Interview mit Philipp Züger

Er erreichte bereits in seinen jungen Jahren mehr, als sich manch erfahrener Reiter je zu erträumen wagt. Die Rede ist vom erfolgreichen Springreiter und Scarabeus Testimonial Philipp Züger.
Gerne habe ich ihm für euch ein paar ganz private Fragen gestellt:

Wie alt warst du bei deinem ersten Reitversuch?
Das ist eine gute Frage. Mein Papa hat mich schon als kleines Kind mit aufs Pferd genommen. Ich war also schon auf dem Pferd unterwegs bevor ich überhaupt laufen konnte.

Welcher Erfolg bedeutet dir persönlich am meisten und weshalb?
Sehr schwierig zu sagen. Die beiden Europameister-Titel 2008 bei den Jungen Reitern waren sicher Meilensteine, welche mir auch sehr viele Türen geöffnet haben. Sehr schön waren aber zum Beispiel auch die beiden GP-Siege in Uster. Vor Freunden und Bekannten einen so traditionellen GP zu gewinnen ist ein sehr tolles Erlebnis. Was mir aber am meisten bedeutet ist, dass ich diese Erfolge zusammen mit Liatos feiern konnte. Liatos kam als 2-Jähriger zu uns. Ich konnte mit ihm zusammen gross werden und Stufe für Stufe in Angriff nehmen.

Seit Herbst 2011 bist du als Testimonial von Scarabeus unterwegs. Wie identifizierst du dich mit dieser Marke?
Ich kannte die Initianten von Scarabeus bereits gut aus der Springreiter-Szene. Ich bewundere den Mut und die Entschlossenheit des gesamten Teams, die Reitsportbekleidung zu revolutionieren. Es ist eine riesige Herausforderung traditionelle Reitsportmode mit innovativen Materialien und spannendem Design zu verbinden. Deshalb unterstütze ich das Scarabeus- Team und bin froh, dass ich ihrerseits das Vertrauen als Testimonial erhalte.

Wie bringst du alles unter einen Hut (Beruf & Sport)?
Es ist oft nicht ganz einfach. Beruflich bin ich an der Planung eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Diese Arbeit macht mir momentan grossen Spass. Neben der Ausbildung junger talentierter Pferde und dem Einsatz meiner erfahreneren Pferden an grösseren Turnieren bemühe ich mich mein Jus-Studium bald abzuschliessen. Sehr wichtig ist dabei ein gut funktionierendes Team im Hintergrund. Eine grosse Rolle nimmt dabei auch meine Familie wahr.

Vermisst du das Leben als Vollzeit-Berufsreiter nicht?
Manchmal denke ich, es wäre schön, wenn ich mich voll und ganz auf den Reitsportkonzentrieren könnte. Es ist sicher auch spannend jede Woche ein grossesTurnier, in einer anderen Stadt zu reiten. Aber es ist auch sehr anstrengend, sogut wie nie zuhause zu sein. Auf der andern Seite habe ich momentan ein sehr abwechslungsreiches Leben. Und wer weiss was noch kommen mag. Der Reitsportkennt bekanntlich keine Altersgrenze.

Wie trainierst Du Deine Pferde und wie oft?
Das kommt sehr auf die Turnierplanung an. Hauptsächlich wird dressurmässig gearbeitet. Dazu kommen etwa einmal die Woche Spring- oder Gymnastiktrainings. Natürlich darf aber auch ein entspannender Ausritt nicht fehlen.

Gibt es bei dir nicht auch Tage, an denen Du das Training manchmal ausfallen lassen möchtest, um stattdessen mit Deinen Freunden etwas zu unternehmen? Was motiviert Dich?
Wenn man Ziele hat und diese auch ernsthaft erreichen möchte wird man keine Probleme haben sich zu motivieren. Natürlich gibt es auch bei mir manchmal Tage an denen ich nicht richtig fit bin. Aber auch Pferde haben mal einen schlechten Tag. Man muss ja nicht immer arbeiten, da hilft meistens ein Ausritt. Der  entspannt und stärkt die Bindung zwischen Pferd und Reiter.

Du kommst aus einer bekannten Reiterfamilie, wie unterstützt ihr euch gegenseitig?
Das ist natürlich ein grosser Vorteil für mich. Ich kann mich ständig mit meinem Vater oder meiner Schwester Annina über die Entwicklung der Pferde oder über Anpassungen des Trainings austauschen. Sehr wertvoll ist natürlich auch der Teamspirit an den Turnieren. Wir schauen gemeinsam den Parcours an und diskutieren über Schwierigkeiten oder versteckte Klippen. Nach dem Parcours analysieren wir sofort, damit es der nächste von uns besser machen kann.

Wie nervös bist Du vor einem Turnier? / Wie bekämpfst Du Deine Nervosität?
Ich bin nur noch vor ganz grossen Prüfungen nervös. Aber das Kribbeln vor dem Start ist natürlich jedes Mal präsent. Ich arbeitete einige Zeit mit einem Mentaltrainer zusammen. Dieser brachte mir Techniken bei, die mir halfen meine Konzentration im Parcours trotz Nervosität hoch zu halten.

Wer ist Dein größtes Vorbild? Marcus Ehning. Dynamik, Ruhe, Effizienz.

Mit welchem/er  Sportler(in) würdest Du gerne einmal trainieren und weshalb?
Stan „the Man“ Wawrinka. Er musste sich sehr lange durchbeissen und hat nie aufgegeben. Ich habe grossen Respekt vor seinem Durchhaltewille und seiner Ausdauer. Und wenn ich nicht vom Pferdevirus befallen wäre, dann hätte ich es mit Tennis versucht.

Was ist das lustigste, was dir mal beim Sport passiert ist?
Ich durfte im Reitsport schon sehr viel Lustiges erleben. Z. B. am CSI Genf ritt ich ein Equipenspringen verkleidet als Weihnachtsmann mit einem Pony. Oder am CS Rüti musste ich einen Wetteinsatz von einer Ridersparty einlösen. Ich musste mit langer brauner Perücke reiten. Die Jury gab lange Zeit kein Glockenzeichen, weil sie mich nicht erkannten.

Du hast schon sehr vieles in deinem jungen Leben erreicht, gibt es trotzdem etwas was du gerne noch erreichen würdest?
Mein Traum ist es nach wie vor, einmal die Schweiz an einem grossen Titelkampf zu vertreten.

Was  für ein Tipp möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Im Reitsport weiss man nie was morgen passiert. Wenn du Träume hast, dann verfolge sie. Auch wenn es harte Zeiten gibt, in denen deine Träume vielleicht unerreichbar scheinen, bleib dran, arbeite stets an dir und entwickle dich weiter. Wenn sich dir eines Tages Möglichkeiten eröffnen, musst du bereit sein um zuzupacken.

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