Kissing Spines

Rückenschmerzen sind leider eine sehr verbreitete Krankheit bei Pferden. Viele Pferde haben verspannte Muskeln, reagieren heftig, wenn man über den Rücken streicht oder wehren sich beim Reiten. Dies kann verschiedene Ursachen haben von Verspannungen, blockierte Wirbel, Zerrung bis hin zu Kissing Spines.

 Kissings Spines wird leider mehr diagnostiziert.

 

Zuerst beschäftigen wird uns jetzt mit der Anatomie des Rückens eines Pferdes.

Die Wirbelsäule eines Pferdes stellt eine Art Brückenkonstruktion dar. Viele kleine Wirbelkörper bilden das Rückgrat, getrennt durch dazwischen liegende Bandscheiben, die als Knorpel dämpfend wirken, sie sind untereinander verbunden mit Bändern und Muskeln. An den Wirbeln befinden sich nach oben weisende Ausläufer auf, die Dornfortsätze. Diese sind nicht nur unterschiedlich geformt, am Widerrist etwas länger, an anderen Stellen kürzer und breiter, sie sind auch unterschiedlich geneigt. Das ändert sich ab ca. dem 14 Brustwirbel, die hinteren Brust- und Lendenwirbel neigen die Dornfortsätze nach vorne. So entsteht ein Bereich in dem sich die Dornfortsätze besonders nahe sind. Der lange Rückenmuskel ebenso wie das Nacken- und Rückenband stützen und festigen das Rückgrat. Sie richten den Rücken auf und verhindern so ein Durchhängen der Konstruktion. Ebenso wichtig ist die Bauchmuskulatur, die von unten stützt und dazu beiträgt, dass der Rücken sich aufwölbt.

 

Definition:

Es wird unterschieden zwischen eng stehenden Dornfortsätzen, berührenden Dornfortsätzen (Kissing Spines) und über überlappenden Dornfortsätzen (overriding Spines). Bei Kissing Spines berühren sich also die Dornforsätze der Wirbel und reiben aneinander. So entsteht eine sehr schmerzhafte Entzündung. In den extremen Fällen können sich die Dornfortsätze auch überkreuzen oder sogar zusammenwachsen. Am häufigsten treten Kissing Spines von T10- T18 auf. Meistens sind auch nicht nur zwei sondern gleich mehrere Wirbel betroffen.

Wenn die Dornfortsätze sich berühren , reiben die Knochen aneinander, was beim Pferd starke Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen hervorruft. Mit der Zeit entsteht eine feste knöcherne Verbindung zwischen den Dornfortsätzen, sodass diese nicht mehr aneinander reiben, sondern fest verbunden sind. So wird in diesem Bereich der Wirbelsäule die Beweglichkeit eingeschränkt.

 

Bei Kissing Spines unterscheidet man in drei Graden.

 

Grad І: Verkleinerte Zwischenräume zwischen 2 oder mehreren Dornfortsätzen mit geringgradiger Sklerosierung der Corticalisränder

 

Grad ІІ: Zwei oder mehr berührende Dornfortsätze mit mittelgradiger Sklerosierung der Corticalisränder

 

Grad ІІІ: Zwei oder mehr berührende und überlappende Dornfortsätze mit Sklerosierung der Corticalisränder und/ oder osteolytische Zonen

 

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Ursachen:

Besonders gefährdet sind Pferde mit Senkrücken und wenig Rückenmuskulatur. Deformationen der Zwischenwirbelgelenke, beispielsweise durch Arthrose, führen zu einen Absinken des Rückens und können dann Kissing Spines zur Folge haben. Bei betroffenen Pferden senkt sich der Rücken hinter dem Widerrist stark ab. Vor allem bei alten Pferden ist das häufig zu sehen, da im Alter oft die Muskeln und Bänder nicht mehr so elastisch und leistungsfähig sind. Es sind jedoch nicht nur alte Pferde betroffen sondern auch öfters junge. Ein Senkrücken bedeutet aber natürlich nicht zwangsläufig Kissing Spines, auch seitliche Deformationen und Verbiegung der Wirbelsäule können das Kissing Spines Risiko erhöhen. Pferde mit einem kurzen Rücken scheinen darüber hinaus häufiger betroffen zu sein als Pferde mit einem langen Rücken. Aber nicht nur die Anatomischen Gegebenheiten eines Pferdes seine hier erwähnt. Der Mensch ist hier ein wichtiger Faktor. Der Pferderücken wäre ja eigentlich nicht zum Tragen gemacht, was heisst denn nicht genügen Muskulatur vorhanden ist kann der Rücken des Pferdes unter dem Reitergewicht nachgeben und sich dann durchbiegen. Es sollte also bei Training darauf geachtet werden, dass das Pferd genügen Rückenmuskulatur hat und den Rücken aufwölben kann unter dem Reitergewicht. E sollte auch darauf geachtet werden, dass das Reiter Pferd Verhältnis stimmt, nicht nur in Grösse sondern auch im Gewicht.

