Parelli- Event, One Day with Pat & Linda Parelli

Am letzten Samstag trafen wir zusammen mit über 1‘000 anderen Parelli-Fans zum Event „One Day with Pat & Linda Parelli“ in Avenches ein.
Unsere Vorfreude die Mitbegründer von Natural Horsemanship endlich auch mal live zu erleben, war natürlich riesen gross.

Als der Wecker dann jedoch um 3.45 Uhr läutete, hielt sich vor allem die Freude von Michel in Grenzen und auch ich hatte das Gefühl, höchstens fünf Minuten Schlaf abgekriegt zu haben (was wohl gar nicht allzu weit hergeholt war). Doch unsere Pferde wollten nun mal auch noch ihre gewohnte Bewegung und Pflegeeinheit.
Vor allem Special freute sich, dass wir nach kurzer Zeit wieder bei ihm im Stall waren. Gipsy liess es eher über sich ergehen, da sie ein ziemlicher Morgenmuffel ist.
Da wir natürlich weniger Zeit zur Verfügung hatten, als an einem gewöhnlichen Tag, wollten wir unseren Pferden dennoch effizient beschäftigen und arbeiten. Deshalb entschieden wir uns für Equikinetic. Denn dabei bleibt durch die eher kurze Arbeitszeit noch viel Zeit für die Verwöhnung übrig und die Pferde sind dennoch genügend ausgelastet, dass sie bis zum nächsten Tag nicht auf „dumme Gedanken“ kommen sollten.

Nachdem unsere Pferde ihre verdiente Portion Mash erhalten hatten, machten wir uns direkt auf den Weg zur Raststätte, wo wir unsere Freundin aufgabelten und anschliessend nach Avenches weiter reisten.

Dort angekommen, haute uns der tolle Anblick des Geländes fast um. Noch nie habe ich (in der Schweiz) eine solch grosse Reitanlage gesehen. Neben mehreren Rennbahnen, gibt es zahlreiche Naturhindernisse und eine GERADE Wiesengaloppbahn, worauf sogar ein Angsthase wie ich einen Galopp wagen würde. ;-)
Nachdem wir die ersten Eindrücke „verdaut“ hatten, lösten wir unser Ticket ein und sicherten unsere Kopfhörer. Denn obwohl meine Begleiter (im Gegensatz zu mir) ziemlich gut im Englisch waren, wollte ich dennoch kein Wort verpassen. Natürlich mussten wir auch gleich um gute Plätze kämpfen.

Neil Pye begrüsste uns und eröffnete somit gleich den Event. Dabei war ich bereits das erste Mal froh darüber, dass ich die Kopfhörer mit Übersetzung hatte, denn seinen australischen Akzent war wirklich nicht zu verstehen!
Die erste pferdige „Vorführung“ war dann gleich mit Pat höchstpersönlich, wobei wir natürlich bereits ins Stauen gerieten.

Auch der erste Live Unterricht mit ihm war sehr eindrücklich. Es handelte sich, um ein (anscheinend begabtes) Militarypferd, welches jedoch am Turnier durchaus guckig sein kann und dabei Fehler kassiert.
Was für mich jedoch noch viel verstörender war, war die Tatsache, dass das Pferd und die Reiterin eine Beziehung gleich 0 führten. Denn das Pferd ignorierte sie fast eine Stunde komplett, was mich als Reiterin schon fast zu Tränen rührte, da ich mir vorstellte, wie ich mich fühlen würde, wenn meine Pferde vor 1‘200 Zuschauern sich mir gegenüber so „kaltherzig“ verhalten würden. Das liess mich dann doch eher an einer guten Haltung bzw. einem guten und liebevollen Umgang zweifeln. 


Denn eine Floskel von Pat spiegelt meine Meinung wieder:

„Put the realtionship first!“ 




Aber vielleicht gibt es auch einfach Pferde, die sich lieber mit Artgenossen als Menschen anfreunden… ich möchte ja niemandem etwas Böses unterstellen, wenn ich die Situation im gewohnten Umfeld nicht kenne ;-)
Dennoch brachten sie es gemeinsam weiter, als ich am Anfang geglaubt hätte.

