Mein (Concours)Sommer!

Die letzten Wochen habe ich erfolglos versucht die Tatsache zu verdrängen, dass es wieder Sommer ist. Vielleicht werden jetzt einige denken: Hat die Olle nicht eben noch über den Winter hergezogen und jetzt passt der Sommer auch nicht? Normalerweise bin ich sehr pro Winter, nur - und da werden mir hoffentlich einige zustimmen - war Winter 2014/15 dann doch etwas zu antarktisch. Zumindest bei uns im Aargau.

Der Sommer jedoch bedient sich schon seit Anbeginn der Zeit einer Vielzahl meiner persönlichen Horrorvorstellungen: Prüfungen an der Uni, Sommersprossen, welche einmal mehr ungebeten meinen Nasenrücken bevölkern, trockene Haut (Make-Up-technisch der Feind!), das Gefühl nur früh morgens oder spät abends lebensfähig zu sein oder der gute, alte Sonnenbrand, nach welchem ich nie, aber auch gar nie braun werde. Nicht zu vergessen die ganze Bagage der krabbelnden Plagegeister, wie beispielsweise „Bräämen". Diese fachspezifische Bezeichnung entwickelt sich für mich persönlich im Verlaufe eines Sommers oft zu einer Art Schlachtruf: Nach Ertönen von „En Brääme!“ erwachen alle meine prähistorischen Jagdinstinkte und ich komme erst dann zur Ruhe, wenn ich dieser „Brääme“ das Handwerk gelegt habe.

An dieser Stelle habe ich für alle Nicht-Reiter einen kleinen Lebenstipp: Wir Reiter sind im Sommer schlecht getarnt und leicht zu erspähen. Man braucht dabei nur die Hautfarbe der Arme und der Beine zu vergleichen: Hat die anvisierte Person braungebrannte (in meinem Fall dann knallrote) Arme, wohingegen die Beine eine noble Blässe ziert, dann handelt es sich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Reiter! Danke liebe Reithosen, dass ihr auch nicht das winzigste Fünklein Sonne an die Beine lasst.

Und ganz so nebenbei: Uns kann man sich gefahrlos nähern. Wer im Gespräch mit einem Reiter Zusatzpunkte sammeln will, zum Beispiel wenn man an einer sommerlichen Grillparty eine/n Reiter/In anhand der entblössten Beine erkennt und kennenlernen will, kann man mal folgenden Satz fallen lassen: "Das Wichtigste im Leben ist doch einfach: immer mit dem inneren Bein an den äusseren Zügel!" Probiert’s ruhig aus!

Reittechnisch zeigt mir Cornet gerade, was ich im Vergleich zu ihm für ein Weichei bin, denn er ist trotz Hitze topfit und immer dabei. Obwohl auch er dressurmässigen Beanspruchungen bei diesem Wetter weniger zugetan ist als einem Galopp durch den Wald oder ein paar kleinen Hüpfer auf dem Springplatz. Und da sind wir meistens wieder einer Meinung, bin ich doch im Herzen Springreiter. Da braust einem noch ein rechtes Lüftchen um die Ohren!

Mit dem Sommer steigt nicht nur die Zahl der Thermometer, sondern auch die der Concours. Einer der Vorteile, die ich dem Sommer doch zusprechen muss, denn ich liebe es auf Concours zu gehen. Dabei muss ich nicht mal unbedingt selber starten. Ich liebe es, wenn man an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht sieht und mal da und dort ein Schwätzchen hält. Ich freue mich jeweils schon bei der Abfahrt auf den gutbürgerlichen Fitnessteller mit Steak, den ich mir gerne gönne, auf das freudig-ängstliche Gefühl vor dem Start und die Erschöpftheit, wenn alles vorüber ist. Zwar sind die Vorbereitungen für die Saison 2015 für die meisten wahrscheinlich schon durch, aber ich nehme mir mal die Freiheit dieses Blogs um Euch ein paar Anregungen für einen gelungenen Concourstag zu unterbreiten:

Stilbewusst wie ich eben bin, ist es für mich zur Tradition geworden jeweils Anfang Jahr ein frisches Schabracke/Ohrengarn-Set zu shoppen. Dieses bewahre ich so lange zuhause auf, bis der erste Start ansteht. Der Gedanke daran, ob und wie es dem Pferd stehen wird, bringt mich ausnahmsweise schon beim ersten Weckerklingeln aus dem Bett. Denn: Wenn wir nicht die Besten sind, sind wir wenigstens die Schönsten!

Irgendein weiser Mensch hat mal gesagt: Die Kust des Reitens besteht darin, das Pferd zwischen sich und dem Boden zu halten. Damit will ich sagen, dass die Leistung nicht immer daran gemessen wird, ob man jetzt das Schleifchen abkriegt oder nicht. Man soll sich natürlich auch nicht nur damit zufrieden geben, heute mal nicht vom Pferd gefallen zu sein. Lange Rede kurzer Sinn: Trainiert fleissig, vergewissert Euch vor Einritt auf den Abreitplatz, ob ihr noch wisst wo Links und Rechts ist, gebt Euer Bestes im Parcours und habt einfach Spass!

Zum Schluss verrate ich Euch noch den absoluten Geheimtipp. Es ist nämlich so, dass die Leistung, die wir bringen können, nicht immer nur davon abhängt, wie sehr wir trainiert haben. Vieles passiert auch nur „im Kopf“. Wenn man schon zu Beginn denkt: Nein, das kann ich nicht! Dann wird man es vermutlich wirklich nicht packen. Um solche Gedanken gar nicht erst an uns heranzulassen, haben meine liebe Freundin E. und ich nach jahrelanger Tüftelei die ultimative und absolut mainstreame Ego-Boost-Concoursplaylist zusammengestellt, die wir uns auf der Hinfahrt zum Concours jeweils zur Gemüte führen. Positive Energie vorprogrammiert!


-Journey - Don’t Stop Believin’
-SDP - Wenn ich gross bin
-Hilltop Hoods - The Nosebleed Section
-Massive Töne - Cruisen (so die ersten 30 Sekunden..)
-Loona - Vamos a la Playa (ebenfalls so die ersten 30 Sekunden)
-Helene Fischer - Atemlos
-Cro - Traum
-Cro - Meine Zeit
-Wilkinson - Half Light
-DJ Fresh - Gravity
-Touch The Sky - Kanye West
-Single Ladies - Beyoncé
-The Real Slim Shady - Eminem
-Best of Friends - Palma Violets
-Macklemore - Thrift Shop
-Chiddy Bang - Mind Your Manners
-Major Lazer - Watch Out For This
-Noah And The Whale - 5 Years Time
-Sigma - Higher
-Männerherzen - Die ganz, ganz grosse Liebe
- (das Beste zum Schluss) The toten C*** im Kofferraum - Ich und mein Pony

 

Viel Spass!

PS: An alle Leidensgenossinnen mit einem ähnlichen Sonnenschutzfaktor wie ich (ca.90): Stay strong! Am Wochenende regnet's wieder!

 

Das könnte Dich auch interessieren

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.