Jungpferdeausbildung - ein kleines Tagebuch (Teil 1)

Sie hat wieder begonnen, meine Lieblingszeit: die Ausbildung der Jungpferde. Eine spannende, abwechslungsreiche, aber auch intensive Zeit, an welcher ich euch in diesem Jahr teilhaben lassen möchte. Bereits seit fünf Jahren habe ich das Glück, junge Freibergerpferde ausbilden zu dürfen. Während ich bis vor drei Jahren nur die jungen Freiberger der Pferdezucht Fürberg ausbildetet, bereite ich zwischenzeitlich auch vermehrt auswärtige Pferde, auf den Ernst des Lebens unter dem Sattel vor.  


 Die Ausbildung der Jungtiere ist jedes Jahr eine tolle, aber auch anstrengende Zeit. Es ist immer eine etwas knifflige Aufgabe, alles unter einen Hut zu bringen: Jungtiere, Studium und die anderen Pferde. Wobei angemerkt werden muss, dass die Pferde nie unter der etwas stressigen Situation leiden müssen. Eher muss ich mich in dieser Zeit an der Nase nehmen, dass sich die ganzen Schulutensilien nicht vernachlässigt fühlen. Aber diese haben ja zum Glück keine Gefühle und können ihr Leid auch niemandem klagen;-) 


Während die auswärtigen Ausbildungspferde erst zu einem späteren Zeitpunkt eintrudeln, hat die Ausbildungsphase der Jungtiere auf dem Hof bereits begonnen. Somit nimmt nun eine spannende, lernreiche aber auch intensive Zeit ihren Lauf. Ende Oktober zogen die Jungtiere, bei uns auf dem Hof, von der Fohlenweide in ihre eigene Boxe um. Die ersten eineinhalb Monate hatten die Sprösslinge Zeit, sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben. Sie durften die Weide geniessen und wurden noch nicht mit ihren neuen Aufgaben als Reit- und Fahrpferde konfrontiert. Erst Mitte Dezember begann ich die Kleinen langsam zu Arbeiten. 


Die Jungspunde, welche sich zurzeit unter meinen Fittichen befinden, heissen Navaro und Vinn v. Fürberg. Beide kennen das Fohlen- ABC und konnten ihr Leben bis jetzt in vollen Zügen, auf grosszügigen Weiden im Herdenverband, geniessen.


Navaro ist ein bald drei jähriger Freibergerwallach in schwarzem Kleid. Ein echter Hingucker, denn bei Freiberger Pferden ist diese Farbe nicht ganz üblich. Der Kleine wurde als Fohlen zugekauft und genoss die Jugend auf der Fohlenweide der Pferdezucht Fürberg. Er ist ein kräftig gebauter Wallach mit eher grossem Kopf, was mir bei der Zaumsuche definitiv ein wenig zum Verhängnis wurde. Die normalen Zäume, die ich besass passten nicht, also kaufte ich einen Kaltblutzaum. Als ich den Zaum anprobieren wollte kam die bittere Enttäuschung. Der Zaum ist für kleine Elefäntchen, nicht jedoch für einen Freiberger mit etwas grossem Schädel. Also ging die Suche weiter. Ich bastelte aus allen Zäumen die ich besass, aus den längsten und grössten Stücken, einen Zaum zusammen. Farblich natürlich nun nicht mehr ganz passend, aber endlich - der Zaum passte! So hatte ich nun endlich die Möglichkeit, Navaro an den Zaum und die Trense zu gewöhnen. Ich zäumte ihn auf und liess ihn eine viertel Stunde, unter Beobachtung, in seiner Boxe mit dem Zaum herumlaufen. Navaro liess sich wunderschön aufzäumen. Was das komische Ding im Mund jedoch soll verstand er nicht so ganz und kaute fleissig. Am nächsten Tag dann wieder dasselbe Prozedere, nur dieses Mal mit anschliessendem Longieren. In einem abgesteckten Bereich durfte der junge Herr seine ersten Runden an der Longe drehen. Er lief fleissig vorwärts und durfte nach einer viertel Stunde wohl verdient zurück in seine Boxe. Mir ist es zu Beginn sehr wichtig, die Arbeitseinheiten kurz zu halten. Die Pferde sollen kurz Arbeiten und sich in diesem Moment voll und ganz auf das Neue konzentrieren. Die Longierdauer wird dann langsam gesteigert. Da Navaro beim ersten Mal so toll mitmachte probierte ich es beim zweiten Mal bereits mit Sattel obendrauf. Der Bursche liess sich ohne mit den Wimpern zu zucken satteln. Wirklich toll, wenn alles so reibungslos klappt! Auch beim anschliessenden Longieren lief alles super. Ein kleiner Bocksprung zu Beginn und lief er mit dem Sattel im Kreis, als hätte er noch nie was anderes getan. Auch als Handpferd läuft Navaro im Gelände perfekt mit. Nichts bringt ihn aus der Ruhe und mit gesundem Go läuft er die ganze Zeit eifrig neben meinem Pferd mit.  Ich bin richtig stolz auf diesen Burschen und hab mich jetzt schon in ihn verliebt ;-)


Vinn v. Fürberg ist ebenfalls ein bald drei-jähriger Freiberger Wallach. Er ist im Besitz einer Kollegin und auf dem Fürberg geboren. Seine Jugend genoss er auf einer tollen Fohlenweide in Moosleerau. Dort wuchs er zu einem stattlichen Pferd heran und darf nun seine Ausbildung und seine Zukunft im alten zu Hause auf dem Fürberg geniessen. Vinn ist ein sehr ruhiger und ausgeglichener junger Herr. Er konnte problemlos aufgezäumt werden und absolviert seine erste Longenlektion völlig gelassen. Kurz gesagt, diesen Fribi bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Bereits beim ersten Mal longieren, trottete er seine Runden gemütlich im Schritt. Auch im Trab bewegte sich Vinn locker und schwungvoll ohne Hektik. Einzig das Abreiben mit der Geisel fand er noch etwas mysteriös. Aber auch daran wird sich der Bursch garantiert noch gewöhnen. Ich freue mich definitiv sehr, auf die weiteren Schritte in der Ausbildung von Vinn. Ein richtig toller Freiberger, welcher mir und seiner Besitzerin zukünftig sicher noch ganz viel Freude bereiten wird. 


So und nun stehen meine Prüfungen an erster Stelle. Die Jungtiere dürfen nun noch einmal ihre absolute Freiheit geniessen, bevor es Ende Januar mit der Ausbildung weiter geht.

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