Danach kam Berni Zambail mit einer Session, welcher ich zwar schon durch Berichte im Netz, sowie aus einigen Videos kannte. Dennoch überraschte er mich mit seinem Feingefühl, welches ich so nicht erwartet hätte!

Darauf folgte Linda mit einer Coaching Session. Sie hatte ich bereits vor zwei Jahren an einem Event live erlebt, weshalb ich ihre „peppige“ Art bereits kannte.
Ihre Schülerin hatte das Problem, dass sie ein eher introvertiertes und dennoch dominantes Pferd hat. Für diejenigen, die sich mit den Horsenalities auskennen, es war ein Left Brain Introvert- Wallach. Schnell kristallisierte sich das Problem der beiden heraus: die Pferdebesitzerin hatte bei ihrer Arbeit keinen Plan, welchen sie abarbeiten konnte. Weshalb sie aufs Pferd nicht gerade wie ein vertrauensvoller Leader wirkt und somit schnell Rang niedrig wird, sowie fürs Pferd uninteressant. Nach einigen fürs Pferd klaren Übungen, klappte es schon ganz gut mit den beiden.

Die Session von Walter Gegenschatz verpassten wir, da wir die Mittagspause etwas vorzogen, um anschliessend in Ruhe das Shopping geniessen zu können. Von draussen sah es jedoch wie immer nach einer spannenden Show aus, mit der Dressurkür als Überraschung.

Auch der Nachmittag hatte mit weiteren Sessions von Schweizer Instruktoren und einer live von Linda durchgeführten Reitstunde mit verschiedenen Instruktoren viel zu bieten.
In dieser Session befassten sich Linda und ihre Schüler mit der Anlehnung und arbeitet dabei mit Ihrem Konzept „Game of Contact“. Für diese Reitstunde wurden drei Schüler der klassischen Reitweise (Marion Oesch, Patricia Valdhaus sowie Barbara Gegenschatz) und ein Westernreiter ausgewählt. Hierbei war für mich besonders spannend anzusehen, wie dies ein Westernreiter bewältigt, da für mich die Anlehnung eher zur klassischen Reitweise gehört. Jedoch wurde ich eines Besseren belehrt, denn auch Franco Giani erreichte mit seinem Reiningpferd eine entspannte Anlehnung, obwohl es sich vorher praktisch nur im Galopp entspannen konnte. 

Speziell geehrt wurde die Arbeit von Silke Vallentin, welche seit einem Autounfall 1983 an ihren Rollstuhl gefesselt ist. Dennoch liess sie sich dank Parelli nicht unterkriegen unds entwickelte ihre ganz eigene Methode, mit den Pferden zu arbeiten.
Solch starke Menschen finde ich unglaublich und es war sehr schön, ihr bei der Arbeit mit dem Pferd während ihrer Session zuzuschauen.

Aber auch aus dem Coaching von Pat mit dem englischen Instruktor, welcher mit seinem Pferd anscheinend ein Problem mit dem Galoppwechsel habe, es aber am Samstag auf Anhieb klappte, konnte ich viel mitnehmen.

Alles in allem lohnte sich der grosse Aufwand allemal für einen solch lehrreichen Tag!

Hier findet ihr übrigens die (wie immer) tollen Fotos von Katja Stuppia als weitere Impressionen.

Ihr werdet merken, dass ich auch in zukünftigen Berichten immer wieder eine Verbindung zu Parelli machen werde, da ich hinter Vielem von dieser „Arbeitsweise bzw. Einstellung“ stehen kann, ausserdem finde ich, dass dank der Familie Parelli, ein grosser Schritt in der Pferdepsychologie gemacht werden konnte. Ich sage jedoch auch, dass es nicht wichtig ist, nach wem oder was man mit seinen Pferden arbeiten will. Wichtig ist, dass es schlussendlich für sich und sein Pferd stimmt und alles andere ergibt sich dann von selbst.

Special und ich haben unsere neuen Errungenschaften natürlich bereits ausprobiert.
Hier findet ihr im Übrigen tolle Artikel für die Bodenarbeit von reitsport.ch 

 

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