Interview mit Adrienne Speidel - Einzel-Reinerin der Weltreiterspielen 2014

Zum perfekten Auftakt unserer Western-Woche darf eine Person natürlich nicht fehlen:
Ich freue mich, euch das Interview mit Adrienne Speidel (Einzel-Reinerin der Weltreiterspielen 2014) präsentieren zu dürfen und möchte ihr an dieser Stelle natürlich auch gleich zu dieser aussergewöhnlichen Leistung gratulieren.


War dies deine erste Teilnahme an den Weltreiterspielen?
Ja. Vor vier Jahren waren die Spiele in Kentucky. Als ich das alles im Fernseher gesehen habe und vielen davon erzählen musste, sagte ich zu mir: in vier Jahren werde ich da mit reiten!


Habt ihr nach deiner Ausscheidung gleich den Heimweg angetreten, oder konntet ihr auch noch ein bisschen die Gegend geniessen?
Da Chex (Chexylution) ziemlich müde nach seinem Lauf am Dienstag war, haben wir ihm einen Tag Ruhe gegeben und sind selber an die schöne Küste gefahren. Viel länger wollte ich ihn aber nicht in der Boxe dort lassen. Deshalb sind wir am Donnerstag nach Hause gefahren und haben das Finale am Samstag übers Internet geschaut.


Begleitete dich dein niedlicher Hund Denali an die Weltreiterspiele, oder hütete er brav zu Hause den Hof?
Nein leider nicht. Ansonsten ist er immer mit dabei. Er begleitet mich jeden Tag egal wo hin. Hunde waren auf dem Gelände der WEG nicht zu gelassen.


In Givrins erreichtest du genau die geforderten 216 Punkte für die Selektion der Weltreiterspiele. Was ging dir dabei als erstes durch den Kopf und wusstest du dabei schon, dass du als Einzel-Reinerin die Schweiz vertreten wirst?
Ich war erstaunt über mich selber und konnte es kaum glauben. Ich hatte die Hoffnung auf eine Quali schon fast aufgegeben.
Nein wusste ich noch nicht, da viele meiner Kader Kollegen noch reiten mussten.


Wie bist du mit dem Druck umgegangen, als Einzelreiterin eine ganze Nation zu vertreten?
Ehrlich gesagt hab ich mir darüber gar nicht viele Gedanken gemacht. Es war so oder so viel Druck da.


Chexylution ist gemäss deiner Aussage ziemlich jung und noch etwas unerfahren, wurden deshalb spezielle Trainings als Vorbereitung für die WEG durchgeführt, oder hätte man ihn damit überfordert?
Ich trainiere meine Pferde nach Gefühl. Klar muss ein Reining Pferd schlussendlich im Ring mit viel Druck umgehen können. Aber um sie darauf vor zu bereiten ist von Pferd zu Pferd verschieden. Bei Chex ist es so, dass er immer happy sein muss. Er ist, so denken wir, autistisch. Wenn er nicht happy ist, geht gar nichts mehr. Dann kann man gleich nach Hause fahren. Happy ist er wenn man ihn fair behandelt, immer wieder lobt wenn er was gut macht und ihm genügend zu fressen gibt.


Wie werden die Pferde zudem medizinisch darauf vorbereitet? Gibt es vorher auch schon regelmässige Vet-Checks?
Da Chex ziemlich fit ist und wir noch nie ein „Problem“ hatten brauchte es nicht viele Untersuchungen. Ich arbeite mit Chiropraktikern, Tierärzten und Hufschmieden zusammen welche ein grosses Fachwissen mit Sportpferden haben. So kann man auch vieles vorbeugen. Die Equipe Tierärztin Selma Latif kam einmal vorbei und hat ihn sich angeschaut. Sie war in Caen mit dabei und stand neben mir als ich den Vet-Check hatte.

 
Wenn alles weiterhin gut läuft, ist es dann dein Ziel, dich wieder mit Chexylution für die nächsten Weltreiterspiele zu qualifizieren, oder hast du andere Pläne mit ihm? 
Am Freitag sind wir zu Hause angekommen. Am Samstag sattelte ich Chex und habe ihm gesagt: heute fängt das Training für die WEG 2018 an. Chex ist ein sehr talentiertes Pferd. Ich glaube fest an ihn und bis zu den nächsten Spielen werden wir natürlich noch ein paar andere Turniere versuchen zu gewinnen.


