Pferde, der erste Weidegang und seine Risiken

Der Frühling schleicht sich langsam an und die Weidezeit ist nicht mehr weit entfernt. Spätestens im Mai dürfen die Pferde wieder ins saftig grüne Gras raus und die warmen Sonnenstrahlen geniessen.

Doch die ersten Tage auf der Weide sind nicht so idyllisch wie sie auf den ersten Moment erscheinen. Unsere Vierbeiner sind oft übermütig und nach den vielen kalten Tagen des Winters im Stall, wollen die Pferde auf die Weide, um ihre Energie loszuwerden. Uns Menschen geht es kein bisschen anders. Sobald die Sonne kommt, gehen auch wir vermehrt an die Sonne und unsere Lieblinge möchten dies auch gerne tun. Ich kann die Tiere bestens verstehen, aber diese ausgelassene Fröhlichkeit birgt einige Gefahren wie Verletzungen oder Krankheiten, beispielsweise Hufrehe. Schrammen sind das kleinste Übel in der Weidesaison. Meist entstehen Verletzungen dadurch, dass sich die Pferde auf den Wiesen gegenseitig aufheizen und Wettrennen veranstalten oder der Weidenachbar mit überzeugt Bocksprüngen und schon tut es das Pferdchen seinem Nachbar nach. 

Ein guter und doch einfacher Tipp ist, dass die Tiere einzeln auf der Weide stehen und für sich alleine sind. An sich ein guter Rat, da die Vierbeiner zu Beginn ohnehin nicht länger als eine halbe bis eine ganze Stunde auf der Koppel verbringen sollten. Die Pferde müssen sich an diese neue Situation zuerst einmal gewöhnen, da die Temperatur wie auch das Futter einen Unterschied aufweisen im Gegensatz zum Stall. Am besten nimmt der Reiter sein Pferd an Halfter und Strick und lässt das Tier an einer Wiese ein paar Bisse Gras essen. Auf diese Weise kann sich das Tier an die Futterumstellung gewöhnen und es treten keine Krankheiten auf. Die Futterumstellung kann allenfalls durch Zusatzmittel unterstützt und optimiert werden, damit der Darmtrakt in Schuss bleibt und keine Hufrehe oder Koliken entstehen.

Nicht jedes Pferd braucht gleich viel Weide pro Tag. Zuchtstuten und junge Tiere können den ganzen Tag auf der Weide verbringen und das von Frühling bis Herbst hindurch. Pferde die den Tag durch zur Bewegung kommen, sei es durch reiten oder fahren, brauchen nicht auf der Weide von morgens bis abends zu stehen. Aber auch hier gibt es keine genaue Faustregel wie viel die Sportpferde maximal pro Tag auf der Koppel verbringen sollten. Jeder Besitzer weiss am besten wie viel sein Liebling täglichen Freilauf benötigt und verträgt. Es gibt sicher ausdauernde Pferde, die über sechs Stunden auf der Weide verbringen können und danach noch immer voller Energie in der Halle laufen.

Aber Koppelpferde neigen auch zu Weidebäuchen, welche nicht optimal sind, wenn das Tier im Sport läuft. Hier liegt ein wenig die Gefahr, die durch kürzere Weidezeiten vermieden wird. Nicht jedes Pferd nimmt gleich schnell zu und es gibt sicher auch Ausnahmen unter den Sportpferden.

Die Weide ist aber nicht nur ein Ort, um sich auszutoben und das Gras abzureissen. Der tägliche, sofern vom Wetter her möglich, Weidegang kann für das Pferd auch ein Ort der Entspannung und arttypischen Bewegung wie auch ein Flecken für soziale Kontakte sein. 

Gruppenhaltung ist auch auf den Weiden möglich. Bei Freizeitreitern ist der Gruppenauslauf sehr gefragt und in meinem alten Reitstall lassen sie die Pferde immer alle miteinander auf eine grosse Wiese. Im Grunde kann jedes Pferd an die Gruppenhaltung gewöhnt werden. Ausserdem kann gesagt werden, dass die Integration in einen Bestand umso einfacher ist, je mehr Fläche die Koppel hat. So können Engpässe und Reibereien gemieden werden, d.h. die Pferde können sich gegenseitig ohne weiteres aus dem Weg gehen.

Neben der Weitläufigkeit des Geländes ist auch wichtig, dass es genug Schatten, in Form von Bäumen, und Wasserquellen hat, vor allem wenn die Pferde über mehrere Stunden auf der Grünfläche stehen.

Auch wenn Pferde nicht in der Herde auf die Wiese können, kommen sie zu sozialen Kontakten. Das gegenseitige Schrubben wird ein wenig schwierig über die Weidezäune, aber das tut dem sozialen Kontakt nichts ab, denn dieser geht auch über riechen und wiehern. 

Auch wenn die Weidesaison einerseits Krankheiten und Verletzungen auf den Schultern lasten hat, so ist sie andererseits eine schöne Zeit für Mensch und Tier. 

Zum Schluss würde ich sagen, geniesst das schöne Wetter mit euren Lieblingen und habt Freude, dass der lange, kalte Winter ein Ende hat. Last eure Pferde auf die Weide, legt euch daneben ins Gras und vielleicht macht der eine oder andere ein tolles Foto von seinem Vierbeiner beim ersten Weidegang und lässt es uns zukommen. 

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