Lassen sich unterschiedliche Reitweisen kombinieren?

Wir teilen dieselbe Leidenschaft, die Pferde und das Reiten.
Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass die Reiterwelt gespalten ist. Es gibt die
verschiedenen Reitweisen und innerhalb dieser, die unterschiedlichsten Methoden
der Ausführung. Das Ziel, dass wir Reiter befolgen, ist aber meistens das
Selbe. Wir wollen eine harmonische Partnerschaft mit unserem Vierbeiner
aufbauen und pflegen. Weshalb sind aber viele Leute der Meinung, dass sich die
verschiedenen Reitweisen nicht verstehen und kombinieren lassen? Diese Frage
beschäftigt mich seit langer Zeit.

Ich erlernte das Reiten als kleines Mädchen bei meiner Tante,
einer klassisch ausgebildeten Bereitern. Die ersten Jahre erhielt ich von
ihr englisch Reitunterricht. Ihre eigenen Pferde ritt sie jedoch hauptsächlich
Western und bildete sie auch auf dieser Basis aus. Aufgrund dessen lernte ich
bereits früh beide Reitstile näher kennen. Im Teenager Alter tauschte ich dann
den Englischsattel gegen den Westernsattel ein. Zu dieser Zeit war es für mich
ein Rätsel, weshalb sich jemand auf Dressur- und Springsätteln wohl fühlen kann.
Ebenfalls weigerte ich mich damals strick gegen die engen Reithosen und genoss
das Reiten mit Jeans. Damals konnte ich mir einen Wiederumstieg nicht
vorstellen. Auch für mich waren die beiden Reitweisen zu diesem Zeitpunkt zwei
verschiedene Welten, die in meiner Vorstellung nicht kombiniert werden konnten.
Ich empfand die klassische Reitweise als spiessig und verkrampft. Denn sah man
sich eine moderne Westernserie an, war das die absolute Idylle. Pferde, die am
langen Zügel über Wiesen galoppieren und Reiter die gegenseitig um die Wette
strahlen. Und genau wie in dieser Märchenwelt wollte ich mich damals hoch zu
Pferd fühlen. Und genau so wie in dieser Märchenwelt wollte ich mich hoch zu
Pferd fühlen. Schwarze Schafe gab es für mich damals in diesem Sport nicht. Von
denen hörte man hauptsächlich aus dem englischen Reitsport. Alles was man von
den Westernreitern lass und sah zeugte von Harmonie und Vertrauen. Bis heute
hört man vermehrt negative Schlagzeilen aus dem Spring- und Dressursport. Der
Grund dafür ist aber nicht, dass es in der Westernreitszene keine schwarzen
Schafe gibt. Im Gegenteil, auch dort gibt es unschöne Bilder. Jedoch ist die
englische Reitweise immer noch populärer und daher mehr in den Schlagzeilen
anzutreffen.

Als mir vor sieben Jahren meine
Eltern den Traum vom eigenen Pferd ermöglichten, änderte sich viel. Ich ging
mit Indigo, einem schwarz- weissen Pintowallach, in einen Freibergerzuchtstall.
Im Stall ritten alle ausser mir englisch. Zu Beginn fühlte es sich komisch an
als einzige Westernreiterin unter vielen englischen reitenden Freizeitreitern. Jedoch waren alle offen und neugierig, was die
andere Reitweise anbelangt. Irgendwann begann ich bei der Arbeit mit den jungen
Pferden mitzuhelfen und sattelte Teilzeit wieder auf Englisch um. Bis heute bin ich den beiden Reitweisen treu
geblieben. Ich geniesse die Abwechslung und bin überzeugt, dass sie auch den
Pferden gut tut. Es ist klar, dass sich die einzelnen Pferde nicht für jede
Sparte gleich gut eignen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es keinem
Westernpferd schadet einmal einen kleinen Sprung zu nehmen. Ebenfalls können
Übungen aus dem Westernreitsport für englisch gerittene Pferde gut sein. Vor
allem bei jungen Pferden habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass Übungen
die aus der Westernreiterei kommen für Entspannung und Losgelassenheit sorgen.

Wenn mir jemand die Frage stellt,
was reitest du, dann antworte ich: „ Ich reite Western und Englisch. Ich bin
Freizeitturnierreiterin und gehe auf Western-, sowie auch Springturniere. Ebenfalls
habe ich vor zwei Jahren Enduranceluft geschnuppert und werde bald an meinem
ersten Dressurturnier teilnehmen.“ Die meisten Leute starren mich nach dieser
Antwort mit grossen Augen an und fragen sich wie das möglich ist. Viele sind
der Meinung, dass sich die unterschiedlichen Reitweisen beissen. Ich sehe das
etwas anders und bin der Meinung, dass jeder seinen Weg gehen soll. Jedoch
sollte man Augen und Ohren offen halten für neues, egal aus welcher Reitsparte.
Klar fördere auch ich die einzelnen Pferde am meisten in der Sparte, in welcher
wir anschliessend an Turnieren teilnehmen. Trotzdem kommt jedes Pferd in den
Genuss von Übungen aus den verschiedenen Reitweisen.

Wie ist eure Meinung dazu? Lassen
sich Spring-, Western-, Fahr- und Dressursport, sowie das Distanzreiten
kombinieren oder nicht? Und wenn nein, warum nicht? Eure Meinungen sind gefragt :-)

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