Longines CSIO Schweiz St.Gallen - springen, staunen, mitfiebern, geniessen / Interview Teil I

Die Weltelite der Springreiter kommt vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 ins Gründenmoos. Der Longines CSIO Schweiz in St. Gallen ist der offizielle Pferdesportanlass unseres Landes.
Nur am CSIO treten die Equipen der teilnehmenden Länder im Nationenpreis gegeneinander an.
Weitere sportliche Höhepunkte sind der Longines Grand Prix am Sonntag sowie das erstmalige Grosse Peter Stössel Memorial Jagdspringen am Samstag. Ein kunterbuntes, vielfältiges Unterhaltungsprogramm macht jeden einzelnen Tag zum Erlebnis.

Reitsport.ch durfte dem Turnierleiter Urs Schiendorfer, ein paar persönliche Fragen stellen:

Im ersten Teil des Interviews geht es vor allem um die Person hinter der Turnierleitung und dessen Aufgabenbereich:

Herr Schiendorfer reiten Sie selber auch leidenschaftlich gern, oder was verbindet Sie mit dem Pferdesport?
Während vielen Jahren bin ich leidenschaftlich und praktisch täglich geritten. Auch habe ich an regionalen sowie nationalen Springprüfungen teilgenommen. Ende 1998 habe ich dann meinen Wohnsitz nach Malaysia verlegt und somit auch aufgehört zu reiten. Da dort das Klima nicht unbedingt ideal für Pferd und Reiter war.
Nun bin ich seit mehreren Jahren als Berater tätig und sehr viel auf Turnieren weltweit unterwegs. Damit fehlt mir leider die Zeit, um selber aktiv zu sein.
Ich liebe Pferde und mit dem PferdeSPORT verbindet mich sehr viel. In den letzten gut 35 Jahren durfte ich den Pferdesport (vor allem den Springsport) in verschiedensten Funktionen begleiten. 
Als Jurypräsident, Präsident des OKV, Mitglied des Vorstandes der Schweizer FN, als Berater einer ausländischen FN oder als Equipenchef von Spring- und Dressurreitern.
Aber auch als Organisator kenne ich mittlerweile alle Facetten dieses Sportes und bin dadurch ebenfalls mit vielen internationalen Reitern, mit Funktionären und anderen Organisatoren verbunden.

Wie kamen sie zum Posten des Turnierleiters und was fasziniert Sie an dieser Veranstaltung?
Ich bin seit 1983 Mitglied des OK, damals noch der St. Galler Internationalen Pferdesporttage (und „nur“ ein CSI).
Dort war ich unter Dr. Konrad (Zabi) Widmer (†) als Vizepräsident tätig. Als Peter Stössel (†), das Präsidium übernahm, haben wir der Veranstaltung bzw. dem OK eine neue und professionelle Struktur gegeben und welcher ich gerne zusagte.
Der Longines CSIO Schweiz St. Gallen ist eine Veranstaltung mit einer langen Tradition (seit 1884). Seither und vor allem in den letzten 25 Jahren hat sich der Anlass zu einer Weltklasse-Veranstaltung entwickelt. Seit Jahren wird der CSIO (ein Anlass, der tief in der Region verwurzelt ist und von dieser mitgetragen wird), von Reitern und Medien zu den Top Outdoor Veranstaltungen gezählt.
Dass dies mit einem OK erreicht werden kann, welches sich weitgehend aus freiwilligen Mitarbeitern und Helfern (s. unten) zusammensetzt, ist für mich etwas total Faszinierendes.

Was sind die wichtigsten Aufgaben eines Turnierleiters bzw. was fällt alles in Ihr Arbeitsgebiet? 
Einfach gesagt bin ich in der Vorbereitungsphase und vor allem während der Veranstaltung für einen reibungslosen sportlichen Ablauf verantwortlich.
Dabei müssen die Gesetze und Reglemente der zuständigen Behörden- und Sport-Instanzen berücksichtigt werden.
Ziel ist es, für alle Beteiligten, insbesondere für die ReiterInnen und Pferde, ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich während der 4 Tage wohl und wie zu Hause fühlen, damit sie in der Lage sind, sportliche Höchstleistungen vollbringen zu können. 

