sich für Pferde aufgrund der hohen Nährstoffgehalte nur bedingt. Zu wissen gilt, dass sich Haylage, sowie früh geschnittenes Heu für Pferde nicht für die ad libitum Fütterung eignet. Studien haben gezeigt, dass bei dieser Fütterungsart Pferde je nach Rasse und Haltungssystem unter Umständen mehr Futter aufnehmen als es ihrem Bedarf entspricht. 


Grassilage hat aufgrund ihres erhöhten Wassergehalts proportional weniger Nährstoffe als Heu. Wird also Haylage gefüttert muss rund 1.5 Mal mehr gefüttert werden, damit die Pferde gleich viele Nährstoffe aufnehmen können, wie wenn sie Heu fressen würden. Der Vorteil der Haylagefütterung liegt für Pferde in der geringeren Staubbelastung und für Stallbetreiber in der gebäudeunabhängigen Lagerung. Ebenfalls wurden bei  einer Studie der Agrarforschung Schweiz tiefere Fruktangehalte, sowie eine bessere mikrobiologische Qualität bei Heulage als bei Heu nachgewiesen, was als sehr vorteilhaft für die Pferde bewertet wird. 


Durch das Pressen und Einwickeln wird dem angetrockneten Gras Luft entzogen. Die anaerob lebenden Milchsäurebakterien werden dadurch aktiv. Sie vergären bei genügender Feuchtigkeit den im Gras enthaltenen Zucker in Milchsäure. Durch diesen Prozess senkt sich der pH- Wert des Futters und es entsteht ein saures Milieu, welches das Futter lagerfähig macht. Dieser Prozess ist erwünscht, da Milchsäure ein hochwertiger Nährstoff ist und den Vorteil hat, dass gleichzeitig die übrigen Nährstoffe wie Rohfaser und Rohprotein kaum abgebaut werden.
Nebst den erwünschten Milchsäurebakterien enthält jedes Futter auch eine Reihe unerwünschter Mikroorganismen. Sie alle haben unterschiedliche Lebensansprüche. Erwünscht sind jedoch bei der Haylageproduktion nur die Milchsäurebakterien, welche dem Futter einen leicht säuerlichen Duft verleihen. Hat das Futtermittel einen muffigen Geruch sind meist Schimmelpilze im Spiel. Bei einer starken Vermehrung der Hefepilze erwärmt sich das Heulage und die Nährstoffe werden abgebaut. Diese Fehlgärungen können beim Pferd zu Kotwasser, Koliken, Durchfall oder Lungenproblemen führen.

Heulage ist bei einwandfreier Qualität uns sachgerechter Lagerung eine gute Alternative zu Heu. Nach dem Öffnen der Siloballe sollte das Futter ausgeschüttelt und möglichst schnell verfüttert werden. Wichtig ist, dass Pferdehalter den Nährstoffgehalt ihrer Heulage, sowie auch ihres Heus kennen, um eine Nährstoffüberversorgung der Pferde zu verhindern und der Verfettung vorzubeugen.  Besonders bei Heustauballergikern ist Haylage kaum mehr wegzudenken. Damit gute Heulage- Qualität verfüttert werden kann, muss auf die idealen Lagerbedingungen, Trockensubstanzgehalt und die Lagerzeit nach dem Öffnen geachtet werden.


Was ist der Unterschied von Silage und Haylage? Früher wurde alles silierte Futter Silage genannt. Später hat man begonnen, eine trockenere Silage, das heisst ab einem Trockensubstanzgehalt von über 50%, von Haylage zu sprechen. Ebenfalls wird Haylage als Heulage oder Gärheu bezeichnet.  Das in Silagen gelegentlich als problematisch beurteilte Histamin kommt in guter Heulage praktisch nicht vor.

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