Pferde richtig anbinden

Ein Pferd ist ein Fluchttier – wird dieses jedoch falsch angebunden und erschrickt, kann dies richtig gefährlich werden. Verletzungen am Genick und Knochenbrüche drohen. Spezielle Clips und Ringe sollen Unfälle mit Pferden verhindern. Wie funktionieren sie?Ein kleiner Ruck, schon hat sich Ihr Pferd selbst befreit. Was können Sie dagegen tun? Vor manchen Pferden ist kein Knoten sicher. Sie knabbern und ziehen so lange am Strick, bis er aufgeht. Der Wallach Browny etwa löst Sicherheitsknoten in wenigen Sekunden. Bislang hilft bei ihm nur, den Strick am Ende durch die Schlaufe zu ziehen. Dann ist es aber kein Knoten mehr, den man mit einem Handgriff löst.Wie gewöhnt man Pferden den Knotentrick oder lästiges Knabbern am Strick ab? Zu unterscheiden gilt: Knabbert das Pferd aus Langeweile am Strick oder hat es eine Übersprungshandlung aufgrund von Stress. Bei Langeweile sollte man dem Pferd auf keinen Fall Aufmerksamkeit schenken: ignorieren Sie das Verhalten und putzen in aller Ruhe weiter.Mit der Zeit wird das Pferd dieses Verhalten ablegen. Ob es Aufmerksamkeit will oder gestresst ist, findet man mit einem Trick heraus: Setzen Sie sich in die Nähe Ihres Pferds. Knabbert es am Strick, werfen Sie ihm einen Schwamm zu. Sie dürfen aber keinesfalls das Maul treffen. Das Pferd erschrickt und hört auf zu knabbern. Unter Stress würde es sofort weitermachen. Langweilt es sich nur, tritt recht schnell ein Lerneffekt ein. Denn das Werfen von Schwämmen wertet das Pferd nicht als Aufmerksamkeit.Moderne Anbindesysteme sollen Pferde daher nicht um jeden Preis am Platz halten, sondern sich bei Bedarf schnell lösen. Ein cleveres Anbindesystem ist „The safe clip“ von Smart Tie Products. Es wurde in den USA entwickelt und gewann 2009 auf der Spoga-Messe in Köln den Innovationspreis. (Bild)

Das System besteht aus einem Haken mit Öse, durch die ein drei Meter langes Seil geschlungen wird. Das gibt unter Zug und je nach Einstellung kontinuierlich nach. So spürt das Pferd keinen plötzlichen Druck im Genick. Empfohlen wird das Ende des Seils nicht zu verknoten. Sonst bekommt das Pferd doch noch Druck aufs Genick. Der Strick ist mit drei Metern lang genug. Bis er durch den Haken rutscht, hat sich das Pferd wieder beruhigt. Welche Kraft nötig ist, um das Seil zum Nachgeben zu bewegen, zeigt der Zugtest.Der Clou am Clip ist die unterschiedliche Befestigung des Stricks. Hauptteil ist ein großer, aber leichter Haken, durch dessen Öse das 15 Millimeter dicke Seil aus Polypropylen gezogen wird. Es gibt drei Einstellmöglichkeiten: Läuft der Strick über der Führungsschiene, gibt er bereits auf leichten Zug nach. Legen Sie den Strick in die Führungsschiene, können Sie mit einer Schraube den Strick mehr oder weniger stark einklemmen und somit den Zug individuell variieren. Dieses Anbindesystem können Sie überall benutzen. Sie hängen den Haken einfach in einen Anbindering. Ist nichts Passendes vorhanden, bietet der Hersteller eine Rundschnur mit Metallring an, die Sie zum Beispiel um schmale Streben schlingen.Geschlossen bleiben dagegen bei Panik die meisten Panikhaken. Eher geht das Halfter kaputt, als dass sich der Verschluss des Stricks löst. Oder der Haken bricht, und die Einzelteile werden zu Geschossen, die womöglich den Reiter verletzen. Versuchen Sie im Zweifel lieber nicht, den Panikhaken zu öffnen. Sonst sind die Finger in Gefahr.

Was aber tun, wenn sich das Pferd gar nicht anbinden lässt?Dieses Problem birgt mehr Risiken, als sich so manch ein Pferdebesitzer ausmalt, und ist durchaus ernst zu nehmen. Das Pferd kann sich beim Zurückziehen überschlagen und verletzen oder durch freies Umherlaufen Dritte gefährden. Pferde, bei denen das Problem besonders stark ausgeprägt ist, sollten daher von Profis korrigiert werden.

Um einem Pferd beizubringen, dass es durch Ziehen nicht loskommt, achte ich beim Anbinden auf folgende Kriterien:• das Pferd trägt ein solides Halfter;• es wird mit einem festen Strick mit Karabinerhaken oder Bull Snap angebunden;• zusätzlich zum Halfter kann es einen Halsriemen tragen, dessen Strick durch den Anbindering des Halfters zum Putzbalken führt. Durch diese Methode erhält das Pferd beim Rückwärtsziehen den Druck nicht nur auf das Genick, sondern auch etwas weiter hinten;• das Pferd wird niemals an losen Gegenständen wie einer Gartenbank angebunden, sondern immer nur an absolut festen Gegenständen, die dem tonnenschweren Druck eines zurückziehenden Pferdes standhalten können. Eine dünne Zaunlatte eignet sich nicht zum Anbinden.Jedes Pferd reagiert bei diesem Problem unterschiedlich. Jungpferde, die noch an der Herde „kleben”, werden häufig nervös, wenn sie zu lange allein angebunden sind, und fangen an, hin und her zu laufen. Auch Anbinden zur Fütterungszeit kann die Nervosität bei unsicheren Kandidaten steigern. Meiden Sie solche Situationen, und binden Sie ein nervöses Tier zunächst in der Nähe eines Weidekumpels an.

Hat ein Pferd Angst am Abspritzbalken, tritt es immer wieder langsam rückwärts, ist mit einer Zwischenlösung geholfen, die aber nicht zum Dauerzustand werden sollte:• Wickeln Sie den Führstrick zwei Mal um den Putzbalken und halten Sie das Ende, während Sie putzen, in der Hand.• Tritt das Pferd nun nach hinten, und spürt es den Druck des Halfters im Genick, können Sie den Strick ein wenig in Richtung Pferd nachgeben.• Bauen Sie mit Gefühl ein wenig Druck auf, bis das Pferd wieder einen Schritt nach vorne kommt.Einen ähnlichen Effekt hat der Gummistrick, den man in Fachgeschäften erwerben kann. Er gibt ein wenig nach, wenn das Pferd zieht, so dass der Druck im Genick nicht so hart und plötzlich erscheint. Dennoch reißt er nicht, das Pferd kommt durch Ziehen nicht frei und muss sich mit der Situation abfinden

Ganz egal welche Variante schlussendlich ausgewählt und angewendet wird, wichtig ist auf alle Fälle sich immer vor Augen zu halten, dass das Pferd ein Fluchttier ist und ein gutes Einfühlungsvermögen der Grundstein für eine tolle Partnerschaft ist.

 

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