Interview mit Botschafter Lucas Sturzenegger

Vor kurzem hast du erfahren, dass du für die Saison 2015 weiterhin im Kader der Jungen Reiter bist. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Was bedeutet dies nun für dich und deine Pferde, Mitglied des Kaders der Jungen Reiter zu sein? Training, Turniere etc.

Lucas: Danke erstmal! Ohne die Unterstützung meiner Familie, der Sponsoren oder Reitsport.ch wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen.
Persönlich bedeutet die Aufnahme ins Kader bzw die Verlängerung des Kaders für mich natürlich eine grosse Verantwortung. Als Kadermitglied habe ich die Ehre, die Schweiz an internationalen Turnieren zu vertreten. Die Augen der Öffentlichkeit sind mehr auf dich gerichtet, was ich zunehmend wahrnehme. Als Kadermitglied werde ich durchs Jahr hindurch an verschiedene Turniere geschickt. Dort bestreiten wir als Team dann meist einen Nationenpreis, und das ist richtig cool, wenn man als Team so einen Teamgeist hat wie wir zum Beispiel in Lamprechtshausen letztes Jahr hatten, als wir den Nationenpreis gewonnen haben. Auf Turnierplätzen wirst du plötzlich erkannt, was mir natürlich extreme Freude bereitet, da ich sehr offen bin und gerne neue Leute kennenlerne. Meine Pferde sind durch die Turniere und die Anforderungen auf diesem Niveau natürlich besonders gefordert. Sie verdienen als Spitzensportler extreme Aufmerksamkeit in der täglichen Arbeit und Pflege, denn anders können sie keine Höchstleistungen bringen. Durch die Mehrbelastung durch die vielen Turniere arbeite ich meine Pferde sehr oft in der Dressur und vielleicht mal über kleine Stangen und Cavalettis. Gesprungen wird zur Schonung nur vor dem Turnier.

 

Kannst du uns etwas über deine Spitzenpferde erzählen?

Lucas: Mit Espoir hatte ich die grössten Erfolge diese Saison.Er ist ein 10 jähriger belgischer Wallach. Er zeichnet sich durch seine extreme Vorsicht am Sprung aus, wie auch durch sein Vermögen und sein Siegeswille. Espoir will keinen Fehler machen und das merkst du als Reiter natürlich, wenn dein Pferd eine solche Einstellung hat. Mit ihm habe ich grosse Erfolge feiern können, wie zum Beispiel den Sieg in Lamprechtshausen im Nationenpreis, den vierten Platz im Grossen Preis von Lamprechtshausen, den Sieg in Marsens im 145 wie auch den zweiten Platz in Avenches im 145, den zweiten Rang an der Schweizermeisterschaft der Jungen Reiter und auch dank den konstanten Resultaten die STT Jahreswertung über 145.

Cumano ist ein 11 jähriger Westfalen Wallach. Er ist mein weisser Riese, da er ein Schimmel ist und ca 180cm Stockmass hat. Mit ihm konnte ich in Elgg das 140 und das Sixbarres über 190 gewinnen. Er zeichnet sich durch sein Vermögen aus, dressurmässig hat er extrem viel dazugelernt in der vergangenen Saison. Er ist viel selbstbewusster geworden. Das habe ich durch die Saison gemerkt, als die Probleme am Wasser verschwanden und er auch noch bei 190 ohne zu zögern abspringt!

Und dann hab ich noch Centoubet. Er ist ein 11 Jähriger Oldenburger Wallach. Cento wie ich ihn nenne ist extrem Vorsichtig und fein zu reiten. Auch er hat ein riesiges Vermögen. Mit ihm konnte ich grosse Erfolge feiern in Avenches als er 4 im 140 wurde und sich somit wie im Vorjahr auch schon sehr gut platziert hat. Dieses Resultat konnte ich noch in Marsens toppen, als ich mit ihm hinter Espoir auf dem 2. Rang klassiert war im 145! Im Moment muss er noch eine Verletzung auskurieren, aber da lass ich ihm genug Zeit. Ich bin zuversichtlich, dass ich nächste Saison an diesen Resulaten aufbauen und anknüpfen kann.


Wie sieht die Wintersaison bei dir aus bezüglich Turnieren und Training oder haben deine Pferde auch eine Winterpause?