Wo liegt das Durchschnittsalter bzw. was hältst du für das perfekte Alter für ein Reining-Pferd?
7-11 Jährig. Ab 7 oder 8 Jahren wissen sie um was es geht und ihr Körper ist stark genug.


Ich habe gelesen, dass dein ehemaliges Spitzenpferd All Star an Sehnenproblemen leidet, besteht für ihn die Möglichkeit auf eine Rückkehr in den Sport, oder geniesst er frühzeitig seine verdiente Pensionierung?
Ich habe ihn ein ganzes Jahr stehen lassen. D.h. Eisen weg und auf die Weide. Dann habe ich ganz langsam angefangen. Monat für Monat. Zuerst nur Schritt ausgeritten auf hartem Boden. Dann Trab und langsam Galopp. Manöver mache ich fast keine mehr. Momentan läuft er sehr gut und ich trainiere nur konditionell auf die Schweizermeisterschaft hin. Wenn ich Glück habe, hält es und dann versuche ich ihn über den Winter wieder fit zu bekommen. So wie Chex werde ich ihn nie mehr einsetzen können. Aber er hat ja auch schon viel geleistet und muss sich nicht mehr beweisen.


Wie sieht es eigentlich mit der Helmpflicht im Westernsport aus? Bei der Dressur sieht man es ja auch immer mehr. Merkst du hier auch einen Wandel in diese Richtung oder ist dies im Westernsport eher „verpönt“?
Ich glaube bei den Jugendlichen ist es Pflicht. Ansonsten passieren niemals so viele Unfälle wie z.B. im Springsport. Klar „kluge Köpfe schützen sich“ aber wie sähe John Wayne mit Helm aus.


Wie sieht das prädestinierte Westernsportpferd aus bzw. was muss es deiner Meinung nach können?
Ein Reining Pferd muss viel Talent haben um die Manöver aus zu üben. Es muss mit Druck umgehen können, cool sein, ein grosses Herz haben und einen guten Körperbau. Mit dieser Mischung würde man schon fast Weltmeister werden.


Wie bist du eigentlich zum Reining gekommen? Basiert dies auf einer familiären Tradition? Denn in der Schweiz hat man ja hier leider weniger Turnier-Möglichkeiten, als beispielsweise beim Springsport?
Meine Mutter hat ihr erstes Quarter Horse gekauft als ich ungefähr 6 Jahre alt war. Deshalb fing ich an Western zu reiten. Einmal auf einem Reining Pferd gesessen, interessiert einem nicht anderes mehr. Reining ist eine Faszination die schwer zu beschreiben ist. Man ist einfach süchtig!


Wo trifft man dich als nächstes mit deinen Pferden an?
Jeden Tag zu Hause im Stall, auf einem Ausritt im Wald oder am nächsten Turnier. Der Schweizer Meisterschaft Ende September in Matzendorf.


Du hast schon sehr vieles in deinem Leben erreicht, was würdest du trotzdem noch gerne erreichen?
Ich sage immer ich bräuchte mindestens drei Leben: Im ersten würde ich nur Reisen, im zweiten das tun was ich jetzt tue und im dritten wäre ich schon lange verheiratet und hätte drei Kinder.


Zum Schluss noch für alle Nicht-Westernreiter: Was lief jetzt da an den Weltreiterspielen genau schief, denn aus den Augen eines englischen Reiters, sah dies ja schon sehr eindrucksvoll aus? ;-)
Ganz einfach gesagt; Chex hatte den Turbo drin und ich brachte ihn nicht mehr raus. Er wurde auf dem „kleinen langsamen Zirkel“ nicht langsam. Hat gewechselt wo er nicht wechseln sollte und hat nicht gewechselt wo er hätte wechseln sollen. Das gibt ganz viele „ Penalties“ Strafpunkte die man nicht mehr aufholen kann egal wie gut er dreht und stoppt.


Für alle die den Ritt verpasst haben:
Auf der Homepage vom schweizerischen Verband für Pferdesport, kann man sich übrigens Adrienne’s und Chexylution’s Auftritt nochmals ansehen.


Und hier kann man ihren familieneigenen Pensionsstall in Hombrechtikon begutachten.


Übrigens sind neu auch Western-Artikel bei reitsport.ch erhältlich!

Das könnte Dich auch interessieren‚‚

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.