Die Aufgaben sind vielfältig. Nachstehend ein paar der wichtigsten:

-Erstellung der Ausschreibungen, in denen die gesamten sportlichen Details, Anzahl Prüfungen, Art der Prüfungen, Höhe der Hindernisse, etc. festgelegt werden.  

-Einladung von Teams und Einzelreitern über die jeweiligen Verbände der betroffenen Nationen. Hier ist allerdings der Spielraum für uns als CSIO Veranstalter sehr klein geworden. Durch die vielfältigen Bestimmungen des Internationalen Pferdesportverbandes (FEI) haben wir nur noch einen sehr beschränkten Einfluss darauf, welche ReiterInnen an der Veranstaltung teilnehmen.

-Planung und Bereitstellung der ganzen Logistik, angefangen bei den Stallungen über Futter und Einstreu für die Pferde, Parkplätze mit Elektroanschluss für die grossen LKW Pferdetransporter, Mistabfuhr, um nur einige zu nennen 

-Auswahl und Einladen der notwendigen Offiziellen und Mitarbeitenden wie die Mitglieder von Jury, Schiedsgericht, Parcoursbau, Hufschmied, Stallchef etc. 

-Sicherstellung der notwendigen Technik für Zeitnahme, Resultatauswertung

-Mitarbeit bei der Ausarbeitung von Verträgen mit Sponsoren, Fernsehen, Verbänden 

-Überwachung des Ablaufes und Einhaltung eines minutiösen Zeitplans während der Veranstaltung 

Dies alles passiert in Zusammenarbeit mit den zuständigen Bereichs- und Ressortleitern und in Übereinstimmung mit der Präsidentin und der Generalsekretärin.

Wann beginnen Sie jeweils mit den Vorbereitungen für den nächsten CSIO?
Die Vorbereitung in meinem Bereich beginnen jeweils etwa 6 Monate vor der Veranstaltung.

Aus wie vielen Personen besteht das OK-Team? 
7 Bereichsleiter, rund 60 Ressortleiter, rund 250 freiwillige Helfer.

Wie lange dauert es, bis die ganze Infrastruktur von beispielswiese 220 Pferdeboxen bis hin zu den 2500 Tribünenplätzen aufgestellt sind? 
Die Bauphase dauert insgesamt 5 Wochen. 

Bereits für einen kleinen CS wie wir ihn veranstalten müssen einige Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, bei einer solchen grossen Veranstaltung wird das noch viel enormer sein. Was muss alles beachtet werden, dass das Sicherheitsreglement eingehalten werden kann?
Es gilt, die Auflagen zu kennen und mit professionellen Experten zusammenzuarbeiten, die sich in den einzelnen Bereichen entsprechend auskennen. 

Das Sicherheitskonzept im weiteren Sinne umfasst viele Bereiche und Aspekte:

-Sport: Sicherheitszone rund um die Stallungen, Nacht-Bewachung, Zutrittsregelung, sodass nur die Berechtigen Zugang zu Stallungen und Pferden haben. Sicherstellung veterinärmedizinischer Versorgung und Betreuung, inkl. Pferdeambulanz

-Veranstaltung generell: Zugangskontrolle auf dem ganzen Gelände, Sicherstellung der medizinischen Versorgung und Betreuung inkl. Ambulanzfahrzeuge, REGA Helikopter 

-Bauten: Beachtung der baupolizeilichen und feuerpolizeilichen Vorschriften

-Hospitality Bereich: Beachtung der Hygiene- und anderer Vorschriften des Gesundheitsamtes

-Verkehr & Notfall: Erstellung und Kommunikation eines Sicherheits- und Evakuationskonzeptes unter der Führung der Stadtpolizei St. Gallen

Alle Fotos stammen von dieser Quelle.

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