Lucas: Meine Pferde befinden sich seit ihrem letzten Turnier in Elgg in einer Pause. Für mich ist das sehr wichtig, dass bei den Pferden die Pause zwischen den Turnieren nicht zu kurz kommt, denn es sind keine Sportgeräte sondern Tiere, die wie ich auch einfach mal abschalten müssen. Das erste Turnier wird im Januar der CSI in Basel sein. Vorher bestreite ich nach Absprache mit meinen Eltern vielleicht noch ein Turnier als Vorbereitung. In der Winterpause baue ich auch noch die Muskeln meiner Pferde auf, stärke ihre Konzentration in der Arbeit und fokussiere mich auch auf die Ausdauer. Das Training ist meist locker aber fordert die Pferde genug. Die Tage vor dem Winter nutze ich noch, um mit ihnen so oft wie möglich ins Gelände zu gehen. Ich merke einfach, dass meine Pferde da extrem abschalten und mal die Seele baumeln lassen können.

Wie planst du das Training und die Turniere deiner Pferde?

Lucas: Ich plane die Trainings meiner Pferde in der Turniersaison sehr genau. Ich merke, wenn ein Pferd mal einen schlechten Tag hat und passe mich und meinen Plan dem auch an, indem am nächsten Tag nur longiert wird oder ausgeritten wird. Unter der Woche schaue ich, dass meine Pferde am Vortag des Turnieres noch einmal entspannen können. Und davor wird noch trainiert und versucht zu verbessern was geht. Da Verbesserungen bei Pferden nicht vom einen auf den anderen Tag lösbar sind, nehme ich mir auch Zeit, trotzdem ist immer ein (wenn auch kleiner) Fortschritt erkennbar.

 

Machst du dies alleine oder hast du Hilfe?

Lucas: Die Pferde werden von den Pflegern im Stall gepflegt und gefüttert. In der täglichen Arbeit habe ich manchmal Hilfe von zwei jungen Frauen im Stall, die ab und zu ausreiten oder die Pferde locker reiten. Verbesserungen und Fortschritt ist aber meiner Meinung nach Chefsache, das darf nur ich, denn im Parcours müssen die Pferde auch 100% auf meine Hilfengebung reagieren. Alleine wäre dieser ganze Aufwand gar nicht zu bewältigen. Auf Turnieren sind meine Eltern immer dabei. Sie helfen mir auch zu Hause mit administrativen Aufgaben meiner Pferde oder grösseren Entscheidungen.

 

Wie sieht ein Turnierwochenende bei dir aus?

Lucas: Das kommt drauf an. Internationale Turniere beginnen meist schon am Donnerstag. Das bedeutet, dass wir je nach Distanz meist am Dienstag oder Mittwoch losfahren. Die Pferde werden dann eingestallt und versorgt. Dann muss vor dem Beginn des Turnieres noch ein Vet-Check gemacht werden, was bedeutet, dass alle Pferde einem Tierarzt gezeigt werden müssen und dieser dann das OK geben muss. Dann muss ich als Reiter noch akkreditiert werden, denn die Stallzelte sind meist bewacht. Dann entscheide ich, welche Pferdes in welcher Prüfung an den Start geht. Wenn die Prüfungen am frühen Morgen sind, reite ich sie vorher nicht mehr. Wenn die Prüfungen um 10 oder 11 beginnen, kann es durchaus sein, dass ich um 7 Uhr nach dem Füttern die Pferde noch kurz lockere. Meiner Meinung nach kann man auf dem Turnier keine Verbesserungen machen, denn die brauchen Zeit. Alles was zu lang geritten ist vor dem Parcours nimmt dem Pferd die Energie für den Parcours.

Wenn es ein nationales Turnier ist fahren wir genug Früh hin, damit wir oder die Pferde keinem unnötigen Stress ausgesetzt sind. Dann werden die Pferde gesattelt und ich schau mir noch kurz mit meinem Bruder den Parcours an. Ab und zu hab ich noch Zeit, mich mit anderen Reitern über Schwierigkeiten auszutauschen.

 


Wir wünschen dir für die kommende Saison 2015 weiterhin alles Gute und Viel Glück!

 

Das könnte Dich auch interessieren‚‚

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.