Kotwasser – häufiges Problem mit diversen Ursachen

Viele von uns kennen das Symptom Kotwasser und fürchten dies auch.
Sobald der Herbst kommt oder spätestens im Winter leiden viele Pferde an der Kotwasserproblematik.

Häufig wird dies dann einfach auf den Fellwechsel geschoben, da (meiner Meinung nach) viele die Thematik gar nicht bekannt ist. 

Für die Futterzusatzmittelindustrie natürlich ein „gefundenes Fressen“, denn so werden x-tausende Zusatzmittelchen auf dem Markt angeboten.


Nebenbei erwähnt: bin ICH wohl auch deren beste Kundin!

Aber dank meiner aktuellen Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, ist HOFFNUNG in Sicht für mein Portemonnaie! ;-)

Diese Futtermittel und auch Tipps von Bekannten sind mit Vorsicht zu geniessen, denn viele der gängigen Fütterungs-Massnahmen kaschieren nur die Symptome, ohne auf die mögliche Ursache einzugehen.


Was ist Kotwasser überhaupt?
Im Gegensatz zu Durchfallerkrankungen, ist die Konsistenz des Pferdeapfels bei einer Kotwasserproblematik normal. Jedoch läuft oder spritzt sogar (vor oder nach dem Kotabsatz) bräunliches Wasser aus dem After und rinnt an den Beinen herunter.
Hierbei werden Haut und Haar stark in Mitleidenschaft gezogen und kann durchaus zu Haarverlust, Reizungen bis hin zu Wunden und offenen Stellen kommen.

Besonders im Winter ist dies besonders bitter, wenn bei tiefen Temperaturen die Feuchtigkeit auf der Haut gefriert und das Pferd dadurch überhaupt nicht mehr trocknen kann.


Auslöser bzw. Ursachen von Kotwasser
Folgend einige Auslöser von Kotwasser:
-Psychische Belastung (Stress)
-Störungen der Darmflora
-Fütterungsfehler
-Parasiten
-Stoffwechselprobleme
-Übersäuerung
-Zähne (da das Futter ungenügend zerkleinert wird / häufig auch bei älteren Pferden)
-Zu lange Fresspausen (durch schlecht verteilte Fütterungszeiten während des Tages)
-Entzündungen
u.v.m.

Wie oben erwähnt, schieben viele das Problem auf den Fellwechsel. Dass jedoch auch die Haltung ohne Weidegang, Kotwasser erzeugen kann, daran denkt schlussendlich niemand.

Denn dabei ist nämlich Stress hier der Auslöser, weil dem Pferd sein natürliches Grundbedürfnis der permanenten Bewegung genommen wird. 


Auch beim zweiten Grundbedürfnis (dem permanenten Fressen und Einspeicheln von Niederenergiefutter) wird es beispielsweise bei meiner Stute aufgrund ihrer Spänebox immer wieder kritisch.

Wie wir alle wissen sind Pferde Pflanzenfresser, die sich in freier Wildbahn von Gras, Grassamen, Baumrinden, Zweigen, Laub u.v.m. ernähren. All diese Nahrungsmittel haben wenige Nährstoffe aber sind reich an Rohfasern.

Ausserdem verbringen sie bis zu 18 Stunden täglich mit Fressen, wobei das Futter über den ganzen Tag aufgenommen, langsam zermalmt und durchgespeichelt wird. Zudem machen sie rund 80 Kaubewegungen pro Minute, wodurch die Speichelproduktion angeregt und die Verdauung beeinflusst wird.


Aber wie oben aufgelistet, sind nicht nur Stress und falsches Fressverhalten (bzw. geschädigte Darmflora) Auslöser! Ich habe hier nur einen kleinen Teil aufgelistet.


Bitte beachten!
Kotwasser ist lediglich ein Symptom für eine tieferliegende Problematik. Die Behandlung ist also pro Pferd individuell - wie die Ursache, die man herausfinden muss.


