Jungpferdeausbildung - das erste Aufsitzen aufs junge Pferd

Endlich meint es das Wetter gut mit uns. Der Frühling naht und mein Reiterherz schlägt höher. Nach längerem Unterbruch konnte ich nun mit der Ausbildung der Jungpferde fortfahren. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass nicht nur ich, sondern auch die jungen Pferde darüber glücklich waren. Sie zeigen grosse Freude an der Abwechslung und vor allem geniessen sie es, die Aussenwelt als Handpferd erkunden zu dürfen. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie die verschiedenen Pferde die Ausritte an der Hand absolvieren.

Navaro, die schwarze Perle, ist ein kleiner Draufgänger. Am liebsten hätte er die Nase an erster Stelle und würde das Tempo gerne selber bestimmen. Erschrecken lässt er sich draussen, an der Seite von meinem Pferd Indigo, von nichts. Beim letzten Ausritt ist uns der Schäfer mit zig Schafen und einem Esel begegnet. Ich selber dachte schon „Ohje, das wird ein Tanz“, aber nein, Navaro lief gemütlich an den Schafen und dem interessiert guckenden Esel vorbei. Ja dieses Pferd ist genau meine Wellenlänge - einen gesunden Vorwärtsdrang, mutig und lernwillig, genau wie ich es mag!
Hilara, eine schnuckelige Fuchs- Stute, läuft an der Hand lieber hinten ab. Wieso auch eilen, wenn es doch gemütlich geht? Das ist das Motto der Dame. Na und so ist jedes Pferd anders und das ist genau das Spannende an der Ausbildung.

Aber nun noch kurz: Auf was muss geachtet werden, wenn man ein junges Pferd an der Hand ins Gelände mitnehmen möchte?
Beim Handpferdereiten mit jungen Pferden spielt das Reitpferd eine wichtige Rolle. Das Pferd unter dem Sattel sollte ein Verlasspferd sein, welches sich von den Unsicherheiten der jungen Pferde nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ebenfalls darf das Pferd unter dem Reiter keine Mühe damit haben, wenn das Jungpferd ganz nahe an ihm läuft oder auch hinter ihm klebt. Neben dem Reitpferd spielt auch die Ausrüstung eine entscheidende Rolle. Die Ausrüstung hat Einfluss auf die Sicherheit und daher ist ihr Beachtung zu schenken. Ich nehme die Pferde an der Hand aufgezäumt mit. So können sich die jungen Pferde an die Trense gewöhnen und ich habe als Reiterin mehr Einfluss auf meinen unberittenen Begleiter. Befestig wird am Zaum eine Longierbrille und an dieser ein langes Seil. Ich persönlich schwöre auf lange Führseile, zum Beispiel aus dem Bodenarbeitsbereich, da auch wenn das Pferd einmal etwas abrupt stehen bleibt, ich nicht gleich das Seil aus der Hand gerissen bekomme. Ebenfalls habe ich bei den jungen Pferden gerne eine Gerte zum antippen der Hinterhand dabei. Mit der Gerte kann ich sie unterstützen aktiv vorwärts zu laufen und ebenfalls lernen sie beim richtigen Einsatz auch gleich, dass die Gerte ihnen nichts Böses will.

Das erste Aufsitzen auf das junge Pferd
Es ist jedes Jahr wieder ein Highlight und lässt mich strahlen wie ein Marienkäfer - das erste Aufsitzen auf die jungen Pferde. Nach dem die 3- jährigen Pferde anlongiert wurden und ihre ersten Ausritte an der Hand genossen, ist die Zeit reif sich in den Sattel zu schwingen. Die Vorbereitungsphase dauert je nach Pferd unterschiedlich lang und sollte individuell dem Pferd angepasst gestaltet werden.
Bevor ich mich definitiv in den Sattel schwinge werden ein paar „Turnübungen“ neben und am Sattel durchgeführt. Einmal etwas hüpfen neben dem Pferd, dann den Fuss einmal in den Steigbügel stellen und mit dem am Boden gebliebenen Fuss etwas hin und her wippen. Reagiert das junge Pferd kaum, ist der nächste Schritt sich einmal über den Sattel zu legen und das Pferd überall zu berühren. Diese Übungen werden wiederholt, bis das junge Tier das Ganze vollkommen gelassen nimmt. Und dann ist es soweit, dann kann man sich das erste Mal auf den Rücken des Pferdes setzten. Sitze ich dann oben berühre ich das Pferd wiederum an den verschiedenen Stellen und bewege meine Arme langsam hoch und seitlich um zu schauen, wie das junge Pferd auf die ungewohnte Situation reagiert. Wenn das Pferd ruhig und cool bleibt werden die ersten Schritte gelaufen. Die ersten Schritte mit Reitergewicht auf dem Rücken finden geführt an der Hand statt. Dies hat mehrere Gründe: Zum Einen fühlen sich die Jungpferde sicherer, wenn noch jemand neben ihnen herläuft und zum Anderen muss der Reiter weder Richtung noch Tempo bestimmen und das junge Tier kann sich langsam an das Gewicht auf dem Rücken gewöhnen. 

Der nächste Schritt sind dann die ersten Runden an der Longe mit Reitergewicht. Hierfür muss das Pferd bereits etwas selbständiger laufen und der Reiter muss nun etwas mehr Führung übernehmen als zuvor an der Hand. 

 

Zu den anderen beiden Tagebucheinträgen gelangt ihr hier: Teil 1 - die ersten Schritte in der Jungpferdeausbildung und Teil 2 - der Winter hindert uns an der Ausbildung der jungen Pferde.

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