Interview mit Botschafter Daniel Etter

Daniel Etter war 2009 Europameister und mehrmals auf den Podestplätzen an Schweizermeisterschaften im Springreiten. 2014 gehört er zum Elite Kader der Schweizer Springreiter - und ist Botschafter für reitsport.ch. Wir sind stolz, einen solchen Pferde- und Menschenkenner im erweiterten reitsport.ch-Team zu haben. Im Interview erzählt er über seinen "Handels-Sport-Stall" und dass er eigentlich erst spät mit dem Reiten anfing. 


 


Seit wann sitzt Du auf dem Pferd?


 


Ich reite seit 25 Jahren - ich  habe also nicht mit ganz Klein damit angefangen. 


 


Hast Du schon immer gewusst, dass sich Dein Leben um Pferde drehen würde?


 


Nein, das wusste ich nicht. Dafür, dass ich in einer Pferdefamilie aufgewachsen bin, habe ich relativ spät mit dem Reiten begonnen. Erst mit 14 oder 15 Jahren habe ich richtig mit dem Reiten begonnen. Mein Vater war schon internationaler Springreiter. Bei uns in der Familie galt dann aber die Bedingung, dass jeder zuerst einen “anständigen” Beruf erlernen muss. Ich machte eine Lehre als Bankkaufmann und schloss diese ab. In dieser Zeit habe ich aber auch gemerkt, dass für mich die Pferde die Zukunft sind. Das war in der Zeit, als ich zwischen 17 und 20 Jahren alt war. Aber vorher wusste ich lange nicht, in welche Richtung ich meinen Weg machen würde. Ich war nicht von Klein auf der begeisterte Reiter - ich hatte Freude, auf dem Pferd zu sitzen, klar, aber ich war nicht angefressen. Ich habe mich dann in die Arbeit mit Pferden selber “eingearbeitet”. 


  


Welches sind Deine top Pferde?


 


Ich habe mehrere.


 


Sicher eines der top Pferde ist L.B.Carwyn. Dann gehören auch noch Constanzia und Leopold VI zu meinen Besten. Diese Pferde haben im Moment das gewisse Alter und sind in top Form. Dann habe ich mehrere Jüngere.


 


Was waren in der jüngsten Vergangenheit Deine grössten Erfolge?


 


Ich war 2009 Europameister, 2 Mal Schweizer Meister in den Jahren 1995 und 2002, gewann dann auch Silber und Bronze an weiteren Schweizer Meisterschaften.


 


Gibt es für die nächsten Jahre Ziele? Olympia 2016 – Rio de Janeiro, Brasilien?


 


Olympia ist sicher ein Ziel - im Moment bin ich aber nicht in der ersten Auswahl im Schweizer Kader. Ich musste mich vor zwei Jahren umorientieren - jetzt habe ich viel mehr eigene Pferde und davon bin ich ein paar am Vorbereiten und Aufbauen - und erhoffe mir, dass es klappt.


 


Aber gleichzeitig muss ich mich auch ums Geschäft kümmern. Beides nebeneinander voran zu treiben ist schon viel. Und das Geschäft, der Pferdehandel, hat Priorität


 


Pferdesport oder  Pferdezucht  - was ist in Deinem Alltag Priorität?


 


Ganz klar der Pferdesport. Ich bin gar nicht der Züchter. Mein erstes Pferd war 6 Monate alt, als ich ihn gekauft hatte - aber das war das letzte Mal, wo ich so etwas machte. Meine Schwester, Andrea Etter, ist Züchterin. Sie hat in Irland, auf dem Belmont House Stud 200 Pferde - und sie kann das. Es gibt einfach Menschen, die eine Passion für die Zucht haben - das habe ich aber nicht. Ich kann mehr mit einem Pferd machen, wenn ich mich draufsetzen kann und merke, wie es sich reiten lässt.


Wie unterstützt Du jemand beim Pferdekauf?


 


Unsere Stärke hier ist, dass wir eine grosse Auswahl an Handelspferden haben. Unsere Fachkenntnis ist gross. Dadurch können wir sehr gut sehen, welche Pferde zu welchen Menschen passen. Das ergibt sich aus der gewissen Erfahrung, die wir hier auch haben - schon von meinem Vater her. Auch er gibt mir immer noch Unterstützung, so dass wir für den Reiter das bestmögliche Pferd finden - wenn es das Budget erlaubt.


 


Für jeden Reiter ist es wichtig, das passende Pferd zu seinem Leistungsstand zu finden. Wir müssen die Ziele des Reiters kennen und diese abgrenzen. Es bringt ja nichts, wenn ich einer 75-jährigen Dame, die Ausreiten möchte, ein 8-jähriges Grand Prix Pferd verkaufe - ausser natürlich sie wünscht dies explizit! Klar!


 


Auch nützt es nichts, wenn ich einem 12-jährigen Mädchen ein 4-jähriges Pferd verkaufe. Für ein solches Mädchen wäre es eher von Vorteil, wenn sie einen älteren Routinier hat. Ein Pferd, das ihr dann auch manchmal kleine Fehler verzeiht und sie so weiter bringt. Je besser dann nachher die Qualität des Reiters ist, desto mehr kann man auf die Qualität vom Pferd eingehen. Die Qualitäten der Pferde erkenne ich gut - das Pferd habe ich ja. Ich kenne es. Ich kann es besser einschätzen als den Kunden. Der Kunde ist manchmal schwieriger einzuschätzen. Wo hat der Kunde einen “Fehler”? Wo ist seine reiterliche Schwäche? Von den Pferden, die ich hier bei mir habe, kenne ich die Stärken und Schwächen oder weiss, was ein Pferd nicht erträgt. Dann muss ich schauen, wie der Kunde reitet, was er kann und was nicht. Wenn jemand immer am Ziehen und Zurückhalten ist, kann ich ihm kein Pferd verkaufen, das tendenziell dicht an die Sprünge heran geht. Dann käme das nicht gut. Solche Sachen muss ich abschätzen können, um die richtigen Vorschläge zu bringen. Die Qualität von Reiter und Pferd müssen zusammenpassen.


 


Wie viele Pferde reitest Du pro Tag?


 


Das ist unterschiedlich. Manchmal 3 manchmal 7 Pferde. Ich würde sagen, irgendwo zwischen 3 und 6 Pferden sind es im Durchschnitt.


Wie sieht ein Arbeitstag von Dir in etwa aus?


 


Immer anders - jeder Tag ist anders! Die Wochen haben eher eine gewisse Struktur. Das ist meist von Donnerstag bis Sonntag Turnier. Montag bin ich meist zu Hause. Und dann kommt es drauf an, ob ich ins Ausland muss, um Pferde zu schauen. Das fällt dann meist auf einen Dienstag oder Mittwoch - und dann beginnt eigentlich schon wieder das nächste Turnier. Dazwischen trainiere ich meine Pferde - zwischen 20 und 24 Tiere, die bei mir sind. Und das alles organisiere ich in meinem Alltag. Diese Pferde gehören zu meinem “Handelssportstall” - meinem Vater gehört der klassische Handelsstall. Meine Pferde werden alle an Turnieren geritten - und werden so trainiert, dass sie auch weiterhin erfolgreich sind und dann auch in höheren Kategorien gehen können. Aber gleichzeitig sind sie auch zum Verkaufen. Die Priorität ist bei mir, die Freude am Pferd. Ich kaufe die Tiere, weil ich Freude an ihnen habe - aber wenn sich jemand dafür interessiert - OK. Ich freue mich dann solange am Pferd, trainiere es und starte mit ihm.


 


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