Wer ist betroffen?
Grundsätzlich kann jedes Pferd an der Kotwasserproblematik leiden.

Eine deutsche Studie (die Professor Ellen Kienzle betreute und Carolin Zehnder untersuchte), ergab jedoch folgendes:


1. Schecken sind öfters betroffen
Auffällig ist die hohe Zahl an Schecken mit diesem Leiden: rund 30 Prozent aus der Gruppe der Tiere mit Kotwasser. Kienzle vermutet eine Reizdarm-Anfälligkeit von Schecken.
Auch Tinker sind häufig betroffen.


2. Die Rangordnung spielt eine Rolle
Bei der Auswertung ihrer Fragebögen fielen ihnen sofort eine Verbindung zwischen Kotwasser-Problemen und der Rangordnung der Pferde auf. 40 Prozent der Kotwasserpferde stehen laut Aussage ihrer Besitzer an letzter oder vorletzter Stelle in der Rangordnung ihrer Herde. Als direkte Ursache lässt Ellen Kienzle die Rang¬ordnungs-Problematik aber nicht gelten. Wahrscheinlicher ist Stress aufgrund der Rang¬ordnung ein Auslöser.

3. Wallache leiden öfters an Kotwasser
Ausserdem ergab die Kotwasserstudie von Carolin Zehnder und Professor Ellen Kienzle an der LMU München, dass mehr als dreimal so viele Wallache unter Kotwasser leiden als Stuten. Der Anteil der Wallache lag in der Kotwasser-Gruppe bei 78.6 Prozent. Hier vermuten die beiden Wissenschaftler allerdings einen Zusammenhang mit der Rangordnung, da Wallache in der Regel rangniedriger sind als Stuten.


Einige Behandlungsmassnahmen:
Da die Pferde unter dem Kotwasser leiden, und die Ursachen-Erforschung manchmal doch etwas länger dauert, möchte ich euch trotzdem einige Behandlungsmethoden aufzeigen, die ihr anwenden könnt, um das Kotwasser (im Notfall) zu unterbinden.

Im Notfall
-Kleie, Trockenschnitzel oder Flohsamen
Diese binden durch ihre Quellfähigkeit Wasser und wirken damit darmanregend, darmreinigend und abführend. 
Aber ACHTUNGnichts für empfindliche Pferde!
Denn ein unsachgemässer Einsatz kann bei empfindlichen Pferden aber auch zu Verstopfungen oder Darmreizungen führen.

Vorbeugend
-Die Aufnahme von sehr kaltem Wasser oder gefrorenem Gras ist zu vermeiden

-Vermeidung von Sozialstress : Zusammenstellung harmonischer Gruppen, günstige Anordnung von Ruhe- und Fressplätzen sowie genügend Ausweichmöglichkeiten in Mehrraumställen und in Ausläufen

-Ermöglichung einer ungestörten Futteraufnahme, genügend Auslauf und Beschäftigung vor allem im Winter, verträgliche Boxennachbarn


-Laboranalysen der mikrobiologischen Qualität des Kraft- und Raufutters inkl. Stroh, insbesondere auf Schimmelpilze,
Hefen und Mykotoxine.


-Nur Futter in einwandfreier Qualität füttern und bei schlechter Strohqualität Alternativeinstreu einsetzen.


-Keine abrupten oder häufigen Futterwechsel, Vorsichtiges An- und Abweiden ;


-Aufnahme von Sand verhindern (abgegraste Weiden, Paddock)


-Häufige, kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt geben.


-Die Futterration mit Bier- oder andere Lebendhefe ergänzen


-Naturjogurt drei Tage unters Futter mischen soll auch helfen. Meine Pferde mögen dies jedoch ÜBERHAUPT nicht ;-)


Auch hier gibt es wahrscheinlich noch sehr viel mehr Methoden, jedoch muss beachtet werden, dass jedes Pferd anders reagiert.


Gerne nehme ich eure individuellen Erfahrungsberichte entgegen!

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