 

Symptome:

Verminderte Rückenmuskulatur, Bewegungseinschränkungen vertikal wie horizontal, Abwehrbewegung beim Putzen, Sattelzwang, Ungehorsam beim Aufsteigen, Durchbiegen des Rückens bei den ersten Schritten bzw. extremes Aufwölben des Rückens, Steigen, Bocken, Schwierigkeiten beim Biegen, Verwerfen, schiefes gehen, Kopf- und Schweif schlagen, klemmen,

Taktstörung, Probleme beim Setzten und in den Übergängen. häufiges Umspringen im Galopp, Hinterhandfehler und Lahmheit. Viele Kissing Spines Pferde müssen sich auch zuerst wie warm laufen, sie können anfangs ganz steif und teilweise auch nicht ganz rund laufen was sich aber mit der Zeit des Aufwärmens bessert.

Diese Symptome können alles auf Kissing Spines hindeuten können aber natürlich auch eine Vielzahl anderer Ursachen haben. Um sicher zu gehen sind auf jeden Fall Röntgenbilder anzufertigen!

 

Klinische Diagnose:

Vielfach kann bei einer Adspektion eine lokale oder generell verminderte Ausbildung der Rückenmuskulatur durch die schmerzbedingte eingeschränkte Beweglichkeit verursacht werden. Palpatorisch ist meist neben einer Schmerzhaftigkeit auf ein erhöhter Muskeltonus nachweisbar. Neben der Untersuchung in der Ruhe sollte das Pferd auch immer in der Bewegung vorgestellt werden. Hierbei zeigen sich die Schmerzsymptome in der Regel deutlicher. Dabei sollte das Pferd erst frei und dann mit Longiergurt beurteilt werden. Beim Longieren zeigt das Pferd oft Balanceschwierigkeiten und lehnt sich in die Kurve, anstatt sich zu biegen.

 

Röntgen Diagnose:

 Qualitativ hohe Röntgenbilder sind Grundvoraussetzung für die Diagnose. Entscheidend dabei sind, nicht nur die Dornfortsätze sondern auch die Facettengelenke sowie die Wirbelkörper.

 

Therapie:

Es gibt die Medikamentelle-, Chirurgische und Physikalischetherapie.

 

Mediakmentell:

  • ·         lokale Infiltartion mit Entzündungshemmern und Ultraschallkontrolle
  • ·         Mesotherapie
  • ·         Förderung der Muskelbildung
  • ·         Systemische Schmerzmittel
  • ·         Lokale Applikation von entzündungshemmenden und durchblutungsfördernd Salben

Chirurgisch:

  • ·         Resektion des berührenden Dornfortsatzes
  • ·         Abfräsen des berührenden Teils und einlegen von körpereigenem Fettgewebe als Schutz

(Eine chirurgische Intervention ist nur in denn aller seltensten Fällen indiziert)

 

Physikalisch:

  • ·         Stosswelle
  • ·         Magnetfeld, Laser, Ultraschalltherapie
  • ·         Solarium
  • ·         Chiropraktiker
  • ·         Osteopathie
  • ·         Massage

 

Die Entzündungshemmer werden entweder mit dem Futter verabreicht oder direkt in die betroffene Stelle gespritzt. Es reicht allerdings nicht die Entzündung zu bekämpfen, solange die Ursache also das Rieben zwischen den Dornfortsätzen bestehen bleibt. Daher muss die Muskultur wieder aufgebaut werden. Es muss dann konsequent trainiert werden. Logieren, Cavalettiarbeit usw. Wichtig ist es hierbei, dass das Pferd den Rücken aufwölbt und nicht wegdrückt.

 

Ist die Entzündung allerdings sehr stark oder die Knochen haben sich bereits verändert, sieht die Prognose meist nicht ganz so gut aus. In solchen Fällen ist es wichtig, mit dem Tierarzt zu erörtern, ob das Pferd wieder schmerzfrei geritten werden kann. Hat ein Pferd starke Schmerzen, die sich auch durch eine Behandlung nicht bessern, sollte man genau darüber nachdenken, was mit dem Pferd zu tun ist. Denn stellt man das Pferd auf die Koppel verliert es noch mehr Muskeln und das Problem kann sich noch verstärken. In einem solchen Fall kann es die beste Lösung sein das Pferd zu erlösen.

Vorbeugung:

Die wichtigste Vorbeugung besteht in einer pferdegerechten Ausbildung. Das Pferd muss lernen, unter dem Reitergewicht den Rücken aufzuwölben, seine Balance zu finden und mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt zu treten. Ausserdem sollte auch einen passenden Sattel nicht verzichtet werden.

(Bilderquelle: Google)

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(1) Kommentare

  • Zusammen Fasung

    Danke für den Beitrag

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