Körperbänder fürs Pferd Teil 1: Kleine Hilfe - grosse Wirkung

Als ich vor knapp vier Monaten angefangen habe meine Pferde mit dem Körperband vertraut zu machen, schauten mich meine „Reitgspändli“ noch mit grossen Augen an. Mittlerweile sind sie es jedoch auch schon gewohnt, dass meine Pferde mindestens einmal pro Woche aussehen, wie ein eingepacktes Weihnachtsgeschenk. :P

Alles hatte (wie momentan noch oft ;-)) seinen Ursprung im Tierheilpraktiker- Unterricht. Denn dort zeigte uns die Dozentin im Block „Manuelle Therapien“ die vielen Einsatzmöglichkeiten des Körperbands zuerst beim Hund auf und später dann auch noch beim Pferd.  

Trotzdem wollte ich mich noch etwas vertiefter mit dem Thema befassen, weshalb ich mir mehrere Bücher zu den Körperbändern besorgte und mich auch etwas in das Tellington-Training einlas. 

Da die Arbeit mit dem Körperband total unkompliziert und trotzdem extrem wirkungsvoll ist, möchte ich sie nun natürlich auch euch etwas näherbringen. 

 

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Geschichte & Hintergrund des Körperbands

Ursprünglich stammt das Körperband aus der Welttraumforschung, bei welcher das Band zur Stabilisierung der Astronauten im Schwebezustand (bei ihren Weltraumflügen) diente. Auch entwickelte es sich danach zu einem wertvollen Hilfsmittel bei autistischen Kindern, Menschen mit Gleichgewichtsstörungen weiter. Seinen Bekanntheitsgrad steigerte das Körperband jedoch letztendlich als stabilisierender und ausgleichender Faktor bei der Tellington Methode.

Denn seit über 35 Jahren ist es darin ein wesentlicher Bestandteil, welcher die Körper- und Bodenarbeit ergänzt, indem es die Integration äusserer Informationen auf Zellebene unterstützt. 

Dazu nützt es das vestibuläre System, welches mittels Rezeptoren im Innenohr auf Veränderungen der Kopfhaltung reagiert und sehr wichtig ist für das Gleichgewicht sowie die Sicherheit der Haltung. Dieses propriozeptive System ist das interne Bewusstsein, wo im Raum sich unsere Körperteile befinden, weshalb es wichtig ist für das Raumgefühl sowie eine koordinierte Bewegung. Diese Rezeptoren für die   Eigenwahrnehmung (Propriozeption) befinden sich in den Muskeln und Gelenken und sprechen zudem auf eine Kompression der Gelenke oder auf Bewegung an. 

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 Das Pferd profitiert mit dem Körperband von folgenden positiven Eigenschaften:

  • Das Körperband vermittelt dem Pferd ein sicheres Gefühl 
  • Es wird die Propriozeption gefördert («Wo beginnt m mein Körper, wo hört er auf»)
  • Das Band «verbindet» Vor- und Hinterhand
  • Die Hinterhand wird von Pferden gerne «vergessen», das Körperband fördert das «Gespür» für die hintere Körperhälfte und tritt somit besser unter
  • Dies führt wiederum zu mehr Selbstkontrolle, Selbstsicherheit / Selbstvertrauen
  • Das Pferd wird dadurch ruhiger und angstfreier
  • Es reduziert auch die Angst vor Dingen, die von hinten kommen oder beim Passieren  von engen Räumen
  • Das Körperband unterstützt die Rehabilitation von Pferden mit neurologischen Dysfunktionen

Welche Pferde sollten mit einem Körperband trainiert werden? 

Generell kann das Körperband bei allen Pferden (bzw. Tieren im Allgemeinen) eingesetzt werden. Spezielle Erfolge erreicht man jedoch vor allem bei schreckhaften, ängstlichen / unsicheren und jungen Pferden. Ausserdem kann es natürlich auch effektiv im Training (beim Longieren und Reiten) oder beim Verladen bzw. Fahren eingesetzt werden und dem Pferd zum nötigen Körpergefühl sowie Gleichgewicht zu verhelfen.  

