Körperbänder fürs Pferd Teil 2: Anwendungsbeispiele „gut gewickelt“

Im ersten Teil habe ich euch das Körperband bereits vorgestellt und nun möchte ich euch einige selbst getestete Anwendungsbeispiele etwas näher bringen. 

Zugegeben das „eingewickelte“ Pferd sieht etwas komisch aus, aber sowohl dein Pferd, wie auch du gewöhnt euch schnell an den amüsanten Anblick ;-)  

Die Kopfbandage

Ausrüstung: 7.5 cm oder 10 cm breite Bandage

Diese Bandage eignet sich für Pferde die:

  • steigen
  • mit dem Kopf schlagen
  • sich im Genick fest machen
  • sich nicht an den Ohren anfassen lassen
  • schlecht fokussiert sind
  • sich schlecht zäumen lassen
  • unter Trennungsangst leiden

Die Kopfbandage bedeckt die Stirn, das Kiefergelenk, den Atlas und das Genick, weshalb die Bandage eine „erdende“ Wirkung mit sich bringt und so reizbare Pferde runterbringen kann. 

Die Montur: 

Ein Ende wird an der linken Ganasche festgehalten, während die Bandage langsam unter dem linken Genickriemen des Halfters über die Stirn und auf der anderen Seite wieder unter dem Genickriemen hindurch, entrollt wird.

Danach führt man die Bandage unter der Kehle durch und legt sie auf das Genick.  

Im Anschluss nimmt man die Bandage von der rechten Ganasche unter der Kehle durch und bindet die Enden mit Hilfe eines Knotens (welcher sich leicht öffnen lässt) zusammen. 

Bitte beachten:

Die Bandage im Kehlbereich darf nicht zu eng angezogen werden. Falls hier Unsicherheit besteht, können auch beide Enden der Bandage beim Halfter durch die Ringe des Backenstücks geführt werden, um so den Druck zu reduzieren.   

Auch muss einem bewusst sein, dass diese Bandage manchmal wie ein Beruhigungsmittel wirkt, weshalb sie bei eher trägeren Pferden besser nur kurz zum Einsatz kommen sollte. 

 Die "Kopfbandage" wirkt sichtlich entspannend: 

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Die halbe Bandage

Ausrüstung: zwei 10 cm breite Bandagen (Pony zwei x 7.5 cm)

Diese Bandage eignet sich:

  • um jungen Pferden die Idee eines Gurtes zu vermitteln
  • um ältere Pferden den Gurt- oder Sattelzwang abzutrainieren
  • als Vorbereitung für das Anlegen des Longiergurts

Die „halbe Bandage“ (bestehend aus der Basisbandage (am Hals), kombiniert mit einer zweiten Bandage um den Rumpf), ist ein einfaches Modell, welches von den meisten Pferden breitwillig akzeptiert wird. 

Die Montur: 

Beide Bandagen werden aneinander befestigt. Danach wird die Basis um den Hals herum gebildet. Anstatt die beiden Enden zusammen zubinden, wird das lange Ende um den Rumpf geführt, hinter der Schulter durch und dort hält es eine zweite Person auf der rechten Seite des Pferdes. Danach wird vom rechten Ellenbogen des Pferdes die aufgerollte Bandage einmal um die Schlaufe geführt und weiter über den Wiederrist zur linken Seite des Pferdes. Jetzt wird das Ende mit dem man begonnen hat, einmal durch die Schlaufe hinter dem linken Ellenbogen durch gezogen, damit die beiden Seiten einander gleichen und danach verknotet werden können. 

 

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Die Verbindungsbandage

Ausrüstung: zwei bis drei 10 cm breite Bandagen

Diese Technik des Körperbands benütze ich neben der „Bewusstheitsbandage“ am häufigsten beim Training mit meinen Pferden. Sie besteht aus zwei einzelnen „Schlaufen“, die zusammen eine ganze Körperbandage bilden, welche sicher, einfach und leicht abzunehmen ist. 

