Mein Pferd - genau mein Typ!

Gestern war mir wiedermal etwas rebellisch zumute. Aus dieser Laune heraus beschloss ich, statt über die asphaltierte Strasse, lieber den schneematschigen Waldweg zum Stall zu nehmen. Mein neues Velo (Billy Nr. 3) hielt den erschwerten Bedingungen anfangs recht gut stand. Aus Freude darüber gab ich noch mehr Gas und es passierte: der Reifen rutschte im Dreck und ich kam ins Schleudern. Aber - gelenkig wie ich bin - schaffte ich es durch eine eher weniger elegante Bewegung, mich und das Velo wieder auf die richtige Bahn zu bringen.

 

Dieser Matschweg säumt direkt auf den Hof und deshalb blieb meine Einlage nicht unbemerkt. Im Stall angekommen musste ich mir dann den folgenden Spruch anhören: „Wie das Frauchen, so das Pferdchen!“ Warum dieser Satz so passend ist, erkläre ich gleich.

 

Die häufig erhobene Behauptung, dass zwischen Tierhaltern und ihren Schützlingen oft eine gewisse Ähnlichkeit besteht, war schon Gegenstand einiger Forschungsexperimente. Dabei kam heraus, dass wir Menschen uns instinktiv eher jene Tiere aussuchen, die uns selbst von ihrem Wesen, aber auch vom Aussehen her ähneln. Für mich ein weiterer Beweis der menschlichen Selbstverliebtheit.

Nun, nachdem mir meine Stallkollegin den obigen Satz gesagt hatte, kam ich ins Grübeln. Bin ich wirklich wie Cornet? Oder er wie ich?

 

Im Zusammenhang mit meinem Velofauxpas kann ich meiner Stallkollegin nur zustimmen: Cornet und ich leiden beide an chronischer Stolperitis. Kann Cornet frei laufen, dann könnte man darauf wetten, dass er es schafft, irgendwo den Kopf, optional auch eines der Beine anzuschlagen. Und wenn er auf der Weide mal so richtig Gummi gibt, kann er manchmal vor lauter Eifer seine langen Stelzen nicht mehr sortieren, stolpert, fliegt fast aufs Maul, quietscht und rennt weiter. Bei mir sieht es ähnlich aus. Es vergeht keine Woche, in der ich keine neuen blauen Flecken habe. Rutschige Treppen, Scherben oder sonst mögliche Verletzungsquellen ziehen mich magisch an. Wenn ich im Stall meine Salbentasche auspacke, muss ich deshalb neben dem Blätz meines Pferdes auch oft mich selber irgendwo mit Bepanthen einstreichen.

 

Aber ich kam zu der Erkenntnis, dass es noch weiter geht: Cornet und ich sind beide Skeptiker. Nichts entgeht Cornets wachem, aufmerksamen Blick und nach anfänglichem Misstrauen wird alles mit Maul, Zähnen und Hufen untersucht. Dabei ist er so verbissen, dass er kaum noch an etwas anderes denken kann, als an sein Objekt der Neugierde. Das ist nicht immer ein Vorteil.

 

Eigentlich ist Cornet ein geselliger Typ. Er geht gerne auf anderen Pferde zu, aber ist keiner der aufdringlichen Sorte. So ist er auch zu Menschen. Aber sobald er sich nicht mehr wohl fühlt, kann man, wenn man es kennt, förmlich zusehen, wie er sich still und heimlich zurückzieht. Und bei dieser Meinung bleibt er dann auch.

Solch eine Reaktion zeigt er gerne, wenn viel Trubel los ist. Ich habe gelernt, dass er vor allem in solchen Situationen meinen physischen und psychischen Beistand braucht, was gleich zu seiner nächsten Eigenschaft führt: Treue. Cornet ist zu den Menschen oder Tieren, die er kennt, treuer als ein Hund. Ich sehe in ihm einen richtigen Kumpel, der überall hin folgen würde und sich schnell für eine Sache begeistern lässt. Aber Moment... Wen beschreibe ich da auch noch...? 

 

Ich fand es sehr spannend über diese Idee nachzudenken. Und es wärmt mein olles Wendyherz, wenn ich daran denke, dass ich es geschafft habe ein Pferdchen zu finden, das mich so spiegeln kann, wie Cornet! Ich hoffe, dass ich auch Euch mit meinem Text auf eine Gedankenreise schicke. Wie erkennt Ihr Euch in Euren Tieren wieder? 

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