Das ängstliche Pferd

Das Körperband kann sich auf ein nervöses Pferd beruhigend auswirken, da es mit dem Nervensystem eine besondere Empfindung («Druckberührung») vermittelt. Aufgrund dieser leichten Druckberührung auf der Haut, reagiert das Pferd mit Entspannung und Beruhigung. (Was natürlich auch bei den Hunden der Fall wäre). 

Dies kann ein Tierarztbesuch oder den Hufschmiedtermin deutlich vereinfachen. 

Einsatz beim Fohlen

Durch das Anlegen eines Körperbandes, kann dem Fohlen auf eine einfache, effektive und sichere Methode das «Aufhalftern» erleichtert werden. Denn das Fohlen bleibt im Gleichgewicht und trotzdem kann der Körper gesteuert werden, ohne dass am Kopf «herumgezogen» wird. Mit der Mutterstute zur Seite können so schon einige Kurzlektionen (z. B. aus dem «Fohlen ABC») geübt werden. 

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Vorbereitung und Anwendung 

Wie immer gilt auch hier: «die Sicherheit von Pferd & Reiter steht an oberster Stelle», weshalb man sich bei der Eingewöhnung auch genügend Zeit lassen sollte, damit sich das Pferd in seinem Tempo ans Körperband gewöhnen kann. 

Zu Beginn empfiehlt es sich, die Körperbänder zuerst an einem ruhigen, wohlerzogenen Pferd auszuprobieren, da auch für den Anwender ein gewisser Übungsbedarf besteht. 

Wenn man die Körperbandagen wieder abnimmt, sollte man dies von hinten nach vorne tun und immer alle losen Enden in der Hand halten, damit sich das Pferd nicht durch ein «flatterndes» loses Körperband erschrickt.

Sollte das Pferd zu Beginn die Hinterhand oder den Schweif extrem anspannen, sollte das Körperband erst über den Schweif angelegt werden, damit es im Notfall schnell wieder entfernt werden kann. 

Hat sich das Pferd nach dem regelmässigen Üben an das Körperband gewöhnt, sollte man dieses so fixieren, dass es zwar nicht zu eng anliegt, aber auch nicht durchhängt. 

Wenn man sich für einen regelmässigen Einsatz mit dem Körperband entscheidet, sollte man sich dafür eine extra Bandage zulegen (welche schön nachgiebig ist), da sich die gewöhnlichen Stallbandagen nicht wirklich dafür eignen. 

 

Wie lange sollte das Körperband im Training eingesetzt werden? 

Dazu kann ich euch leider keine pauschale Antwort liefern, da dies auf jedes einzelne Pferd abgestimmt werden sollte. In Kursen wird es oftmals 20- 60 Minuten eingesetzt, dies ist aber eben nur ein Richtwert. Ich empfehle es jedoch dosiert anzuwenden. Bei einer positiven Reaktion des Pferdes kann es zu Beginn gerne öfters verwendet werden. Jedoch möchten wir ja auch, dass das Pferd lernt die korrekte Haltung selber zu finden. Auch sollte es abwechslungsreich eingesetzt werden. Es muss ja auch nicht immer im Training eingesetzt werden. Nein, die korrekte Haltung kann auch auf der Weide oder in der Box gelernt werden, sogar ohne, dass es das Pferd merkt ;-)

Persönliches Fazit: Das Körperband verbessert das Bewusstsein des Pferdes für den eigenen Körper und somit seine Fähigkeit, sich flüssig und koordiniert zu bewegen.

Zusammenfassend scheinen Körperbänder dem Pferd eine erhöhte Wahrnehmung seiner selbst zu geben und erhöhen dadurch Vertrauen und Gleichgewicht zu verbessern. 

So nun kennt ihr die Wirkung bzw. positiven Effekte sowie die Anwendungsbereiche vom Körperband, weshalb ich im nächsten Blogteil gerne noch etwas detaillierter auf die Anlagetechnik eingehen werde.

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