Diese Bandage eignet sich um: 

  • die Wahrnehmung der Verbindung (von der Hinterhand zur Vorderhand) zu stärken 
  • die Hinterhand zu aktivieren und dennoch auf die korrekte Haltung der Vorhand zu bestehen. 
  • die Akzeptanz etwas mit der Hinterhand zu berühren zu fördern. 

Die Montur: 

Zuerst wird eine Bandage rund um den Halsansatz befestigt. Danach zieht man die andere Bandage durch die Halsschlaufe (in der Nähe des Wiederrists) und bindet die Enden so zusammen, dass zwei ineinandergreifende Schlaufen vorhanden sind. Die zweite Schlaufe wird dann vorsichtig um die Hinterhand befestigt (wenn möglich unter dem Schweif hindurch (wie ein Schweifriemen einer Decke). 

Man kann die Verbindungsbandage auch nach Belieben variieren, in dem man noch zusätzliche Bandagentechniken ergänzt. 

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Die Bewusstheitsbandage

Ausrüstung: eine 10 cm breite Bandage

Diese Bandage eignet sich:

  • um den Youngsters ein besseres Gefühl für die Hinterhand zu vermitteln 
  • um eine Überempfindlichkeit gegen den Schenkel zu verringern
  • oder um die Pferde sensibler zu machen, welche schlecht auf den Schenkel reagieren
  • für Pferde welche nervös werden, sobald Dinge oder andere Pferde von hinten kommen

Die Bewusstheitsbandage (oder auch besser bekannt einfach als „Hinterhandbandage“) reduziert Steifheit, Schweifschlagen und schlurfende Gänge. Zudem verbessert sie die Balance und Koordination. Auch kann sie beim Springen verwendet werden, um ein Pferd an die Verbindung von hinten nach vorne zu erinnern.  

Das Pferd sollte vorerst an Ganzkörperbandagen gewohnt worden sein und am besten teste man die Akzeptanz im Trab oder Galopp vorerst vom Boden aus (an der Hand), da es für viele Pferde eine ziemliche Umgewöhnung sein kann. Denn sie wirkt sich auf Gang, Rhythmus und Schub aus. 

Die Bewusstheitsbandage unterstütze Special intensiv beim Aufbautraining nach der Karpalgelenks-Operation im Januar. Wenn er über eine längere Zeit geschont werden muss, vergisst er nämlich gerne einmal, dass er auch noch zwei Hinterbeine besitzen würde ;-)

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Die Rehabandagen

Ausrüstung: (je nach Vorhaben: mind. zwei 10 cm breite Bandagen) 

Diese Bandage eignet sich:

  • für Pferde mit neurologischen Defiziten 
  • für Pferde mit steifer und unflexibler Haltung 
  • um eine entspannte Beweglichkeit im ganzen Körper zu fördern 

Ende der 90-er Jahre erarbeitete Carol Lang (eine TTouch- Instruktorin) gemeinsam mit einem Tierarzt eine Studie aus. 

Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Rehabandage in Kombination mit den Übungen deutlich den Gebrauch des Körpers und die Eigenwahrnehmung verbessern kann. Um neurologische Defizite zu reduzieren, wurden bereits einige interessante Variationen ausprobiert. Wie beispielsweise die folgende Methode, bei welcher das Umwickeln der Vorderbeine dem Pferd hilft, diese höher anzuheben und es somit in der Lage ist, über Bodenstangen zu gehen, ohne anzuschlagen oder gar zu stolpern. 

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Als wir dies bei Gipsy für das Foto montierten, musste ich schon etwas über ihren übertriebenen Gang schmunzeln, denn sie versuchte aufgrund des Bandes, sich im „Spanischen Schritt“ fortzubewegen, obwohl sie diesen „Trick“ nicht einmal gezielt beherrscht. ;-) 

 

Das alles ist nur ein kleiner Auszug aller Möglichkeiten mit dem Körperband. Wer sich weiter damit auseinandersetzen möchte, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Ausserdem gebe ich euch gerne noch einen Literaturtipp mit auf den Weg.

Aber das Körperband eignet sich nicht nur für Pferde, nein auch Hunden kann es zu mehr Selbstvertrauen und einer bessren Koordination verhelfen:

 

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